Machen Sie es auch falsch?

Sie desinfizieren sich oft die Hände? In den meisten Fällen ein Fehler - der auch ins Geld geht

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Desinfektion der Hände: im Krankenhaus ein Muss. Im Alltag herrschen allerdings andere Regeln.

Aus Angst vor Bakterien greifen einige zum Desinfektionsmittel. Doch entgegen der Annahme vieler sind desinfizierende Gele und Flüssigkeiten meistens überflüssig - und sogar schädlich.

Im Krankenhaus und in Pflegeeinrichtungen geht es nicht ohne: Hier sollten sich Besucher immer die Hände desinfizieren, bevor sie einen Krankenbesuch abstatten. Das Risiko, die ohnehin geschwächten Patienten oder Bewohner (etwa im Altenheim) mit Viren oder Bakterien zu infizieren, ist hoch. Es kann sogar lebensbedrohliche Krankheiten zur Folge haben. Von selbst versteht sich auch, dass Desinfektionsmittel bei der Behandlung von Wunden wichtig sind. Und auch außerhalb von Klinik und Pflegeeinrichtung kann Hände-Desinfektion Sinn ergeben: jedoch nicht sehr häufig!

Hände desinfizieren: Bundesinstitut für Risikobewertung rät gesunden Menschen ab

Laut Experten sei es im Alltag gar nicht nötig, die Hände zu desinfizieren. So zitiert das Portal Express den ärztlichen Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg, Ernst Tabori. Der meint: Für die häusliche Umgebung und den üblichen Hygienebedarf wären Desinfektionsmittel für gesunde Menschen weitestgehend überflüssig. Wasser und Seife würden vollkommen ausreichen, um Keime und Bakterien zu entfernen.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät gesunden Menschen von der Verwendung von Desinfektionsmitteln ab. In einer Veröffentlichung der Anstalt heißt es: "Die Haut stellt ein einzigartiges, in sich abgestimmtes stabiles 'Ökosystem' dar, das durch die natürlicherweise vorhandenen Mikroorganismen (die Hautflora) im Gleichgewicht gehalten wird und durch übermäßige Reinigung (und ganz besonders durch eine Desinfektion) gestört werden kann". Durch Desinfektionsmittel würden nicht nur die krankmachenden, sondern auch die natürlichen, gesunden Keime abgetötet, die den Säureschutzmantel der Haut aufrecht erhalten und sie so vor schädlichen Einflüssen schützen.

Lesen Sie auch: Experte warnt: "Wer sein Gesicht mit diesem Handtuch trocknet, kann seinen Kopf gleich in die Toilette stecken".

Einsatz von Desinfektionsmitteln steht in Verdacht, Antibiotika-Resistenzen zu fördern

Die Empfehlung des BfR: In privaten Haushalten sollten Desinfektionsmittel grundsätzlich nicht verwendet werden. Anders sieht es im geschäftlichen Umfeld aus: So sei die Händedesinfektion besonders in Großküchen oder anderen Berufsfeldern, die mit Lebensmitteln zu tun haben, unumgänglich. In Büros oder auf dem Bau allerdings ist Händedesinfektion nicht notwendig - und noch mehr: Die Verwendung kann sogar schädliche Folgen haben, wie die Verbraucherzentrale Hamburg warnt.

Im Video: Das sollten Freunde der Hände-Desinfektion wissen

Sie desinfizieren sich ständig die Hände? Deshalb sollten Sie damit aufhören:

  • Der Säureschutzmantel der Haut schützt sie vor dem Austrocknen und vor krankheitserregenden Keimen. Desinfektionsmittel stören das natürliche Gleichgewicht der Haut, indem sie auch die für die Hautgesundheit wichtigen Bakterien und Pilze abtötet.
  • Gelangen Desinfektionsmittel ins Abwasser, behindern sie in Kläranlagen das Zusammenspiel von Bakterienstämmen und mindern sogar die reinigende Wirkung. Kurz: Desinfektionsmittel belasten die Umwelt.
  • Stoffe in Desinfektionsmitteln können Allergien und Hautkrankheiten wie Ekzeme auslösen.
  • Durch den Einsatz können Mikroorganismen Toleranzen entwickeln. Die Mittel stehen auch in Verdacht, Antibiotika-Resistenzen von Krankheitserregern zu fördern.
  • Desinfizierende Mittel kosten. Das Geld für die Produkte können Verbraucher sich allerdings sparen, wie Express den Mediziner Ernst Tabori zitiert. Der Grund: Durch den unnötigen Verbrauch eines Desinfektionsmittels sollen sie gewiss nicht gesünder werden.

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Mehr zum Thema: Aus diesem Grund sollten Sie niemals Klopapier auf die WC-Brille legen.

jg

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.  
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.   © dpa/dpaweb-mm
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
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Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
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Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
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Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

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