Viele Todesopfer

"Russische Grippe" in den 70ern: Diese Ähnlichkeit gibt es zur Coronavirus-Pandemie

Im Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der Medizinischen Universität Wien untersucht ein Mitarbeiter den Aufbau von Coronaviren - gibt es eine Ähnlichkeit zwischen Covid-19 und "Russischer Grippe"?
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Im Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der Medizinischen Universität Wien untersucht ein Mitarbeiter den Aufbau von Coronaviren - gibt es eine Ähnlichkeit zwischen Covid-19 und "Russischer Grippe"?

Die Coronavirus-Pandemie ist nicht die erste Krankheitswelle, die ganze Länder lahm legt. Im letzten Jahrhundert brachen einige verheerende Seuchen aus - etwa die "Russische Grippe".

  • Die "Spanische Grippe" zwischen 1918 und 1925 gilt als schlimmste Pandemie der Neuzeit. Sie forderte rund 50 Millionen Todesopfer. 
  • Auch die "Russische Grippe" von 1977 und 1978 zählt zu den Pandemien, die weltweit Auswirkungen zeigte. Bis zu 700.000 Menschen verstarben damals. 
  • Die Coronavirus-Pandemie wird nicht wie bei oben genannten Krankheiten durch Influenza-, sondern durch Coronaviren ausgelöst. Dennoch gibt es einige Parallelen. 

Die meisten Bürger haben etwas Derartiges wie die Corona-Krise noch nie erlebt. Vor allem Jüngere waren noch nie zuvor mit ähnlichen Einschränkungen im Alltag konfrontiert. Doch der weltweite Ausbruch des Coronavirus ist nicht die erste Krankheitswelle, die die Menschheit heimsucht. Viele lebensbedrohliche Infektionskrankheiten, die durch Viren oder Bakterien verursacht wurden, gingen ihr voraus. Dazu gehören etwa die Ebola-Viruskrankheit oder die Masern*. Letztere konnten durch die Möglichkeit der Impfung unter Kontrolle gebracht werden. 

Auch verschiedene Grippe-Pandemien wie die "Spanische Grippe" und die "Russische Grippe" forderten im letzten Jahrhundert unzählige Todesopfer. Obwohl diese durch Influenzaviren ausgelöst wurden, gibt es einige Parallelen zur aktuellen Coronavirus-Pandemie*

"Russische Grippe" mit bis zu 700.000 Todesopfern weltweit

"Spanische Grippe", "Russische Grippe" und auch aktuelle Grippe*-Wellen führten und führen auch heute noch zu tragischen Nachrichtenlagen. Nicht nur Epidemien - örtlich begrenzte Krankheitsausbrüche -, sondern auch Pandemien brechen immer wieder aus. Von einer Pandemie ist die Rede, wenn eine Infektionskrankheit keinen Halt vor Ländergrenzen macht und sich weltweit ausbreitet. 

Die "Russische Grippe", die ebenfalls zu den Pandemien zählt, kostete Ende der 70er Jahre rund eine halbe Million Menschen das Leben - vor allem Menschen unter 23 Jahren zählten zu den Betroffenen, etwa 700.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene verstarben an der Viruskrankheit.

Die letzte größere Grippe-Epidemie traf Deutschland im Jahr 2017/18. Über sieben Millionen Menschen suchten damals aufgrund einer Virusgrippe einen Arzt auf, 25.100 Menschen kamen durch die Virusgrippe ums Leben. Das sei die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren, wie das Ärzteblatt Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, zitiert. Auch die Influenzasaison 1995/96 reiht sich hier ein: Sie zählt mit etwa 8,5 Millionen Fällen und rund 30.000 Todesopfern in Deutschland ebenfalls zu den heftigsten Grippewellen, die Deutschland in den letzten 30 Jahren gesehen hat.  

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Covid-19: Bisher folgenschwerste durch Coronaviren ausgelöste Pandemie

Durch Coronaviren ausgelöste Krankheitswellen wurden bisher vor allem mit dem asiatischen Raum in Verbindung gebracht. So kam es im Jahr 2002/2003 zu einer Ausbreitung des Sars-Virus in China. Im Verlauf breitete sich dieser weltweit aus, insgesamt 8.096 Patienten wurden in 26 Ländern gezählt, wobei 774 Menschen an den Folgen verstarben. 

Auch das Mers-Coronavirus (Mers-CoV) zählt zu den Coronaviren, die schwere Atemwegserkrankungen auslösen*. Bisher waren 27 Länder von Mers betroffen, wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit informiert. Bis Ende November 2019 seien nach WHO-Angaben weltweit 2.494 laborbestätigte Mers-Fälle gezählt worden, davon 858 Todesfälle.

Die aktuelle Covid-19-Pandemie mit 3.127.519 gemeldeten Fällen weltweit und bisher 217.569 Todesopfern stellt einen traurigen Rekord im Vergleich mit anderen durch Coronaviren ausgelösten Pandemien auf. Zwar gelten 935.646 Menschen als wieder gesund, doch die Zahl der Infizierten steigt weiter an, wie das Coronavirus Resource Center der Johns Hopkins University meldet

Lesen Sie auch"Sie sind immun, vergessen Sie die Corona-Krise, Sie sind raus": Mediziner fällen Urteil über Antikörper-Schnelltests.

"Russische Grippe" und Covid-19: Darin ähneln sich die Viruskrankheiten

Es handelt sich bei Covid-19 wie bei der Russischen und der Spanischen Grippe um eine Krankheit, die über Tröpfchen- und Schmierinfektion* übertragen wird und zuerst die Atemwege befällt. Die Atemorgane können in der Folge so weit Schaden nehmen, dass es zur lebensgefährlichen Lungenentzündung kommen kann*. Auch die weltweite Verbreitung hat Covid-19 mit den in der Vergangenheit ausgebrochenen und folgenschweren Pandemien gemein - und auch die hohe Anzahl an Todesopfern spricht dafür, dass es sich bei Covid-19 um eine Krankheit handelt, die ähnlich wie die "Russische Grippe" verläuft. 

Jedoch wurde die "Russische Grippe" von Influenzaviren des Subtyps A/H1N1 ausgelöst - der Subtyp, der auch 1918 Ursache der "Spanischen Grippe" war. Ebenso unterscheiden sich die Risikogruppen*: So erkrankten an der "Russischen Grippe" vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 so schwer, dass die meisten Todesopfer in dieser Altersgruppe verzeichnet wurden. Dies führten Forscher darauf zurück, dass die nach 1957 Geborenen keinen ausreichenden Immunschutz gegen das Virus hatten. Vor 1957 geborene Menschen waren in der Regel bereits mit dem Erreger A/H1N1 in Kontakt gekommen, weshalb deren Körper bereits Antikörper gebildet hatten. 

Die Unterschiede bezüglich der Risikogruppen und auch der Fakt, dass über Covid-19 als neuartige Lungenkrankheit noch keine Langzeitstudien beziehungsweise noch nicht viele stichhaltige und auch teilweise widersprüchliche Forschungsergebnisse vorliegen, lässt nach aktuellem Wissensstand keine oder nur sehr vage Vergleiche zwischen "Russischer Grippe" und Covid-19 zu

Mehr Quellen: www.welt.de; www.lungenaerzte-im-netz.de; www.wikipedia.org

WeiterlesenZoonosen wie Coronavirus-Infektion als globales Problem - Biologe mit dringlicher Warnung.

jg

Der lebensrettende Pieks: Diese Risikogruppen sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gibt Empfehlungen ab, welche Menschen sich impfen lassen sollten. Gehören Sie auch zur Risikogruppe? (Stand: Juli 2013) © dpa
Das Immunsystem älterer Menschen reagiert zwar weniger stark auf die Impfung, dennoch empfehlen die Experten das Serum. Im Falle einer Erkrankung fallen die Symptome schwächer aus. Da für Menschen über 60 Jahre ein erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Komplikationen besteht, ist die Impfung dringend angebracht. © dpa
Wie bei älteren Menschen besteht auch bei Schwangeren ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Daher raten die Gesundheitsexperten auch werdenden Müttern ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Impfung. Schwangere, die bereits an einer Grunderkrankung leiden, können sich nach Absprache mit dem Arzt auch schon früher pieksen lassen. © dpa
Erwachsene und Kinder, die an einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Asthma leiden, gehören ebenfalls zu den Risikogruppen. © fkn, Mundipharma
Auch Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck wird die Grippe-Impfung nahe gelegt. © dpa
Kinder dürfen frühestens ab einem Alter von sechs Monaten gegen die Grippe geimpft werden. © dpa
Wer an chronischen Stoffwechsel-Erkrankungen wie Zucker (Diabetes Mellitus), an chronischen Nierenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), an angeborenen oder erworbenen Immunstörungen wie Abwehrschwäche nach Organtransplantationen, bei Chemotherapien oder HIV-Infektionen leidet, sollte sich die Grippe-Impfung nicht entgehen lassen. © dpa
Ebenso Menschen mit chronisch neurologischen Krankheiten wie beispielsweise Multipler Sklerose gehören zu den Risikogruppen. © dpa
Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen oder Angestellte in Einrichtungen mit erhöhtem Publikumsverkehr laufen Gefahr, durch ihre Arbeit sich selbst oder andere anzustecken - die Grippe-Impfung ist daher eigentlich Pflicht. © dpa
Die Bewohner von Pflege- und Altenheimen sind ebenfalls besonders gefährdet. © dpa
Urlauber ab 60 Jahren oder chronisch Kranke, die verreisen wollen, sollten sich spätestens zwei Wochen vor der Abreise pieksen lassen. © dpa
Menschen, die häufig mit Geflügel, auch mit Wildvögeln in Berührung kommen, zählen auch als Risikogruppe. © dpa
NICHT impfen lassen dürfen sich Menschen, die allergisch reagieren auf Hühnereiweiß. Der Impfstoff wird in Hühnereiern gezüchtet. Wer aktuell unter Fieber leidet, sollte mit der Imfpung warten, bis die Erkrankung abgeklungen ist.
Die meisten Krankenkassen in Deutschland übernehmen freiwillig die Kosten für die saisonale Grippeimpfung. Über-60-Jährige und chronisch Kranke müssen in der Regel nichts bezahlen. © dpa

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