Expertenrat

Erhöhtes Krebsrisiko bei starkem Übergewicht

+
Ein Experte warnt vor starkem Übergewicht als Ursache von Krebs. Foto: Frank Leonhardt/dpa/Illustration

Dass Rauchen Krebs auslösen kann, weiß fast jedes Kind. Doch dass Übergewicht ein erhöhtes Krebsrisiko birgt, ist den wenigsten bewusst.

Stuttgart (dpa) - Übergewicht als eine der Ursachen von Stoffwechselerkrankungen und orthopädischen Problemen ist den meisten Menschen geläufig. Doch der Zusammenhang zwischen starkem Übergewicht und Krebserkrankungen wird nach Meinung eines Experten stark unterschätzt.

"Dabei besteht eine deutliche Korrelation zwischen Übergewicht und Krebsrisiko, die wissenschaftlich sehr gut belegt ist", sagte Jan Steffen Jürgensen, Vorstandschef des Klinikums Stuttgart, der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Das im Fettgewebe gebildete Hormon Leptin, das in Stoffwechselprozesse eingreift, gelte als einer der begünstigenden Faktoren für das Entstehen von Tumoren.

Neben Rauchen sei Übergewicht eine der wichtigsten vermeidbaren Ursachen von Krebs, betonte der Internist. Eine Langzeitstudie mit über fünf Millionen Menschen, die britische Forscher 2014 in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten, zeigte beispielsweise bei 17 von 22 Tumorarten eine Korrelation mit Übergewicht. Dies gilt auch für die vergleichsweise häufigen Krankheiten Brust- und Darmkrebs.

Die Studie habe auch gezeigt:

Je ausgeprägter das Übergewicht, desto höher das Krebsrisiko. Wenn zum Beispiel eine 1,70 Meter große und 72 Kilo schwere Frau 15 Kilo zunehme, steige das Risiko für ein Gebärmutter-Karzinom auf das 1,6-Fache, sagte Jürgensen mit Verweis auf die Studie. Dies Karzinom ist nach Daten des Robert Koch-Instituts mit etwa 10.700 neuen Fällen jährlich die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Nach einer Mitteilung der DAK-Gesundheit vom Mittwoch ist der Bevölkerung diese Gesundheitsgefahr aber in weiten Teilen unbekannt. Bei einer Umfrage in Baden-Württemberg im Auftrag der Krankenkasse sahen nur zwölf Prozent der über 1000 Befragten ein stark erhöhtes, 28 Prozent jedoch kein Risiko im Zusammenhang mit krankhaftem Übergewicht. Als die entscheidenden Schlüssel, die Gefahr zu reduzieren, nannte Jürgensen Bewegung und gesunde Ernährung.

Überdies zeigte die DAK-Studie, dass sich deutlich mehr als jeder zweite Baden-Württemberger (56 Prozent) für zu dick hält. Jeder Achte hält sich selbst sogar für sehr übergewichtig. Für 46 Prozent der Befragten gelten Dicke als gesellig. 36 Prozent finden Übergewichtige generell unästhetisch.

DKFZ zu Übergewicht und Krebs

Daten Gebärmutter-Karzinom

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Medikamente gegen Covid-19: Uniklinik Erlangen meldet erfolgreiche Antikörper-Therapie

Weltweit forschen Mediziner an Medikamenten gegen die Lungenkrankheit Covid-19, die durch Coronaviren verursacht wird. Deutsche Ärzte behandeln Patienten jetzt mit …
Medikamente gegen Covid-19: Uniklinik Erlangen meldet erfolgreiche Antikörper-Therapie

Coronavirus-Symptome: Ärzte beobachten seltsames Anzeichen – und neuen Übertragungsweg

Bin auch ich infiziert? Viele fragen sich in diesen Tagen: Habe ich mich mit dem Coronavirus angesteckt? Hier finden Sie die Symptome der Lungenkrankheit.
Coronavirus-Symptome: Ärzte beobachten seltsames Anzeichen – und neuen Übertragungsweg

Prostatakrebs: Diese Symptome sollten Sie zum Arzt führen

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Frühzeitig erkannt, stehen die Heilungschancen allerdings gut. Folgende wichtige Regel sollte jeder Mann beherzigen.
Prostatakrebs: Diese Symptome sollten Sie zum Arzt führen

"Sie sind immun, vergessen Sie die Corona-Krise, Sie sind raus": Mediziner fällen Urteil über Antikörper-Schnelltests

Rachenabstriche zeigen eine akute Coronavirus-Infektion an - Antikörper-Tests dagegen, ob das Immunsystem bereits mit dem Erreger fertig geworden ist. Das sagen Ärzte …
"Sie sind immun, vergessen Sie die Corona-Krise, Sie sind raus": Mediziner fällen Urteil über Antikörper-Schnelltests

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.