Tipps für Zuhause

Corona-Krise: So überstehen Sie den zweiten Lockdown – mit Tipps von der Therapeutin

Ausgangsbeschränkungen und Sorge um Angehörige: Die Covid-19-Pandemie schlägt aufs Gemüt. Folgende Tipps von einer Expertin helfen, zuversichtlich zu bleiben.

  • Um trotz der aktuellen Situation guter Dinge zu bleiben, kann man einiges tun. 
  • Eine Verhaltenstherapeutin erklärt, wie Sie trotz widriger Umstände einen kühlen Kopf bewahren. 
  • Erfahren Sie hier außerdem, wie Menschen mit psychischen Problemen wie Depressionen* die schwierige Zeit überwinden. 

Update vom 29.10.2020: Lockdown Light im November 2020 – so überstehen wir ihn

Ab 2. November 2020 herrschen in Deutschland wieder strengere Regeln, um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen. Kinos, Fitnessstudios, Restaurants sowie Kosmetikstudios müssen schließen und die Bürger sind angehalten, Kontakte, Ausflüge und Reisen auf das Nötigste zu beschränken. Das schlägt aufs Gemüt. Gerade jetzt im Winter ist es deshalb wichtig, sich so oft wie möglich draußen an der frischen Luft zu bewegen, sich häufig mit anderen auszutauschen und mit lustigen Filmen und einem neuen Hobby die Laune zu heben. Verhaltenstherapeutin Heike Winter erklärt weiter unten im Text, was außerdem hilfreich ist.

Artikel vom 06.04.2020: Seit Sonntag, den 22. März 2020, gelten für ganz Deutschland strenge Ausgangsbeschränkungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat alle Bürger dazu aufgerufen, Wohnungen und Häuser nur falls nötig zu verlassen. Der Gang zum Lebensmitteleinkauf, zum Arzt oder zur Arbeit ist zwar möglich, allerdings sollte ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Personen eingehalten werden. Befremdliche Maßnahmen, die allerdings Leben retten: Oberstes Ziel sei es laut Bundesregierung, die Ausbreitung der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 zu verlangsamen. Das ist am besten durch Isolation möglich, da sich das Coronavirus durch Tröpfcheninfektion verbreitet*. 

Deshalb wird aktuell dringend empfohlen, wo möglich auf soziale Kontakte zu verzichten*. Familientreffen, gemütliche Abende mit Freunden, Restaurant-Besuche oder Mannschaftssport: All diese und ähnliche Aktivitäten sind derzeit nicht möglich, was die Stimmung erheblich trübt. Dazu kommen die Hiobsbotschaften in den Nachrichten über steigende Covid-19-Fälle und zusammenbrechende Gesundheitssysteme in anderen Ländern. Wie soll man da zuversichtlich bleiben? Eine Therapeutin gibt Antworten. 

Therapeutin rät: Pläne schmieden, telefonieren, Struktur schaffen

Heike Winter ist praktizierende Verhaltenstherapeutin in Offenbach und Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen. Sie empfiehlt folgende Strategien, um mit der aktuellen Situation und der damit verbundenen Unsicherheit fertig zu werden:

  • Ein Gefühl von Sicherheit schaffen: "Menschenmengen vermeiden, sich strikt an die Verhaltenstipps zu Corona halten. Das schafft uns ein Gefühl von Sicherheit", so Winter im Interview mit Hessenschau.de
  • Sich mit den Fakten auseinandersetzen, ohne in Panik zu verfallen: "Ich kann jetzt auf den winzig kleinen Balken der Todesfälle sehen, oder ich kann auf den - daran gemessen - sehr, sehr großen Balken der Fälle gucken, in denen das Virus absolut harmlos verläuft*. Es ist wichtig, sich klarzumachen: Ich habe immer die Wahl, welchen der Balken ich mir anschaue. Denn wenn ich erst einmal so ein Katastrophendenken beginne, löst das körperliche Reaktionen bei uns aus. Stresshormone werden freigesetzt und so weiter."
  • Die "Zeit danach" planen: Wer Pläne schmiedet, kann sich auf etwas freuen. Entsprechend rät Verhaltenstherapeutin Winter, die Zeit zuhause zu nutzen, um für sich selbst herauszufinden, was einem wichtig ist und dann Pläne für die Zeit nach der Krise zu schmieden.
  • Struktur schaffen: "Arbeit gibt uns das Gefühl von Selbstbestätigung. Wichtig ist, sich danach bewusst zu machen, dass man etwas geschafft hat", so Winter. Sie empfiehlt, Routinen zu entwickeln. Auch wenn man im Home Office arbeitet, solle man sich weiterhin morgens den Wecker stellen, Zähne putzen und sich nicht in der Jogginghose vor den Laptop setzen. Auch wer sich Aufgaben daheim sucht, etwa Kühlschrank putzen oder Regale aufbauen, schafft Struktur. 
  • Sport treiben: Auch wenn strenge Ausgangsbeschränkungen herrschen: Sport im Freien ist weiterhin möglich, wenn auch nur alleine oder zu zweit, falls die Begleitperson im gleichen Haushalt lebt wie Sie. Beim Outdoor-Sporteln sollte ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen eingehalten werden. Video-Portale wie Youtube machen es möglich, sich zuhause zu verausgaben*: Hier gibt es diverse Trainingsanleitungen von Yoga über Pilates bis hin zu Rückenschule. 
  • Tauschen Sie sich aus: Skype, Telefon, WhatsApp - auch wenn man sich nicht physisch nah sein kann, gibt es immer noch die Möglichkeit, Freunde und Familie zu hören oder/und zu sehen und sich gegenseitig auf andere Gedanken zu bringen. 

Video- und Telefonsprechstunden für Menschen mit psychischen Krankheiten

Menschen mit psychischen Problemen trifft die aktuelle Situation, die viel Unsicherheit und soziale Isolation mit sich bringt, noch härter als psychisch Gesunde. Deshalb zählen Psychotherapeuten genau wie Ärzte zu den Berufsgruppen, die auch jetzt weiter arbeiten, um die Versorgung der Patienten zu sichern

Wer bereits eine Psycho- oder Verhaltenstherapie macht, kann diese in vielen Fällen wie gewohnt weiterführen. Kontaktieren Sie einfach Ihren Therapeuten und sprechen Sie mit ihm oder ihr den weiteren Verlauf der Therapie ab. Viele Therapeuten bieten auch Telefon- und Videosprechstunden an. "Auch Menschen, die bislang noch keine Therapie begonnen haben, können weiter eine anfangen", so Verhaltenstherapeutin Heike Winter.

Sie haben den Verdacht, an einer Depression* zu leiden? 

  • Die Deutsche Depressionshilfe bietet unter der 0800 / 33 44 533 die Möglichkeit, sich über Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. 
  • Das iFightDepression Tool der Deutschen Depressionshilfe gibt Hilfestellung für diejenigen, die selbstständig etwas unternehmen möchten, um eine leichten Depression zu überwinden. 

WeiterlesenQuarantäne wegen Covid-19? Das müssen Sie jetzt beachten.

jg

Wann ist Hypochondrie eine gefährliche Störung?

Nur Kopfschmerz - oder etwas ernsteres? Menschen mit Hypochondrie vermuten hinter Allerwelts-Symptomen schwere, manchmal tödliche Krankheiten. Foto: Christin Klose
Nur Kopfschmerz - oder etwas ernsteres? Menschen mit Hypochondrie vermuten hinter Allerwelts-Symptomen schwere, manchmal tödliche Krankheiten. Foto: Christin Klose © Christin Klose
Julia Scharnhorst ist Diplom-Psychologin und Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Foto: Fredi Lang/BDP/dpa-tmn
Julia Scharnhorst ist Diplom-Psychologin und Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Foto: Fredi Lang/BDP/dpa-tmn © Fredi Lang
Dr. Christa Roth-Sackenheim ist Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater (BVDP). Foto: BVDP/dpa-tmn
Dr. Christa Roth-Sackenheim ist Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater (BVDP). Foto: BVDP/dpa-tmn © BVDP
Sven Steffes-Holländer ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Chefarzt an der Heiligenfeld Klinik Berlin. Foto: Petra Balling/Heiligenfeld Klinik Berlin/dpa-tmn
Sven Steffes-Holländer ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Chefarzt an der Heiligenfeld Klinik Berlin. Foto: Petra Balling/Heiligenfeld Klinik Berlin/dpa-tmn © Petra Balling
Tief durchatmen: Zumindest bei leichten Krankheitsängsten können Entspannungstechniken wie Meditation eine Hilfe sein. Foto: Christin Klose
Tief durchatmen: Zumindest bei leichten Krankheitsängsten können Entspannungstechniken wie Meditation eine Hilfe sein. Foto: Christin Klose © Christin Klose

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