Fehlgesteuerte Fettverteilung

Dicke Beine? Wann es sich um ein Lipödem handeln könnte

Die manuelle Lymphdrainage ist Teil der konservativen Behandlung eines Lipödems.
+
Die manuelle Lymphdrainage ist Teil der konservativen Behandlung eines Lipödems.

Fast vier Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einem Lipödem. Wie Sie die Fettverteilungsstörung erkennen und was langfristig dagegen hilft.

  • Meist sind Frauen vom Lipödem betroffen. Genetische Veranlagung und weibliche Hormone sollen die Entstehung der Störung triggern, wie Professorin Stefanie Reich-Schupke von der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie im Apotheken Umschau-Interview erklärt: „Hormonelle Ursachen sind wahrscheinlich, denn die Beschwerden beginnen meist in Phasen hormoneller Veränderung wie der Pubertät oder nach einer Schwangerschaft“.
  • Im Anfangsstadium kann es der Medizinerin zufolge schwierig sein, ein Lipödem von einfacher Adipositas* zu unterscheiden.
  • Folgende Symptome deuten darauf hin, dass es sich um ein Lipödem handeln könnte.

Ein Lipödem wird – auch von Medizinern – häufig mit einem Lymphödem oder Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) verwechselt. Doch es handelt sich um eine krankhafte Störung der Fettverteilung, die nicht nur mit mehr Körpermasse, sondern auch mit enormen Schmerzen einhergehen kann. Fettzellen vermehren sich bei Lipödem-Patienten unkontrolliert im Fettgewebe der Unterhaut, allerdings in der Regel nicht überall am Körper. Vor allem Beine, Hüfte, Gesäß und/oder Arme sind von der Fettvermehrung betroffen. Knöchel und Handgelenke bleiben dabei meist schlank.

Zwischen den Fettzellen in den betroffenen Körperarealen kommt es zu Wassereinlagerungen. Diese Ödeme drücken auf das umliegende Gewebe, was zu starken Schmerzen führen kann. Lipödem-Patienten kämpfen vor allem bei Hitze und nach langem Stehen mit Beschwerden. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung hilft meist nur noch eine kostspielige Operation, die allerdings häufig nicht von den Kassen bezahlt wird.

Operation lindert langfristig Beschwerden durch Lipödem – doch Kassen zahlen selten

Im Anfangsstadium eines Lipödems verschaffen manuelle Lymphdrainagen und maßgefertigte Kompressionsstrümpfe Linderung. Außerdem sollten sich Betroffene so häufig wie möglich bewegen: „Am besten eignen sich Wassersportarten. Sie haben einen ähnlichen Effekt wie die Lymphdrainage und schonen die Gelenke“, zitiert die Apotheken Umschau Fachärztin für Dermatologie und Venerologie Stefanie Reich-Schupke.

Im fortgeschrittenen Stadium, wenn das Lipödem etwa zu ausgeprägten Fettwülsten an den Knien und Oberschenkeln führt, die beim Gehen stören, hilft meist nur noch eine Operation. Durch eine gezielte Fettabsaugung (Vibrationsliposuktion) werden dabei die krankhaften Fettmassen unter örtlicher Betäubung entfernt. Je nach Befund kann eine solche OP bis zu 5.000 Euro kosten. Jedoch würden die Langzeitergebnisse dafür sprechen: „Untersuchungen über einen Zeitraum von bis zu elf Jahren nach der Liposuktion zeigten, dass die Beine unverändert schlank und die Körperproportionen unverändert normal waren“, zitiert die Apotheken Umschau Professor Wilfried Schmeller von der Hanse-Klinik Lübeck. Ein Viertel der Patientinnen brauche nach dem Eingriff keine Therapie mehr, ein Teil trage noch Kompres­sionsstrümpfe und gehe zur Lymph­drainage – das aber selte­ner und mit viel weniger Beschwerden.

Wichtig ist vor allem, dass der Eingriff von einem erfahrenden Spezialisten in einer spezialisierten Klinik und nicht von einem Schönheitschirurgen durchgeführt wird. „Wer nur auf die kosmetische Lipo­suktion spezialisiert ist, kennt sich mit dem Krankheitsbild nicht aus“, so Schmeller. Die Operation sei aufwendiger, und oft sind auch mehrere Eingriffe nötig. Der Haken: Krankenkassen zahlen eine Vibrationsliposuktion nur in Einzelfällen mit der Begründung, dass die dauerhafte Wirksamkeit der Methode nicht ausreichend belegt sei, wie der Norddeutsche Rundfunk berichtete.

Lesen Sie auch: Aufgedunsenes Gesicht am Morgen? Dann sollten Sie diese Gewohnheit bleiben lassen.

Ganzkörperödem: Diese Ursache steckt meist dahinter

Nicht nur die Extremitäten können betroffen sein, Ödeme können auch den ganzen Körper aufgedunsen erscheinen lassen. Mediziner sprechen dann von Anasarka oder der Hautwassersucht, die durch aus­gedehn­te, lagerungs­ab­hän­gi­ge Ödeme in den unteren Hautschichten gekennzeichnet ist. Häu­fi­ge Formen sind dem Pschyrembel zufolge Lid-, Ge­sichts- und Flan­kenödeme. Als Ur­sachen ei­ner Anasar­ka gelten vor allem die Herzin­suffizienz und Eiweiß­mangel, der etwa durch einen Tumor ausgelöst werden kann. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Umfrage zum Thema Körpergefühl

Weiterlesen: Undefinierte Beine trotz Sport? Das könnte die Ursache sein.

Wie Frauen ihre Muskeln richtig trainieren

Von Krafttraining in nüchternem Zustand raten Experten ab - der Körper benötigt Energie für das Training. Graham Morris/Fitness First Foto: Graham Morris
Von Krafttraining in nüchternem Zustand raten Experten ab - der Körper benötigt Energie für das Training. Graham Morris/Fitness First Foto: Graham Morris © Graham Morris
Krafttraining findet nicht nur an Geräten statt. Kurze Sprints etwa verbessern auch Ausdauer und Kraft. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn
Krafttraining findet nicht nur an Geräten statt. Kurze Sprints etwa verbessern auch Ausdauer und Kraft. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn © Monique Wüstenhagen
Frauen sprechen auf Muskeltraining genauso gut an wie Männer. Wichtig ist eine fachkundige Anleitung. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Frauen sprechen auf Muskeltraining genauso gut an wie Männer. Wichtig ist eine fachkundige Anleitung. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn © Tobias Hase
Im Fitnessstudio ist der Stepper eine gute Wahl, wenn neben Ausdauer auch Muskeln beansprucht werden sollen. Foto: Marius Becker/dpa-tmn
Im Fitnessstudio ist der Stepper eine gute Wahl, wenn neben Ausdauer auch Muskeln beansprucht werden sollen. Foto: Marius Becker/dpa-tmn © Marius Becker
Pierre Geisensetter ist Unternehmenssprecher von McFit. Foto: Chris Gonz/McFit/dpa-tmn
Pierre Geisensetter ist Unternehmenssprecher von McFit. Foto: Chris Gonz/McFit/dpa-tmn © Chris Gonz
Veronika Pfeffer ist National Group Fitness Manager-Produkt & Innovation bei Fitness First. Foto: Fitness First/dpa-tmn
Veronika Pfeffer ist National Group Fitness Manager-Produkt & Innovation bei Fitness First. Foto: Fitness First/dpa-tmn © Fitness First
Wilhelm Bloch ist Leiter der Abteilung Molekulare und zelluläre Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln. Foto: DGSP/dpa-tmn
Wilhelm Bloch ist Leiter der Abteilung Molekulare und zelluläre Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln. Foto: DGSP/dpa-tmn © DGSP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.