Neuartige Gentherapie

Medizin-Sensation: Ärzte transplantieren Jungen fast ganze Haut

Diese Medizin-Sensation geht durch die Medien: Ein schwerkranker Junge bekommt fast eine ganz neue Haut transplantiert. Ärzte retteten ihm so das Leben.

Schmetterlingskinder – das hört sich im ersten Moment schön an, aber birgt eine tragische Krankheitsgeschichte. Dabei handelt es sich um eine genetisch vererbte, lebensbedrohliche Hauterkrankung namens Epidermolysis bullosa.

Dabei löst sich bei jeder kleinsten Berührung die Haut vom Körper ab, was mit starken Schmerzen verbunden ist. Man vermutet, dass die Gene der Betroffenen, die für die Bildung des Proteins Laminin-332 zuständig sind, fehlerhaft sind. Die Schmetterlingskrankheit gilt als unheilbar. Viele Kinder, die davon betroffen sind, erreichen nicht einmal das 25. Lebensjahr.

Schmetterlingshaut Epidermolysis bullosa: Hauttransplantation rettet das Leben von Hassan

Doch das wollten die Ärzte des damals siebenjährigen Hassan nicht hinnehmen – und versuchten, ihm mit einer innovativen Gentherapie das Leben zu retten. Mit Erfolg. Zwar war es riskant – doch am Ende gelang ihnen eine medizinische Sensation. Ihre Therapie, die unter Leitung von Bochumer Wissenschaftlern erfolgte, haben sie nun im Fachblatt Nature vorgestellt.

Dabei entnahmen sie dem schwerkranken Jungen einige Hautzellen, schleusten im Labor eine gesunde Variante des bei ihm fehlerhaften Gens hinein und vermehrten die Zellen. So züchteten sie eine neue, gesunde Haut, welche sie schließlich zu fast 80 Prozent auf die Körperfläche des Jungen transplantierten. Noch heute, zwei Jahre später, gilt Hassan als komplett beschwerdefrei. Kurz vor der Operation sah das noch anders aus.

Auch dieser Junge leidet unter einer Schmetterlingshaut - doch mit seiner Botschaft macht er anderen Betroffenen Mut.

60 Prozent Haut war bereits zerstört: So gingen die Ärzte beim OP-Marathon vor

Nach einer Infektion 2015 verschlechterte sich Hassans Gesundheit dramatisch – er war nur noch Haut und Knochen und 60 Prozent seiner Hautoberfläche galt als zerstört. Die Ärzte mussten also schnell handeln. Bei ihrer fieberhaften Suche nach einer Lösung fanden sie heraus, dass der Italiener Michele De Luca, der am "Center for Regenerative Medicine" der Universität Modena arbeitete, die neuartige Gentherapie bereits an zwei Patienten getestet hatte. Allerdings an viel kleineren Hautarealen.

Dennoch wollten es Hassans Ärzte versuchen – und schickten Hautzellen des Jungen an die italienischen Experten. Diese isolierten schließlich die epidermalen Stammzellen und schleusten die gesunde Variante mithilfe eines Virus ins Erbgut hinein. Nachdem die neue Haut gezüchtet war, wurde diese dann innerhalb von drei langwierigen Operationen an Hassans Körper angebracht.

Nach Gen-Therapie: Hassans neue Haut bei Verletzungen genauso widerstandsfähig

"Zu Beginn der Behandlung lag der Junge wie eine Mumie in seinem Bett, er war von Kopf bis Fuß in Verbände gewickelt", erzählt Tobias Rothoeft von der Kinderklinik in Bochum, der Hassan während seines etwa achtmonatigen Klinikaufenthaltes mitbetreut hat.

Doch die Strapazen haben sich am Ende gelohnt: "Nach der zweiten Operation besserte sich sein Zustand enorm. Heute ist seine Haut stabil, er geht zur Schule, spielt Fußball und kann ein weitgehend normales Leben führen." Verletzungen an der neuen Haut sollen bei ihm wie bei gesunden Kindern heilen. Der Grund dafür: Die neue Haut besitzt etwa so viel Anker-Protein Laminin-322 wie normale Haut.

Lesen Sie auch: Dieser Junge leidet ebenfalls unter einem Gen-Defekt - und kann einfach nicht mehr aufhören, zu essen.

jp

Haartransplantationen füllen lichte Lücken auf

Kahler werdende Stellen am Hinterkopf haben viele Männer. Aber auch viele Frauen leiden unter lichtem Haar. Foto: Andrea Warnecke
Kahler werdende Stellen am Hinterkopf haben viele Männer. Aber auch viele Frauen leiden unter lichtem Haar. Foto: Andrea Warnecke © Andrea Warnecke
Unter dem Mikroskop lassen sich gut die Haare in dem einer Patientin entnommenen Hautstreifen erkennen. Sie werden nun einzeln aufbereitet und an kahle Stellen transplantiert. Foto: Andrea Warnecke
Unter dem Mikroskop lassen sich gut die Haare in dem einer Patientin entnommenen Hautstreifen erkennen. Sie werden nun einzeln aufbereitet und an kahle Stellen transplantiert. Foto: Andrea Warnecke © Andrea Warnecke
Andreas M. Finner ist Hautarzt und Haarspezialist bei der Trichomed Praxis in Berlin. Foto: Andrea Warnecke
Andreas M. Finner ist Hautarzt und Haarspezialist bei der Trichomed Praxis in Berlin. Foto: Andrea Warnecke © Andrea Warnecke
Unter einem Mikroskop werden feine Haareinheiten aus dem entnommenen Hautstreifen für die nachfolgende Transplantation herausgetrennt. Foto: Andrea Warnecke
Unter einem Mikroskop werden feine Haareinheiten aus dem entnommenen Hautstreifen für die nachfolgende Transplantation herausgetrennt. Foto: Andrea Warnecke © Andrea Warnecke
Die frisch eingesetzten Haareinheiten sind direkt nach der Transplantation an der Stirn einer Patientin noch gut zu erkennen. Foto: Andrea Warnecke
Die frisch eingesetzten Haareinheiten sind direkt nach der Transplantation an der Stirn einer Patientin noch gut zu erkennen. Foto: Andrea Warnecke © Andrea Warnecke
Wie kleine Pakete werden die vom Hinterkopf gewonnenen Haare an kahlen Stellen am Kopf wieder eingesetzt. Foto: Andrea Warnecke
Wie kleine Pakete werden die vom Hinterkopf gewonnenen Haare an kahlen Stellen am Kopf wieder eingesetzt. Foto: Andrea Warnecke © Andrea Warnecke
Einzeln werden in Handarbeit die zuvor aus einem Hautstreifen oder direkt aus dem Hinterkopf gewonnenen Haareinheiten wieder eingesetzt. Foto: Andrea Warnecke
Einzeln werden in Handarbeit die zuvor aus einem Hautstreifen oder direkt aus dem Hinterkopf gewonnenen Haareinheiten wieder eingesetzt. Foto: Andrea Warnecke © Andrea Warnecke

Rubriklistenbild: © Facebook/John Si Ramona Ursu (Screenshot)

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