Hohes Suchtpotenzial

Modedroge Tilidin – die neue Sucht?

Medikamente
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Das rezeptpflichtige Schmerzmittel Tilidin ist eine gefährliche Modedroge, die in sehr kurzer Zeit süchtig machen kann.

Das Schmerzmittel Tilidin hat sich in den letzten Jahren zu einer beliebten Modedroge besonders bei jüngeren Menschen entwickelt. Das Medikament hat eine enorm hohes Suchtpotenzial.

Der Konsum des Medikaments Tilidin ist bei jungen Menschen in den letzten Jahren enorm gestiegen. Das ergeben Recherchen der Reporter von STRG_F (via tagesschau.de). Demnach wären im vergangenen Jahr in Deutschland über drei Millionen Tagesdosen verschrieben worden, während es 2017 gerade mal 100.000 waren. Besonders in der Gruppe der 15- bis 20-Jährigen sei ein Anstieg bemerkbar. Gesundheitsexperte Professor Gerd Glaeseke von der Universität Bremen spricht von einem „statistischen Ausreißer", der besonders auffalle. Doch was genau ist Tilidin überhaupt und wie kommt dieser krasse Anstieg der Verschreibungen zustande?

Was ist Tilidin?

Tilidin ist ein Schmerzmittel und ein sogenanntes Opioid. Es ist verschreibungspflichtig und nur mit einem Rezept erhältlich. Eigentlich bekommen Menschen das Medikament verschrieben, die über Schmerzen klagen, etwa Krebspatienten oder auch Personen, die kürzlich einer Knie- oder Hüftoperation unterzogen wurden. Tilidin gibt es als Tabletten und als Tropfen.

Was bewirkt die Einnahme von Tilidin?

Der eigentliche Zweck von Tilidin ist, Schmerzen zu lindern. Gegenüber der Bild erklärt Doktor Andreas Jähne, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Oberberg Fachklinik Rhein-Jura in Bad Säckingen, dass das Medikament bei Menschen, die keine körperlichen Beschwerden haben, ein Wohlgefühl auslöse und euphorisierend und enthemmend sei. Da Tilidin sich direkt im Gehirn entfaltet, wirke die Droge sehr schnell und stark.

Wie gefährlich ist Tilidin?

Damit diese Gefühle hervorgerufen werden, muss die Dosis stetig erhöht werden. Aus diesem Grund ist das Suchtpotenzial und die Gefahr, abhängig zu werden, sehr hoch – besonders für Jugendliche unter 20 Jahren, deren Gehirn noch nicht vollständig entwickelt ist. Deshalb gilt die Droge äußerst gefährlich – sie wird sogar mit Heroin verglichen.

Laut Doktor Jähne können langfristige Nebenwirkungen auftreten, unter anderem Depressionen, Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit und Impotenz. In Kombination mit anderen Drogen oder Alkohol könne es zudem zum Atemstillstand kommen.

Lesen Sie auch: Immer weniger Menschen rauchen - Jugendliche greifen zu dieser Ersatzdroge.

Wie kommt der Anstieg des Tildin-Konsums zustande?

Professor Glaeske der Universität Bremen ist überzeugt, dass der hohe Anstieg auf eine missbräuchliche Einnahme andeutet, weil besonders junge Männer „sehr risikofreudig mit der Anwendung oder dem Probieren von Substanzen“ seien. Ihm sei jedoch unklar, wie diese Ärzte dazu bringen können, ihnen Tilidin zu verschreiben.

Das Medikament ist wohl auch durch die deutsche Rap-Szene bei Jugendlichen bekannt geworden. Zum Beispiel hat der Rapper Capital Bra die Droge in vielen Liedern thematisiert und ein Song trägt sogar den Titel „Tilidin“. Für die Reporter von STRG_F ist das ein ganz klares Anzeichen dafür, dass hier ein Zusammenhang besteht. Im Interview mit dem Rapper stellen sie ihn zu Rede. Capital Bra spricht darin über seine Erfahrungen und warnt ganz klar vor dem Missbrauch. (ök)*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Zentral-Redaktionsnetzwerks.

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Was Krebsrisiko eigentlich bedeutet

Regelmäßige Bewegung senkt das Risiko, an Krebs zu erkranken. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Regelmäßige Bewegung senkt das Risiko, an Krebs zu erkranken. Foto: Christin Klose/dpa-tmn © Christin Klose
Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können bestimmte Krebsarten früh erkannt werden - das steigert die Heilungschancen
Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können bestimmte Krebsarten früh erkannt werden - das steigert die Heilungschancen. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/dpa-tmn © Maurizio Gambarini
Ute Mons leitet am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg die Stabsstelle für Krebsprävention. Foto: DKFZ/dpa-tmn
Ute Mons leitet am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg die Stabsstelle für Krebsprävention. Foto: DKFZ/dpa-tmn © DKFZ
Prof. Mathias Heikenwälder forscht am Deutschen Krebsforschungszentrum im Bereich Chronische Entzündung und Krebs. Foto: DKFZ/dpa-tmn
Prof. Mathias Heikenwälder forscht am Deutschen Krebsforschungszentrum im Bereich Chronische Entzündung und Krebs. Foto: DKFZ/dpa-tmn © DKFZ
Wer ausreichend Gemüse isst, kann sein Krebsrisiko laut Experteneinschätzung senken - eine ausgewogene Ernährung gilt generell als vorbeugend.
Wer ausreichend Gemüse isst, kann sein Krebsrisiko laut Experteneinschätzung senken - eine ausgewogene Ernährung gilt generell als vorbeugend. Foto: Robert Günther/dpa-tmn © Robert Günther

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