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Erziehung der U-Boot-Eltern: Schadet Kindern mehr als Rasenmäher- und Helikopter-Eltern, laut Pädagoge

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Helikopter-Eltern, Rasenmäher-Eltern und nun auch noch U-Boot-Eltern? Ein Pädagoge kritisiert den Erziehungsstil, auch als Problem gegenüber Lehrern.

München – Wenn es um Erziehung und Erziehungsstile geht, wird von Experten und Pädagogen gerne auf diese wunderbaren bildhaften Begriffe zurückgegriffen. Denn besser könnte der Umgang von Eltern mit ihren Kindern wohl nicht beschrieben werden: Helikoptereltern schwirren kontrollierend und überbeschützend um ihre Kinder herum, Rasenmäher-Eltern möchten am liebsten alle Gefahren aus dem Weg ihrer Kinder räumen und U-Boot-Eltern tauchen im wahrsten Sinne ab.

Erziehung von U-Boot-Eltern: Zu wenig Interesse und Unterstützung der Kinder

U-Boot-Eltern sind im Gegensatz zu Helikopter-Eltern nicht präsent, tauchen ab und erscheinen erst auf der Bildfläche, wenn Schwierigkeiten nahezu schon eskalieren.
U-Boot-Eltern unterstützen weniger und bekommen zunächst nicht mit, wenn ihr Kind Schwierigkeiten, beispielsweise in der Schule hat. (Symbolbild) © Janine Schmitz/photothek.de/Imago

Wenn das Zeugnis nicht gut genug ausfällt, eine Strafe als ungerecht erachtet wird, können sogenannte U-Boot-Eltern schon mal in die Offensive gehen, um ihr Kind vermeintlich zu schützen. Ein offenes und wertfreies Gespräch mit dem Lehrer scheint in ihren Augen wenig zu helfen. Die Angelegenheit wird dann nicht selten lieber mit einer Beschwerde bei der Schulleitung, einem Anwaltsschreiben oder gar einer Anzeige gegen den Lehrer geregelt – weil dieser beispielsweise das Kind nicht während des Unterrichts auf die Toilette gehen lasse. Die Schwierigkeit: Bis es zur Eskalation kommt, sind U-Boot-Eltern wenig oder gar nicht präsent und beziehen erst Stellung, wenn Schwierigkeiten bereits vorhanden sind.

„Sie tauchen nicht auf, gehen nicht zum Elternsprechtag, sprechen nicht mit den Lehrern – erst wenn die Versetzung gefährdet ist, fahren sie schwere Geschütze auf.“ Anhand dieser Situation spricht der Pädagoge und Dozent für Schulrecht am Institut für Lehrerfortbildung Essen-Werden, Thomas Böhm, aus Erfahrung. Die meisten Streitigkeiten zwischen Eltern und Lehrern gäbe es aus Sicht der Eltern wegen ungerechter Noten ihrer Kinder.

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Ursache der Konflikte sei allen voran, dass U-Boot-Eltern die Autorität der Lehrer anzweifelten, so Böhm gegenüber „Focus Online“. Dann wäre es nicht ungewöhnlich, dass Eltern sogar juristische Schritte einleiteten – wenngleich ihre Erfolgsquote weit unter 50 Prozent läge, weiß der Schulrechtler zu berichten.

Erziehung von U-Boot-Eltern: Schadet Kindern mehr als Helikopter-Eltern, laut Pädagoge

Die eigentlich Leidtragenden in dem Konflikt sind häufig die Kinder, weil der Fokus ihrer Eltern zunächst auf der kritischen Auseinandersetzung mit dem Lehrer liegt anstatt auf der Beziehung zu ihrem Kind und der Prävention oder Lösungsfindung möglicher (Schul-)Schwierigkeiten. Aus Sicht von Thomas Böhm würden U-Boot-Eltern ihren Kindern dadurch eher schaden, da sie zu wenig Stütze für das Kind wären und zu wenig Bereitschaft zur vertrauensvollen Zusammenarbeit den Lehrern gegenüber zeigen würden. Und das, wo sich Lehrer aufgrund der Corona-Pandemie ohnehin überlastet fühlten.

Neben den U-Boot-Eltern sei die übersteigerte Fürsorge der mittlerweile viel erwähnten „Helikopter-Eltern“ zwar auch eine Herausforderung, denn das Risiko einer Verhaltensstörung bei den Kindern erhöhe sich. „Dieses übertriebene Verhalten kann für Lehrer störend werden“, erklärt der Pädagoge Thomas Böhm weiter gegenüber „Focus Online“. „Aber immerhin haben sie ernsthaftes Interesse am Bildungserfolg ihrer Kinder.“ Was Kinder von Helikopter-Eltern laut Studien im späteren Leben sogar erfolgreicher mache.

Die sogenannten Rasenmäher-Eltern, die gewissermaßen eine Form der Helikopter-Eltern sind, versuchen zwar auch durch übermäßiges, beschützendes Verhalten ihre Kinder zu erziehen, jedoch sind deren Kinder daher häufig langfristig nicht fähig, Aufgaben alleine zu bewältigen, Entscheidungen zu treffen und sich aus eigenem Antrieb zu motivieren. Das kann auch in ihrer Schullaufbahn zum Problem werden, weshalb Experten vor den Folgen der Erziehung durch Rasenmäher-Eltern warnen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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