Mehr Opfer brauchen Hilfe

Die Gewalt und der Alptraum danach

+
Werbemittel liegen auf einem Tisch der Landesgeschäftsstelle der Hilfsorganisation für Verbrechensopfer. Diese leiden oft an psychischen Folgen wie Angstzustände, Schlafstörungen oder Depressionen. Foto: Bodo Schackow

Zuerst auf offener Straße angemacht, dann zusammengeschlagen: Wer nach einer Gewalterfahrung nicht ins normale Leben zurückkehren kann, sollte sich zeitnah Hilfe suchen, meinen Fachleute zum Tag der Kriminalitätsopfer.

Köln (dpa/lnw) - Opfern von Gewalt machen vor allem psychische Folgen wie Angstzustände, Schlafstörungen und Depressionen zu schaffen. "Es passiert oft, dass sie ihrem Beruf nicht mehr wie vorher nachgehen können", sagt Karin Otten, beim Landschaftsverband Rheinland zuständig für Opferentschädigungen.

Die Opferorganisation Weisser Ring macht seit 1991 mit dem Tag der Kriminalitätsopfer auf die Menschen aufmerksam, die durch Gewalt geschädigt wurden. Bei den im Rahmen des Entschädigungsrechts zuständigen kommunalen Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe ist die Zahl der Opfer, die mit Hilfsleistungen unterstützt werden, wieder leicht gestiegen, auf rund 6100 in 2018.

Darunter seien Fälle sexuellen Missbrauchs aber auch viele Fälle dieser Art: Betroffene wurden auf offener Straße angemacht und am Ende zusammengeschlagen. "Die psychischen Folgen können einen auch erst später einholen. Zuerst denkt man noch, es ist alles in Ordnung", sagte Otten.

In einem Ratgeber der Landschaftsverbände heißt es: "Manche Menschen beobachten sich in diesen gefährlichen Momenten von der Position eines Außenstehenden aus oder glauben sogar, sie seien gar nicht selbst betroffen." Die Situation des Übergriffs werde von den Opfern oft als unwirklich "wie in einem Film" beschleunigt oder verlangsamt wahrgenommen.

Der schockartige Zustand, in dem sich manche Opfer wie betäubt fühlten, gehe nach Stunden oder Tagen zurück. In den Wochen danach versuchten sie, die Erfahrung zu verarbeiten und ins normale Leben zurückzukehren. Nicht jeder erhole sich davon. Die Folgen könnten jahrelang anhalten.

"Die merken dann, ich traue mich abends nicht mehr auf die Straße und entwickeln auch andere Ängste", sagte Otten. Diese Menschen sollten nicht erst monatelang warten, in der Hoffnung, dass es besser wird, sondern sich bei den Landschaftsverbänden informieren, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen können.

Ratgeber für Kriminalitätsopfer

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Eklig oder ausreichend? Jeder vierte Mann putzt sich nur einmal am Tag die Zähne

Hand aufs Herz: Wie oft putzen Sie sich am Tag die Zähne? Eine Umfrage ergab, dass gerade Männer es mit der Zahnpflege oft nicht so genau nehmen.
Eklig oder ausreichend? Jeder vierte Mann putzt sich nur einmal am Tag die Zähne

Neuer Abnehm-Trend aus Amerika: So effektiv ist "Switchel" gegen Bauchfett

Der Sommer naht, viele sagen deshalb ihrem Hüftspeck den Kampf an. Ein neuer, gesunder Drink mit Apfelessig verspricht schnelles Abnehmen. Was kann das Trend-Getränk?
Neuer Abnehm-Trend aus Amerika: So effektiv ist "Switchel" gegen Bauchfett

Fatal: Das macht das Geschirrtuch zur Bazillenschleuder in der Küche

Viele Küchen sind Bakterien-Paradiese. Keime gelangen über kontaminierte Brettchen an unsere Lebensmittel - und oft ist auch das Geschirrtuch die Brutstätte.
Fatal: Das macht das Geschirrtuch zur Bazillenschleuder in der Küche

Autismus durch MMR-Impfung? Studie kommt zu klarem Ergebnis

Viele Eltern waren wegen der Gerüchte verunsichert, dass eine Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln bei Kindern zu Autismus führt. Doch eine neue Studie lässt jetzt …
Autismus durch MMR-Impfung? Studie kommt zu klarem Ergebnis

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.