Gutes Eis, schlechtes Eis

Was hinter dem Gelato-Geheimnis steckt

+
In der Eisdiele "Cannolo Siciliano" gilt das Motto: weniger ist mehr. Hier kommen nur Milch, Sahne, Zucker, Nüsse oder frisches Obst ins Eis. Foto: Alvise Armellini

Ein Sommer ohne Eis ist kein richtiger Sommer. Und italienisches Eis gilt als eines des besten der Welt. Die Herstellung gleicht oft einer Religion. Und beim Eisessen kann man aus Sicht von Italienern ziemlich viel falsch machen.

Rom (dpa) - Eis und Italien gehören zusammen wie die dicksten Freunde. Doch Eis ist nicht gleich Eis. Preisgekrönte italienische Eismacher erzählen von deutschen Sitten, schlechten Zutaten und einem Klassiker. Ihre sieben goldenen Regeln für ein gutes "gelato":

1. Weniger ist mehr

"Als erstes die Zutatenliste lesen - das ist der Personalausweis vom Eis", rät Eugenio Morrone. Der 35-Jährige betreibt in Rom die Eisdiele "Cannolo Siciliano", die mehrere Preise gewonnen hat. Morrone trägt den Titel "Eisbotschafter Italiens in der Welt". Er muss es also wissen. Je weniger auf der Liste steht, desto besser. "Ein gutes Eis hat nicht so viele Zutaten: Milch, Sahne, Zucker, Pistazien oder Haselnüsse oder frisches Obst für ein Sorbet." Auch in der Waffel oder im Becher sollten sich seiner Meinung nicht zu viele Geschmäcker türmen. "Du solltest nicht in eine Eisdiele gehen und vier bis fünf verschiedene Geschmäcker nehmen." Das verwirre nur.

2. Keine Erdbeere im Januar!

Erdbeer- oder Meloneneis im Winter ist ein absolutes Tabu. Denn die Früchte müssen frisch und saisonal sein. Schokolade, Haselnuss, Pistazie, Zabaione, Stracciatella hingegen sind das ganze Jahr über erlaubt. Sind die Früchte richtig süß, brauche es weniger Zucker, erklärt Luca De Rocco. Er stammt aus dem Zoldo-Tal in den Dolomiten - so etwas wie die Wiege der italienischen Eismacher. Von hier sind unzählige "gelatieri" nach Deutschland und in alle Welt ausgewandert. De Rocco arbeitet bei seinem Vater Guido, der in Schwabach bei Nürnberg ein preisgekröntes Eiscafé hat. Sie setzen neben Früchten der Saison auf Bio-Zutaten und auf "Kilometer Zero", also Zutaten aus der Region.

3. Von Farben und Keksen

"Ein gutes Eis erkennt man auf den ersten Blick. Wenn die Farben zu stark sind, zu grün, zu blau, würde ich gleich die Eisdiele wechseln", sagt De Rocco. Denn das bedeutet starken Zusatz von Farbstoffen. Auch auf Geschmacksrichtungen wie "Cookies", "Nutella" oder "Oreo" würde er verzichten. Das seien industriell hergestellte Produkte, die nichts mit selbstgemachtem Eis zu tun hätten. "Eismachen ist ein Handwerk", so De Rocco.

4. Schaufeln statt Kugeln

Für deutsche Urlauber in Italien lauern viele Stolpersteine. Wer in einer Eisdiele in Italien zum Beispiel eine Kugel Eis bestellt, wird komisch angeschaut. Vom Gardasee bis in Sizilien wird Eis in "gusti" bestellt, also in Geschmacksrichtungen, die dann mit einem Spachtel - gern in großen Mengen - auf die Waffel oder in einen Becher geschaufelt werden. Morrone ist gar der Meinung, dass mit Kugeln schlechte Qualität beim Eis versteckt werden kann. Denn nur cremiges Eis mit weniger Wassergehalt lasse sich perfekt spachteln.

5. Wo ist Vanille?

Vanille ist ein Verkaufsschlager in Deutschland. Doch in Italien sucht man "Vaniglia" in der Eisdiele meist vergebens. Auch wer meint, mit der Geschmacksrichtung "Crema" Vanille getroffen zu haben, irrt. "Da sind viel mehr Sahne und Eier drin, es ist weniger leicht als Vanille", sagt De Rocco. Auch wer ein Spaghetti-Eis will, geht südlich der Alpen leer aus: Das Eis mit der roten Soße hat der Sohn eines italienischen Einwanderers, Dario Fontanella, in Mannheim erfunden.

6. Gelato Carbonara

Beim Essen hängen die meisten Italiener an Traditionen und an Rezepten wie sie "Mamma" schon zubereitete. Beim Eis wird allerdings durchaus gerne experimentiert. Morrone kreiert zum Beispiel "Gelato Carbonara" - nach dem berühmten Pastarezept mit Eiern und Speck - oder Büffelmozzarella-Eis, Eis mit getrockneten Tomaten oder mit Steinpilzen. Auch für De Rocco sind neue Kreationen ein Qualitätsmerkmal. "Die Deutschen mögen gerne Neues ausprobieren." Es brauche neben Tradition also auch Leidenschaft und Neugierde.

7. Cappuccino oder Cola? Beides nicht

Der in Deutschland so beliebte Cappuccino oder Milchkaffee zusammen mit einem Eis? "Ich weiß, die Deutschen lieben Cappuccino...Aber zum Eis würde ich - wenn überhaupt etwas - ein Wasser wählen", sagt De Rocco. Auch der römische Eiskönig Morrone findet die Auswahl der Getränke wichtig. "Ich habe Leute gesehen, die ein Eis essen und Coca Cola trinken", sagt er und signalisiert wenig Verständnis. "Ich habe Dinge gesehen, die etwas speziell sind - aber jeder hat ja seinen eigenen Geschmack."

Eiscafé in Schwabach

Morrones Eisdiele in Rom

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Beagles erkennen Lungenkrebs: Neue Hunde-Studie zeigt Unglaubliches

Dass Hunde Blutzuckerschwankungen und sogar Krebs erschnüffeln können, macht sich der Mensch schon seit längerem zunutze. Neu ist allerdings, wie genau die Hundenasen …
Beagles erkennen Lungenkrebs: Neue Hunde-Studie zeigt Unglaubliches

Frau für 27 Minuten tot - nach Wiederbelebung schreibt sie etwas, das Gänsehaut bereitet

Eine Frau stirbt. Als die Ärzte schon glauben, dass sie die Patientin verloren haben, schaffen sie es, sie nach 27 Minuten wieder ins Leben zurückzuholen.
Frau für 27 Minuten tot - nach Wiederbelebung schreibt sie etwas, das Gänsehaut bereitet

Bauchfett reduzieren: Eine abendliche Tasse dieses Trunks kurbelt die Fettverbrennung an

Ihnen fehlt zum Bikini-Figur-Glück ein flacherer Bauch? Dann könnte Sie dieser Tipp interessieren, der einfach umzusetzen ist - nur ein Manko gibt es.
Bauchfett reduzieren: Eine abendliche Tasse dieses Trunks kurbelt die Fettverbrennung an

Online-Therapie kann psychisch Kranken helfen

Psychotherapien gibt es auch im Internet. Die meisten Online-Angebote schneiden im Test gut ab. Wie die Behandlung aussieht, ist jedoch von Fall zu Fall unterschiedlich.
Online-Therapie kann psychisch Kranken helfen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.