Forscher reagieren irritiert

Coronavirus-Ansteckung auf dem Fahrrad? So groß ist die Gefahr wirklich - Fachmann fordert mehr Abstand

+
Auch auf dem Fahrrad gilt die derzeitige Abstandsregel von mindestens 1,5 Metern zu anderen. Doch ein Wissenschaftler aus Belgien ist da anderer Meinung. 

Die These eines belgischen Professors sorgt für Verunsicherung: Radfahren soll das Risiko, sich mit Covid-19 anzustecken, immens erhöhen. Virologen haben eine eindeutige Botschaft.

  • Bewegung im Freien gilt in Zeiten der Coronavirus-Pandemie als empfehlenswert, weil so das Immunsystem gestärkt* wird. 
  • Abstandsregeln gelten allerdings nach wie vor: Mindestens 1,5 Meter sollten zwischen sich und andere gebracht werden, um die Ansteckungsgefahr durch Coronaviren zu minimieren. 
  • Eine neue Studie aus einem europäischen Nachbarland kommt allerdings zu dem Schluss, dass dies bei Radfahrern nicht ausreicht. 

Das Robert Koch-Institut (RKI) als Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten meldet, dass der Hauptübertragungsweg von Coronaviren primär die Tröpfcheninfektion* ist, also wenn die Viren etwa durch Husten eines Infizierten in die Luft gelangen, von dort auf die Schleimhäute von Augen, Mund und Nase anderer Personen treffen und so in den Körper eindringen*. Um diesen Infektionsweg so gut wie möglich zu vermeiden, gelten in Deutschland seit Ende März 2020 strenge Ausgangsbeschränkungen und Abstandsregeln, die mindestens 1,5 Meter Distanz zu anderen vorsehen. Bewegung an der frischen Luft ist weiterhin ohne Probleme möglich - in Bayern allerdings nur alleine oder im Familienverbund. 

Laufen Jogger oder fahren Radfahrer schwer atmend im Park oder im Wald an einem vorbei, kommt allerdings bei so manchem die Frage auf, wie gut ein Schutz durch 1,5 Meter Sicherheitsabstand überhaupt sein kann. Professor Blocken hat sich mit dieser Frage befasst - mit überraschendem Ergebnis. 

Coronavirus-Ansteckung verhindern: Professor fordert Sicherheitsabstand von 20 Metern zu Radfahrern

Bert Blocken, Professor für Gebäudephysik und Aerodynamik an der niederländischen University of Technology Eindhoven, untersuchte das Verhalten kleinster Mikrotröpfchen, die Läufer und Radfahrer ausatmen. Sein Ergebnis: Je nachdem wie schnell man läuft oder fährt, verbreiten sich diese in einem großen Umkreis. Der Aerodynamik-Experte schlussfolgerte, dass eine Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus beim schnellen Radfahren auch noch zehn Meter hinter einem vorausfahrenden Radfahrer gegeben sei, wie das Rennrad-Magazin Tour informierte. Ein Sicherheitsabstand von 20 Metern sei deshalb in seinen Augen empfehlenswert. 

Viele Wissenschaftler halten dagegen, dass Blockens Theorie in der Praxis hinkt. Juliane Pfeiffer als Pressesprecherin der Gesellschaft für Virologie sagt im Tour-Interview: "Aus virologischer Sicht muss man darauf hinweisen, dass wir aktuell nicht wissen, ob und wie häufig Covid-19 über die Luft - also über kleinste Tröpfchenkerne, genannt Aerosole, die vom Infizierten aus- und einem anderen eingeatmet werden - übertragen wird. Dieser Infektionsweg durch Einatmen ist nicht auszuschließen, jedoch ist der hauptsächliche Übertragungsweg nach jetzigem Stand immer noch die Tröpfcheninfektion, bei der also beim Husten und Niesen Tröpfchen entstehen und beim Gegenüber über die Schleimhäute (Nase, Mund, Auge) aufgenommen werden. Hinzu kommt: Im Freien – also beim Laufen, Joggen, Fahrradfahren an der frischen Luft – herrschen Bedingungen, die eine Übertragung eher erschweren: Die (ausgehustete oder ggf. ausgeatmete) Viruslast* wird in der Luft rasch verdünnt und es herrscht meist ein gewisser Wind, wodurch die winzigen infektiösen Partikel rasch verweht werden. Insofern halten wir das Risiko beim Joggen, Fahrrad fahren, Überholen mit dem Fahrrad für überschaubar, sofern die aktuell empfohlenen sozialen Distanzregeln – also Abstand von mindestens 1,5 bis 2 Metern zu anderen halten und kein Sport in Gruppen - eingehalten werden."

Mehr Quellen: www.rki.de

WeiterlesenMundmasken für alle? Ärztlicher Direktor mit neuer Einschätzung.

jg

Überforderung im Sport vermeiden

Höher, schneller, weiter: Um einer Überforderung durch das Training vorzubeugen, sind vor allem Pausen wichtig. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn
Höher, schneller, weiter: Um einer Überforderung durch das Training vorzubeugen, sind vor allem Pausen wichtig. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn © Klaus-Dietmar Gabbert
Zu den körperlichen Signalen von sportlicher Überforderung zählen Infektanfälligkeit, gerötete und warme Gelenke - und Schmerzen. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Zu den körperlichen Signalen von sportlicher Überforderung zählen Infektanfälligkeit, gerötete und warme Gelenke - und Schmerzen. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn © Tobias Hase
Professor Ingo Froböse ist Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung der Deutschen Sporthochschule Köln. Foto: Ina Fassbender/dpa-tmn
Professor Ingo Froböse ist Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung der Deutschen Sporthochschule Köln. Foto: Ina Fassbender/dpa-tmn © Ina Fassbender
Valentin Markser ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Sportpsychiatrie. Foto: Valentin Markser/dpa-tmn
Valentin Markser ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Sportpsychiatrie. Foto: Valentin Markser/dpa-tmn © Valentin Markser
Aus der Puste? Einsteiger sollten nur alle zwei Tage trainieren und zwar so, dass sie sich subjektiv unterfordert fühlen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Aus der Puste? Einsteiger sollten nur alle zwei Tage trainieren und zwar so, dass sie sich subjektiv unterfordert fühlen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn © Christin Klose

*Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Geerntete Zucchini auf Bittergeschmack testen

Selbst angebautes Gemüse lässt das Herz höher schlagen. Wer seine Zucchini erntet, sollte aber vor dem Zubereiten vorsichtig testen, ob sie bitter schmeckt. Denn in dem …
Geerntete Zucchini auf Bittergeschmack testen

Mineralwasser im Öko-Test: Dieses bekannte Wasser enthält zu viele Schadstoffe

Öko-Test prüfte 100 Mineralwässer, rund die Hälfte schneidet sehr gut ab, doch es finden sich auch verunreinigte Quellen. Ist Ihr Lieblingswasser betroffen?
Mineralwasser im Öko-Test: Dieses bekannte Wasser enthält zu viele Schadstoffe

Überraschend: Was unser Körpergewicht wirklich bestimmt - es ist nicht Sport und Ernährung

Wer mehr Kalorien isst, als benötigt, nimmt zu. Dieser Grundsatz wird von Forschern angezweifelt. Sie machen etwas anderes für das Körpergewicht verantwortlich.
Überraschend: Was unser Körpergewicht wirklich bestimmt - es ist nicht Sport und Ernährung

Schon mal Pilzkaffee probiert? Diese Effekte soll das Trendgetränk entfalten

Pilzkaffee soll beim Abnehmen helfen, die Verdauung anregen und das Immunsystem stärken: Was ist dran am Werbeversprechen verschiedener Anbieter?
Schon mal Pilzkaffee probiert? Diese Effekte soll das Trendgetränk entfalten

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.