Portal Lohnsteuer-kompakt.de

Saarland bei Steuerbescheid am schnellsten

+
Finanzämter im Saarland benötigten 2018 für die Bearbeitung der Steuererklärung durchschnittlich 48,7 Tage. Das ist im bundesweiten Vergleich das beste Ergebnis. Foto: Armin Weigel

Je länger Finanzämter Steuererklärungen bearbeiten, desto länger warten Bürger oft auf mehrere tausend Euro Rückzahlungen. Eine Auswertung zeigt nun, wo es besonders schnell geht.

Berlin (dpa) - Von einem Monat bis zu fast einem Vierteljahr: Wie lange Bürger auf die Rückerstattung zu viel gezahlter Steuern warten müssen, ist bundesweit sehr unterschiedlich.

Im vergangenen Jahr sind die Steuererklärungen einem Internet-Fachportal zufolge im Saarland am schnellsten bearbeitet worden, in knapp 50 Tagen. Das geht zumindest aus der Auswertung von über 300.000 anonymisierten Steuererklärungen hervor, die über das Portal Lohnsteuer-kompakt.de erstellt wurden. Demnach brauchten Finanzämter im Saarland im Schnitt 48,7 Tage für den Bescheid. Der Bundesschnitt liegt bei 56,1 Tagen Bearbeitungszeit, 0,7 Tage mehr als 2017.

Berlin - wo im Gegensatz zu vielen anderen Behörden-Missständen die Steuererklärungen bisher schnell bearbeitet wurden - verlor den ersten Rang und rutschte auf Platz zwei; die Bearbeitungszeit lag 2018 bei 48,9 Bearbeitungstagen. Dahinter folgten Hamburg (49,8 Tage), Nordrhein-Westfalen (51,5 Tage) und Rheinland-Pfalz (53,8 Tage). Schlusslicht war mit 65,7 Tagen Bearbeitungszeit Niedersachsen. Berücksichtigt wurden 513 Finanzämter, an die jeweils mindestens 25 Steuererklärungen über das Portal übermittelt wurden.

Daher ist diese Auswertung nicht ganz so aussagekräftig wie die jährliche Auswertung des Bundes der Steuerzahler, der alle Finanzverwaltungen abfragt. Diese Daten liegen noch nicht vor - aber 2017 zeigten sich hier ähnliche Trends. Allerdings war dieser Auswertung zufolge die Zeit bis zum Steuerbescheid in der Regel sogar deutlich kürzer.

In Berlin erhielten 2017 nach der Steuerzahlerbund-AuswertungArbeitnehmer ihren Steuerbescheid im Durchschnitt in 35 Tagen. Auch das Saarland und das drittplatzierte Rheinland-Pfalz erledigten die Steuererklärungen für Arbeitnehmer unter 40 Tagen - am längsten dauerte es laut dieser Auswertung in Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen mit jeweils rund 55 Tagen Bearbeitungszeit.

Deutschlands schnellstes Finanzamt befand sich der Auswertung von Lohnsteuer-kompakt.de zufolge 2018 in Nordrhein-Westfalen. Das Finanzamt Wuppertal-Barmen brauchte demnach für die Bearbeitung einer Steuererklärung im Schnitt nur 34,3 Tage - ein Sprung von Platz 53 auf Platz 1. Die zehn langsamsten Finanzämter befanden sich 2018 in Hessen, Bayern und Niedersachsen. Am längsten brauchten Mitarbeiter des hessischen Finanzamts Hersfeld-Rotenburg; Verwaltungsstelle Bad Hersfeld, mit einer Bearbeitungsdauer von im Schnitt fast drei Monaten (89,6 Tage).

Hier ein Überblick über die Platzierungen der Bundesländer mit der jeweiligen durchschnittlichen Bearbeitungszeit 2018 und 2017:

2018 2017
Saarland 48,7 49,4
Berlin 48,9 47,9
Hamburg 49,8 51,8
Nordrhein-Westfalen 51,5 51,6
Rheinland-Pfalz 53,8 49,5
Mecklenburg-Vorpommern 54,8 54,0
Sachsen-Anhalt 55,5 50,1
Sachsen 56,3 55,9
Baden-Württemberg 56,6 58,8
Brandenburg 56,7 55,2
Bayern 57,4 56,0
Schleswig-Holstein 57,9 52,3
Thüringen 58,3 59,5
Bremen 59,9 62,9
Hessen 63,9 62,9
Niedersachsen 65,7 62,6
Mittelwert bundesweit 56,1 55,4

"Für Steuerpflichtige ist es ärgerlich, dass die Bearbeitungsdauer der Steuererklärungen im Schnitt immer länger wird", sagte der Geschäftsführer von Lohnsteuer-kompakt.de, Felix Bodeewes. "Letztendlich geben die meisten Beschäftigten dem Staat ein zinsloses Darlehen, dessen Laufzeit sich jedes Jahr verlängert", meinte er mit blick auf oft tausende Euro an Rückzahlungen.

Die große Koalition von Union und SPD hat es sich zum Ziel gesetzt, das Ausfüllen von Steuererklärungen zu vereinfachen - das soll auch die Bearbeitung beschleunigen. Schon zuvor wurden Regeln für das Einreichen von Belegen vereinfacht beziehungsweise Freigrenzen eingeführt. Im Koalitionsvertrag heißt es: "Steuervereinfachung ist eine Daueraufgabe. Es ist ein wichtiges politisches Ziel, hier Schritt für Schritt voranzukommen und dabei insbesondere auch die technischen Möglichkeiten der modernen Datenverarbeitung zu nutzen." Daher werde das Angebot für eine elektronische Kommunikation mit der Finanzverwaltung ausgebaut, und man strebe "die Einführung einer vorausgefüllten Steuererklärung für alle Steuerpflichtigen bis zum Veranlagungszeitraum 2021 an".

Zahlen Steuerzahlerbund 2017

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Pfandflaschenerlös wird nicht auf Hartz IV angerechnet

Pfandflaschen können zu barem Geld werden. Manche Menschen leben davon, dass sie die Flaschen einsammeln. Auf Hartz IV dürfen diese Einnahmen jedoch nicht angerechnet …
Pfandflaschenerlös wird nicht auf Hartz IV angerechnet

"Ich leide jeden Tag": Hartz-IV-Empfängerin hat Herzenswunsch - doch der wird ihr verwehrt

Beate Hunger ist seit Jahren arbeitslos, mehrere Schicksalsschläge hinderten sie daran, ein normales Leben zu führen. Nun muss sie auch noch um ihren Sohn kämpfen.
"Ich leide jeden Tag": Hartz-IV-Empfängerin hat Herzenswunsch - doch der wird ihr verwehrt

Frau (60) fällt aus allen Wolken - als sie erfährt, wie viel Rente sie später einmal erhält

Eine 60-jährige Arbeitnehmerin will sich über ihre Rentenbezüge erkundigen und lässt sich bei der Deutschen Rentenversicherung beraten. Mit ernüchterndem Ergebnis.
Frau (60) fällt aus allen Wolken - als sie erfährt, wie viel Rente sie später einmal erhält

So riestern Sie richtig - und sahnen bei der Steuererklärung richtig ab

Vielen Deutschen ist die Riester-Rente ein Rätsel - dabei lohnt sie sich in manchen Fällen. Schließlich wird sie staatlich gefördert. Was das mit der Steuererklärung zu …
So riestern Sie richtig - und sahnen bei der Steuererklärung richtig ab

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.