Mehr kranke Menschen in Großstädten

München platzt aus allen Nähten - Droht deshalb eine Krankheitslawine?

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Menschen über Menschen: Nicht nur München erlebt rasanten Zuzug, auch andere Städte wachsen schnell.

In einer Großstadt zu leben hat viele Vorteile. Immer mehr Untersuchungen beweisen aber, dass uns Trubel und Luftverschmutzung krank machen. Auch folgende Störungen nehmen zu.

Die Großstadt lockt immer mehr Menschen an. Prognosen zufolge sollen im Jahr 2050 rund 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Auch München wächst und gedeiht. Im Demografiebericht der Stadt ist die Rede vom Überschreiten der 1,7-Millionengrenze bis Ende 2022. Bis Ende 2030 sollen in München 1,8 Millionen Menschen leben - aktuell sind es 1,45 Millionen.

Diese Zahlen sind einerseits Herausforderung für den Wohnungsmarkt und die Verkehrsinfrastruktur - wer täglich überfüllte U-Bahnen oder den verstopften mittleren Ring nutzen muss, kann ein Lied davon singen. Andererseits weisen immer mehr Untersuchungen darauf hin, dass uns die Großstadt krank macht.

Großstädter haben häufiger Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten

So stellte das Robert-Koch-Institut in einer groß angelegten Studie fest, dass Großstädter häufiger unter allergischen Krankheiten wie Asthma, Heuschupfen, Neurodermitis oder Nahrungsmittelallergien leiden als Menschen, die auf dem Land leben.

Warum vor allem immer mehr Großstädter Allergien entwickeln, ist noch nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden zum Beispiel zu hohe Ozon- und Feinstaubbelastung, die mit hohen Stickstoffdioxid-Werten einhergehen. Auch die Hygienehypothese steht im Raum: Dass eher die Menschen Heuschnupfen und Asthma entwickeln, die in der Kindheit nicht im "Dreck gespielt haben" - also wenig mit Keimen in Berührung gekommen sind.

Großes Fragezeichen: Forscher tappen bei Allergien noch immer im Dunkeln.

Anonymität in der Großstadt fördert psychische Krankheiten

Ein weiterer großer Unterschied zwischen Land- und Stadtmenschen: Städter sind häufiger von psychischen Störungen betroffen als Dorfbewohner. Dazu zählen zum Beispiel Angststörungen, Suchtkrankheiten und Depressionen. Sie kommen in der Stadt 30 bis 50 Prozent häufiger vor als in ländlichen Regionen, wie die Ärztezeitung berichtet. An Schizophrenie leiden in der Stadt sogar doppelt so viele Menschen wie auf dem Land.

Das führen Wissenschaftler unter anderem auf die anonyme Stimmung in der Großstadt zurück. Zwar leben hier viel mehr Menschen auf engstem Raum, aber man kennt sich untereinander nicht. In kleinen Ortschaften dagegen steht die Gemeinschaft mehr im Mittelpunkt - Menschen sind seltener einsam. Neben Einsamkeit ebenfalls schlecht für die menschliche Psyche: Lärm, sozialer Stress durch Menschenmassen und künstliche Umgebung (viel Beton, wenig grün) - alle drei Faktoren typisch für Großstädte.    

Also nichts wie weg aufs Land? Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Aber selbst wenn einiges gegen das Leben in großen Städten spricht - jede Metropole hat auch ihre liebenswerten Seiten. 

Auch interessant: Diese "unsichtbare" Epidemie soll 2020 zweithäufigste Todesursache sein.

jg

Warum uns die Natur so gut tut

Annette Bernjus leitet Achtsamkeitsübungen an, wenn sie mit den Teilnehmern ihrer Kurse so wie hier im Wald unterwegs ist. Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto
Annette Bernjus leitet Achtsamkeitsübungen an, wenn sie mit den Teilnehmern ihrer Kurse so wie hier im Wald unterwegs ist. Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto © Manfred Bernjus
Zum Themendienst-Bericht von Bernadette Winter vom 22. August 2018: Prof. Dr. med. Andreas Michalsen ist Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin. Foto: Anja Lehmann/Immanuel Krankenhaus Berlin
Zum Themendienst-Bericht von Bernadette Winter vom 22. August 2018: Prof. Dr. med. Andreas Michalsen ist Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin. Foto: Anja Lehmann/Immanuel Krankenhaus Berlin © Anja Lehmann
Wer im Wald "badet", soll nicht nur die Geräusche des Waldes bewusst aufnehmen, sondern die Umgebung auch mit den anderen Sinnen erleben. Foto:Manfred Bernjus/embe-Foto
Wer im Wald "badet", soll nicht nur die Geräusche des Waldes bewusst aufnehmen, sondern die Umgebung auch mit den anderen Sinnen erleben. Foto:Manfred Bernjus/embe-Foto © Manfred Bernjus
Achtsamkeitsübung im Wald. Annette Bernjus rät, dort ganz bewusst zu pausieren. Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto
Achtsamkeitsübung im Wald. Annette Bernjus rät, dort ganz bewusst zu pausieren. Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto © Manfred Bernjus
Einfach mal einen Baum umarmen: Annette Bernjus leitet die Teilnehmer ihrer Seminare an, die Natur wieder bewusster wahrzunehmen. Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto
Einfach mal einen Baum umarmen: Annette Bernjus leitet die Teilnehmer ihrer Seminare an, die Natur wieder bewusster wahrzunehmen. Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto © Manfred Bernjus
Dirk Teegelbekkers ist Geschäftsführer von PEFC Deutschland. Foto: Franziska Gabbert
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