Nicht nur alte Menschen zählen zur Risikogruppe

Coronavirus: Deshalb sind auch jüngere Menschen von schweren Covid-19-Verläufen betroffen

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Menschen ab 50 Jahren gelten als Covid-19-Risikogruppe: Doch nicht nur das Alter, auch Rauchen steigert das Risiko, dass Coronavirus-Infektionen einen schweren Verlauf nehmen.

Vor allem für Risikogruppen wie ältere Menschen soll eine Infektion mit Coronaviren gefährlich sein. Doch auch junge Menschen werden im Krankenhaus behandelt.

Update vom 25.03.2020: Raucher zählen anscheinend unabhängig vom Alter zur Covid-19-Risikogruppe

Daten aus China hatten gezeigt, dass Rauchen unabhängig vom Alter das Risiko für schwere Covid-19-Verläufe immens erhöht*. Professor Michael Pfeifer, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) rät deshalb: "Direkt mit dem Rauchen aufhören". Im Interview mit Deutschlandfunk sagte er: "Unsere Atemwege sind mit so genannten Flimmerhärchen ausgekleidet, die für die Selbstreinigung der Atemwege sorgen." Durch das Rauchen würden die Flimmerhärchen geschädigt werden, was dafür sorgen kann, dass Coronaviren es deutlich leichter haben, über die Lunge in den Körper einzudringen und sich dann weiter zu verbreiten.

Auch wenn die durch Rauchen geschädigte Bronchialschleimhaut einige Zeit braucht, um sich wieder zu erholen und bei langjährigen Rauchern sogar dauerhaft geschädigt bleiben kann, sieht Pfeifer eine sinnvolle Maßnahme im sofortigen Rauchstopp - auch in Hinblick darauf, dass Zigaretten alles andere als gesundheitlich förderlich sind. Auch bedenkliche Inhaltsstoffe im Liquid von E-Zigaretten* schaden der Bronchialschleimhaut, können krebserregend wirken und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. 

Update vom 23.03.2020: Auch junge Menschen von schweren Covid-19-Verläufen betroffen

Viele junge Menschen haben sich bisher in Sicherheit gewogen in Hinblick auf die neuartige Lungenkrankheit Covid-19. Doch neue Untersuchungen zeigen, dass eine Infektion mit Coronaviren* auch bei jüngeren Menschen schwere Verläufe nehmen kann. US-amerikanische Forscher hatten die bis zum 16. März gemeldeten Coronavirus-Infektionen in den USA ausgewertet. 508 Patienten mussten wegen schwerer Krankheitsverläufe im Krankenhaus behandelt werden, davon waren 20 Prozent 20 bis 44 Jahre alt - also fast ein Viertel

Zur Studie

Artikel vom 19.03.2020: Die Zahl der Patienten in China ist zwar rückläufig, doch immer neue bestätigte Coronavirus-Infektionen weltweit lassen nicht aufatmen. Das Coronavirus Resource Center der Johns Hopkins Universität meldete weltweit bisher 723.328 Fälle der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19. 34.005 Tote werden beklagt (Stand 30.03.2020). Auch in Deutschland mit bisher 62.435 gemeldeten Coronavirus-Infektionen kam es bereits zu 541 Todesfällen.

Mehr zum ThemaCovid-19: Deutschland meldet niedrige Todesrate - bereits geheilte Menschen wohl immun.

Corona-Pandemie: Im Mittel waren die Patienten 51 Jahre alt

Schwere Krankheitsverläufe werden vor allem bei Risikogruppen beobachtet, wie das Robert Koch-Institut (RKI) als Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten meldet. Dazu zählen:

  • ältere Menschen (ab etwa 50 Jahren steigt das Risiko für einen schweren Verlauf)
  • Raucher
  • Personen mit Vorerkrankungen des Herzens, der Lunge (etwa Asthma oder chronische Bronchitis) oder der Leber (chronischen Lebererkrankungen)
  • Menschen mit Diabetes*, Krebs oder geschwächtem Immunsystem (z.B. durch Einnahme von Medikamenten, die die Abwehr schwächen, wie Cortison)

Für jüngere und gesunde Menschen bedeutet eine Infektion mit Coronaviren* in der Regel keine Lebensgefahr, doch auch hier sind schwere Krankheitsverläufe möglich. Das RKI fasst zusammen: "Die Krankheitsverläufe sind unspezifisch, vielfältig und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Daher lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen zum 'typischen' Krankheitsverlauf machen".

Menschen, die sich mit Coronaviren angesteckt haben, aber keine Symptome zeigen, gehen in der Regel nicht zum Arzt. Die Krankheit wird nicht erkannt. Es gibt allerdings valide Zahlen aus China: Die bis zum 20.02.2020 erfassten 5.924 laborbestätigten Fälle in China verliefen bei rund 80 Prozent der Patienten milde bis moderat, wie das RKI berichtete. 14 Prozent verliefen schwer, aber nicht lebensbedrohlich und sechs Prozent der Fälle wurden als kritisch bis lebensbedrohlich eingestuft. Im Mittel waren die chinesischen Patienten 51 Jahre alt, gut dreiviertel der Fälle traten in der Altersgruppe der 30- bis 69-Jährigen auf. Auffällig war, dass die unter 20-Jährigen mit 2,4 Prozent kaum betroffen waren.

Lesen Sie auch: Coronavirus: Die typischen Symptome einer Infektion mit Sars-CoV-2 .

Todesfälle als Folge von Covid-19 in Deutschland: Rentner besonders gefährdet

Für Deutschland gibt es noch keine Auswertung nach Alter, jedoch eine Aufschlüsselung nach Bundesland wurde veröffentlicht. So zählt der Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Köln dem RKI zufolge zu den "besonders betroffenen Gebieten in Deutschland".

Bestätigte Coronavirus-Infektionen in Deutschland nach Bundesland (Stand 30.03.2020):

  • Nordrhein-Westfalen: 12.178 Fälle, 101 Todesfälle
  • Bayern: 13.989 Fälle, 127 Todesfälle
  • Baden-Württemberg: 10.943 Fälle, 119 Todesfälle
  • Niedersachsen: 3.732 Fälle, 26 Todesfälle
  • Berlin: 2.464 Fälle, 11 Todesfälle
  • Hessen: 3.091 Fälle, 13 Todesfälle
  • Hamburg: 2.053 Fälle, 5 Todesfälle
  • Rhein­land-Pfalz: 2.584 Fälle, 18 Todesfälle
  • Sachsen: 1.795 Fälle, 9 Todesfälle
  • Mecklenburg-Vorpommern: 356 Fälle, 1 Todesfall
  • Brandenburg: 761 Fälle, 2 Todesfälle
  • Schleswig-Holstein: 1.049 Fälle, 7 Todesfälle
  • Saarland: 706 Fälle, 7 Todesfälle
  • Sachsen-Anhalt: 592 Fälle, 2 Todesfälle
  • Bremen: 286 Fälle, 2 Todesfälle
  • Thüringen: 719 Fälle, 5 Todesfälle

Quellen: www.rki.de; www.rki.de/Steckbrief; www.nrd.de; www.experience.arcqis.com; www.wdr.de; https://coronavirus.jhu.edu/map.html; www.businessinsider.de

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jg

Wann ist Hypochondrie eine gefährliche Störung?

Nur Kopfschmerz - oder etwas ernsteres? Menschen mit Hypochondrie vermuten hinter Allerwelts-Symptomen schwere, manchmal tödliche Krankheiten. Foto: Christin Klose
Nur Kopfschmerz - oder etwas ernsteres? Menschen mit Hypochondrie vermuten hinter Allerwelts-Symptomen schwere, manchmal tödliche Krankheiten. Foto: Christin Klose © Christin Klose
Julia Scharnhorst ist Diplom-Psychologin und Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Foto: Fredi Lang/BDP/dpa-tmn
Julia Scharnhorst ist Diplom-Psychologin und Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Foto: Fredi Lang/BDP/dpa-tmn © Fredi Lang
Dr. Christa Roth-Sackenheim ist Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater (BVDP). Foto: BVDP/dpa-tmn
Dr. Christa Roth-Sackenheim ist Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater (BVDP). Foto: BVDP/dpa-tmn © BVDP
Sven Steffes-Holländer ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Chefarzt an der Heiligenfeld Klinik Berlin. Foto: Petra Balling/Heiligenfeld Klinik Berlin/dpa-tmn
Sven Steffes-Holländer ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Chefarzt an der Heiligenfeld Klinik Berlin. Foto: Petra Balling/Heiligenfeld Klinik Berlin/dpa-tmn © Petra Balling
Tief durchatmen: Zumindest bei leichten Krankheitsängsten können Entspannungstechniken wie Meditation eine Hilfe sein. Foto: Christin Klose
Tief durchatmen: Zumindest bei leichten Krankheitsängsten können Entspannungstechniken wie Meditation eine Hilfe sein. Foto: Christin Klose © Christin Klose

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