Alternativmedizin

Homöopathie: Echter Nutzen oder Abzocke? Das sagen Experten über Globuli

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Wirksame Arznei oder Geldmacherei: Bei Homöopathika wie Globuli scheiden sich die Geister.

Viele schwören auf die kleinen Zuckerkügelchen, die gegen alle möglichen Beschwerden helfen sollen. Globuli sind wesentlicher Bestandteil einer umstrittenen Therapieform.  

Die Homöopathie zählt zu den sanften Therapien, auf die nicht nur Mütter gerne zurückgreifen. Bevor zu "harten", schulmedizinisch erprobten Arzneimitteln wie Ibuprofen oder Antibiotika zurückgegriffen wird, versuchen es viele erst einmal mit Globuli. Die Auswahl ist groß: Es soll rund 2.500 verschiedene homöopathische Arzneimittel auf dem Markt geben - in Form von Tropfen, Tabletten oder eben Globuli. Hergestellt werden die Mittel aus Pflanzen, Mineralien aber auch Tieren und Tierprodukten. Doch die Wirkstoffe kommen in Homöopathika so stark verdünnt vor, dass sie molekular nicht mehr nachweisbar sind - ein Fakt, der Raum für Diskussionen lässt.

Experte über Homöopathie: "Und ein Wirkstoff, der nicht mehr da ist, kann nicht mehr wirken"

Vonseiten der Schulmedizin ist die Einordnung klar: Homöopathie birgt wissenschaftlich gesehen keinen Nutzen. "Das Konzept der Homöopathie widerspricht unserem Wissen darüber, wie die Welt aufgebaut ist: Was verdünnt wird, wird nicht mehr. Und ein Wirkstoff, der nicht mehr da ist, kann nicht mehr wirken", zitiert die Helmholtz-Gemeinschaft Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und Professor für Medizinische Biometrie und Klinische Epidemiologie.

Doch trotzdem sind homöopathische Mittel gegen Übelkeit, Erkältung, Hautkrankheiten, Allergien bis hin zu psychosomatischen Krankheiten auf dem Markt. Mittlerweile übernehmen auch viele Krankenkassen die Kosten für homöopathische Behandlungen und Präparate. Doch wenn diese aus schulmedizinischer Sicht keinen Nutzen haben, wie kommt es dann, dass sich bei vielen Menschen nach der Einnahme von homöopathischen Arzneimitteln die Beschwerden bessern?

Lesen Sie auch: Deshalb sollten Sie sich gesetzlich krankenversichern - und nicht privat.

Placebo-Effekt erklärt Wirkung von Globuli

Viele Mediziner erklären das mit dem sogenannten Placebo-Effekt. Als Placebo wird ein Scheinmedikament bezeichnet, das keinen Wirkstoff enthält, aber trotzdem Wirkung zeigt. Placebos wirken in erster Linie deshalb, weil sich Patienten einen heilsamen Effekt durch die Einnahme versprechen. Die Psyche spielt dabei eine wichtige Rolle: "Die Beteiligung von Endorphinen ließ sich in den vergangenen fünf Jahren auch durch Hirnaufnahmen bestätigen", zitierte die Pharmazeutische Zeitung bereits 2007 Professor Dr. Paul Enck, der in der Abteilung für Psychosomatische Medizin des Universitätsklinikums Tübingen den Placeboeffekt bei schmerzhaften Darmerkrankungen untersuchte. Er geht davon aus, dass die Gabe eines Placebos und die damit verknüpfte Erwartungshaltung Hirnregionen aktiviert, die körpereigene Opioide ausschütten, die wiederum schmerzstillende Wirkung im Körper entfalten.

Neben den Opioiden können Placebos wohl auch die Ausschüttung von Dopamin ankurbeln - ein Nervenbotenstoff, der umgangssprachlich auch als Glückshormon bezeichnet wird.

Mehr zum Thema: Alternative zu Schmerzmitteln: Diese Lebensmittel entfalten verblüffende Wirkung.

Wer heilt, hat Recht? Skeptiker sprechen von Verbrauchertäuschung

Über 600 Millionen Euro pro Jahr sollen Verbraucher in Deutschland für Homöopathie ausgeben - davon zahlen die gesetzlichen Krankenkassen freiwillig 20 Millionen Euro. Da stellt sich die Frage: Ergibt es Sinn für ein Arzneimittel Geld auszugeben, dessen medizinischer Nutzen nicht nachgewiesen ist und dessen Wirkung aktuellen Forschungen zufolge nur auf dem Placebo-Effekt beruht?

Quellen: www.faz.net; www.apotheken-umschau.de; www.helmholtz.de; www.pharmazeutische-zeitung.de

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jg

Globuli: Was hinter homöopathischen Arzneien steckt

In den meisten homöopathischen Globuli ist kein Wirkstoff mehr nachweisbar. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
In den meisten homöopathischen Globuli ist kein Wirkstoff mehr nachweisbar. © Franziska Gabbert
Für den Hausgebrauch kann man verschiedene Globuli in fertigen Sets kaufen. Die Apotheken verkaufen jährlich homöopathische Mittel im Wert von mehr als 500 Millionen Euro. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Für den Hausgebrauch kann man verschiedene Globuli in fertigen Sets kaufen. Die Apotheken verkaufen jährlich homöopathische Mittel im Wert von mehr als 500 Millionen Euro.  © Franziska Gabbert
Mehr als jeder zweite Deutsche hat schon mal homöopathische Arzneien wie diese Kügelchen genommen. Viele berichten, dass sie ihnen zumindest manchmal helfen. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Mehr als jeder zweite Deutsche hat schon mal homöopathische Arzneien wie diese Kügelchen genommen. Viele berichten, dass sie ihnen zumindest manchmal helfen.  © Franziska Gabbert
Sich selbst bei leichten Beschwerden mit Globuli wie diesen zu behandeln, halten Experten in Deutschland für unbedenklich. Die Arzneien werden strengen Kontrollen unterzogen. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Sich selbst bei leichten Beschwerden mit Globuli wie diesen zu behandeln, halten Experten in Deutschland für unbedenklich. Die Arzneien werden strengen Kontrollen unterzogen © Franziska Gabbert
Natalie Grams hat selbst jahrelang Menschen homöopathisch behandelt. Heute kritisiert sie ihre ehemaligen Kollegen. Etwas Gutes hat die Homöopathie für sie aber nach wie vor. Foto: Gudrun-Holde Ortner/dpa-tmn
Natalie Grams hat selbst jahrelang Menschen homöopathisch behandelt. Heute kritisiert sie ihre ehemaligen Kollegen. Etwas Gutes hat die Homöopathie für sie aber nach wie vor.  © Gudrun-Holde Ortner
Manfred Schedlowski ist Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen. Er beschäftigt sich unter anderem mit dem Placeboeffekt. Foto: Manfred Schedlowski/dpa-tmn
Manfred Schedlowski ist Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen. Er beschäftigt sich unter anderem mit dem Placeboeffekt. © Manfred Schedlowski

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