Symptome ernst nehmen

Verdacht auf Thrombose nach Corona-Impfung? So wird die sehr seltene Komplikation behandelt – Aspirin hilft nicht

Sehr selten kommt es nach Corona-Impfungen zu Thrombosen. Wie Sie diese schnell erkennen und wie Ärzte die Blutgerinnsel behandeln, erfahren Sie hier.

Ob Medikamente oder Impfungen: Jede Therapie kann mit unerwünschten Nebenwirkungen einhergehen. In Deutschland zugelassene Corona-Vakzine gelten der Europäischen Arzneimittel-Agentur zufolge als sicher, doch Berichte über lebensbedrohliche Sinusvenenthrombosen nach Astrazeneca-Impfungen nach der Zulassung des Impfstoffes erschütterten das Vertrauen vieler Bürger. Mittlerweile ist bekannt, dass die Impfung mit dem Produkt von Astrazeneca tatsächlich häufiger zu Thrombosen führt als die Immunisierung mit den mRNA-Impfstoffen von Moderna und Biontech – wenn auch nur in sehr seltenen Fällen.

Wie das Ärzteblatt informiert, sind dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel seit Beginn der Impfkampagne bis zum 15. April 59 Fälle von Sinus- und Hirnvenenthrom­bosen nach der ersten Impfung mit dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca gemeldet worden. Davon waren 45 Frauen und 14 Männer betroffen. Die meisten davon haben das 60. Lebensjahr noch nicht erreicht. Bis Mitte April wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge mehr als 4,2 Millionen Erstdosen des Astrazeneca-Impfstoffs verabreicht. Bei mRNA-Impfstoffen wie dem Moderna- und Biontech-Präparat gibt es bislang keine Hinweise für ein erhöhtes Thrombose-Risiko* nach der Impfung, wie die Pharmazeutische Zeitung (PZ) informiert.

Thrombose nach Corona-Impfung schnell erkennen: Folgende Symptome ernst nehmen

Auch wenn verhältnismäßig wenige Menschen eine Thrombose nach der Corona-Impfung entwickeln, sollten Sie Ihren Körper nach der Impfung genau beobachten. Denn wenn Nebenwirkungen frühzeitig erkannt werden, kann schnell gegengesteuert und behandelt werden. Wie das Portal Gesundheitsinformation.de im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) informiert, bildeten schätzungsweise sechs bis 14 von einer Million Menschen innerhalb von zwei Wochen nach der Impfung mit Vaxzevria/Astrazeneca Blutgerinnsel. Diese wären nach der Impfung in den Venen von Kopf (Sinusvenenthrombose), Bauch (splanchnische Venenthrombose) oder in den Arterien aufgetreten.

Laut dem Paul-Ehrlich-Institut waren die gemeldeten Fälle von Sinusvenenthrombosen innerhalb von vier bis 16 Tagen aufgetreten. Das Institut rät der PZ zufolge allen Geimpften, sich unverzüglich in ärztliche Behandlung zu begeben, wenn sie sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen, zum Beispiel mit starken Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen (sogenannte Petechien). 

Folgende Symptome können auf eine Sinusvenenthrombose hinweisen, wie die Pharmazeutische Zeitung informiert:

  • heftige Kopfschmerzen
  • neurologische Ausfälle wie Sprachstörungen und Lähmungen
  • Bewusstseinsstörungen 

Präparate mit ASS wirken verzögert: Zur Therapie im akuten Thrombose-Fall kommt Heparin zum Einsatz

Bei klassischen Symptomen eines Thrombus im Kopf (Schlaganfall) wie Gefühls-, Seh-, Sprach- und Gleichgewichtsstörungen sowie plötzlich auftretender einseitiger Lähmungen oder pelziger und kribbeliger Taubheitsgefühle im Arm, im Bein und/oder im Gesichtsbereich mit einseitig herabhängendem Mundwinkel sollte sofort der Notruf gewählt werden. Wählen Sie hierfür die 112.

Bei Thrombosen zählt vor allem, dass sie sehr schnell behandelt werden. Dann stehen die Heilungschancen sehr gut und Betroffene müssen nicht mit bleibenden Schäden rechnen. Die Pharmazeutische Zeitung informiert, dass Thrombosen (auch Sinusvenenthrombosen) mit Hemmern der Blutgerinnung behandelt werden, dazu zählen Antikoagulanzien wie Heparin und Faktor-Xa-Hemmer. Auch eine Lyse-Therapie mit Fibrinolytika wie Streptokinase, Alteplase, Reteplase und Tenecteplase käme zum Einsatz, um den Thrombus aufzulösen und den Gefäßverschluss so erfolgreich zu therapieren. Präparate mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), der auch in Aspirin enthalten ist, oder blutverdünnende Medikamente wie Marcumar werden zur akuten Therapie einer Thrombose nicht eingesetzt, weil deren Wirkung erst verzögert eintritt, so die PZ. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Zur PEI-Veröffentlichung

Weiterlesen: Impfschäden Jahre nach der Corona-Impfung? Das sagen Experten.

Der lebensrettende Pieks: Diese Risikogruppen sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gibt Empfehlungen ab, welche Menschen sich impfen lassen sollten. Gehören Sie auch zur Risikogruppe? (Stand: Juli 2013) © dpa
Das Immunsystem älterer Menschen reagiert zwar weniger stark auf die Impfung, dennoch empfehlen die Experten das Serum. Im Falle einer Erkrankung fallen die Symptome schwächer aus. Da für Menschen über 60 Jahre ein erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Komplikationen besteht, ist die Impfung dringend angebracht. © dpa
Wie bei älteren Menschen besteht auch bei Schwangeren ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Daher raten die Gesundheitsexperten auch werdenden Müttern ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Impfung. Schwangere, die bereits an einer Grunderkrankung leiden, können sich nach Absprache mit dem Arzt auch schon früher pieksen lassen. © dpa
Erwachsene und Kinder, die an einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Asthma leiden, gehören ebenfalls zu den Risikogruppen. © fkn, Mundipharma
Auch Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck wird die Grippe-Impfung nahe gelegt. © dpa
Kinder dürfen frühestens ab einem Alter von sechs Monaten gegen die Grippe geimpft werden. © dpa
Wer an chronischen Stoffwechsel-Erkrankungen wie Zucker (Diabetes Mellitus), an chronischen Nierenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), an angeborenen oder erworbenen Immunstörungen wie Abwehrschwäche nach Organtransplantationen, bei Chemotherapien oder HIV-Infektionen leidet, sollte sich die Grippe-Impfung nicht entgehen lassen. © dpa
Ebenso Menschen mit chronisch neurologischen Krankheiten wie beispielsweise Multipler Sklerose gehören zu den Risikogruppen. © dpa
Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen oder Angestellte in Einrichtungen mit erhöhtem Publikumsverkehr laufen Gefahr, durch ihre Arbeit sich selbst oder andere anzustecken - die Grippe-Impfung ist daher eigentlich Pflicht. © dpa
Die Bewohner von Pflege- und Altenheimen sind ebenfalls besonders gefährdet. © dpa
Urlauber ab 60 Jahren oder chronisch Kranke, die verreisen wollen, sollten sich spätestens zwei Wochen vor der Abreise pieksen lassen. © dpa
Menschen, die häufig mit Geflügel, auch mit Wildvögeln in Berührung kommen, zählen auch als Risikogruppe. © dpa
NICHT impfen lassen dürfen sich Menschen, die allergisch reagieren auf Hühnereiweiß. Der Impfstoff wird in Hühnereiern gezüchtet. Wer aktuell unter Fieber leidet, sollte mit der Imfpung warten, bis die Erkrankung abgeklungen ist.
Die meisten Krankenkassen in Deutschland übernehmen freiwillig die Kosten für die saisonale Grippeimpfung. Über-60-Jährige und chronisch Kranke müssen in der Regel nichts bezahlen. © dpa

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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