Totenruhe hat Vorrang

Umzug von Hinterbliebenen ist kein Grund für Urnenumbettung

+
Der Umzug von Angehörigen rechtfertigt noch nicht die Umbettung einer Urne. Wichtiger ist der Schutz der Totenruhe. So urteilte Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Foto: Friso Gentsch/dpa

Der Schutz der Totenruhe ist ein hohes Gut. Denn die Würde des Menschen wirkt über dessen Tod hinaus. Daher müssen Angehörige wichtige Gründe haben, wenn sie Urnen von Verstorbenen umbetten wollen.

Gelsenkirchen (dpa/tmn) - Die Umbettung von Urnen mit der Asche Verstorbener ist nur in seltenen Ausnahmefällen zulässig. Möglich kann das zum Beispiel sein, wenn ein Verstorbener nachweislich an einem anderen Ort bestattet sein wollte.

Ziehen die Hinterbliebenen an einen neuen Wohnort, ist das dagegen kein Grund, der eine Umbettung rechtfertigt. Das entschied das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen (Az.: 14 K 4013/16), wie die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas mitteilt.

In dem verhandelten Fall wollte eine Frau die Urnen ihres Mannes und ihrer Mutter umbetten lassen. Sie hatte sich aufgrund ihres Alters entschlossen, an den Wohnort ihrer beiden Töchter zu ziehen, und stellte bei der zuständigen Friedhofsverwaltung einen entsprechenden Antrag. Dieser blieb aber erfolglos, weshalb sie vor Gericht zog.

Doch auch die Richter entschieden: Ein Umzug Angehöriger stellt keinen wichtigen Grund für eine Umbettung dar. Die unantastbare Würde des Menschen wirke auch über dessen Tod hinaus und gebiete eine würdige Bestattung und den Schutz der Totenruhe. Gerät der Schutz der Totenruhe in Konflikt mit dem Recht der Angehörigen auf Totenfürsorge, so genießt die Totenruhe Vorrang. Dass die Verstorbenen an einem anderen Ort bestattet sein wollten, konnte hier nicht nachgewiesen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Kaum zu glauben: Für dieses Produkt blättern wir im Jahr 216 Millionen Euro hin

Zigaretten, Klamotten oder Süßes: Fast jeder hat ein Laster, für das er sehr viel Geld lässt. Doch es gibt eine "Sünde", von der die Deutschen am wenigsten ablassen …
Kaum zu glauben: Für dieses Produkt blättern wir im Jahr 216 Millionen Euro hin

Haftpflichtversicherung sollte Schäden durch Kinder abdecken

Kleine Kinder können für Delikte nicht belangt werden. Im Grunde müsste bei einem verursachten Schaden die Versicherung nicht zahlen. Was können Eltern also tun, damit …
Haftpflichtversicherung sollte Schäden durch Kinder abdecken

Frau arbeitet nur zwei Stunden am Tag - von ihrem Gehalt können viele nur träumen

Als Dreifach-Mama hat Charlotte Jones nicht viel Zeit - weshalb sie nur zwei Stunden pro Tag arbeitet. Dennoch verdient sie mehr Gehalt als so manch ein …
Frau arbeitet nur zwei Stunden am Tag - von ihrem Gehalt können viele nur träumen

"GEZ"-Urteil und seine Folgen: Das müssen Sie über den Rundfunkbeitrag wissen

Welche Folgen hat das "GEZ"-Urteil? Warum hat das Verfassungsgericht den Beitrag im Wesentlichen bestätigt? Was Sie jetzt zum Rundfunkbeitrag wissen müssen.
"GEZ"-Urteil und seine Folgen: Das müssen Sie über den Rundfunkbeitrag wissen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.