Die unterkühlte Schönheit

Was Kamelien wirklich brauchen

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Aus den Nebelwäldern in Asien sind Kamelien eine hohe Luftfeuchtigkeit gewohnt. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Kamelien mögen keinen dicken Frostschutz und keine zu warmen Winterlager. Doch die unterkühlten Schönheiten schätzen im Winter im Freien immerhin geschützte Standorte.

Coswig (dpa/tmn) - Auch wenn der Handel anderes verspricht: Kamelien sind keine echten Zimmerpflanzen. Zumindest sollten sie nicht im warmen Zimmern stehen, denn die Schönheiten bevorzugen es kühl.

"Die Kamelie ist die Blütenkönigin des Winters", sagt Reinhild Hellenberg, Gärtnermeisterin aus Coswig. Im Garten sind sie daher am besten aufgehoben.

Die Hauptblütezeit der Kamelien (Camellia) liegt zwischen Dezember und April, bei einigen Hybriden auch schon früher. Die ursprünglichen Arten stammen aus Asien, insbesondere aus China, Vietnam und Japan. Dort wachsen sie in höher gelegenen Nebelwäldern.

Kamelien im Garten unbedingt gießen

Zur Blütezeit ist es dort kühl und regnerisch - und die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig hoch. Daher betont Hellenberg, dass die Pflanzen hierzulande in den Wintermonaten im Freiland gegossen werden müssen. "Frostschäden sind eigentlich eher selten", sagt sie, vielmehr vertrocknen die Pflanzen.

Dafür muss man sie gar nicht so sehr vor der Kälte bewahren. "Mit dem Schutz wird es meist übertrieben", sagt Michael von Allesch sogar. Der Buchautor und Kameliengärtner aus Hamburg rät in erster Linie zu einer dicken Mulchschicht, um die flachen Wurzeln zu isolieren.

Und er rät, sie an einem Standort mit gewissem Schutz etwa durch ein Gebäude oder eine einrahmende Bepflanzung zu setzen. "Ideal ist beispielsweise die Westseite eines Hauses", sagt der Kameliengärtner. Hier sind die Pflanzen vor kalten Ostwinden gut geschützt.

Kamelien sind toleranter als oft gedacht

"Kamelien haben den Ruf, anspruchsvoll und schwierig zu sein", sagt von Allesch. Halte man sie aber an den geeigneten Standorten, gedeihen sie gut. Sie sind dann manchmal auch toleranter als gedacht.

"Kamelien haben ganz ähnliche Anforderungen an den Boden wie Rhododendron und Azalee", erklärt von Allesch. Der Boden sollte also sauer, humos und durchlässig sein. "Natürlich mögen Kamelien bevorzugt einen humosen Waldboden", aber die Pflanzen könnten sich auch auf einem lehmigen Boden mit guter Wasserführung prachtvoll entwickeln. Trotzdem: In beiden Bodenvarianten muss dieser stetig mit Humus aufgebessert werden.

"Wichtig ist, dass keine gierigen Gehölze in der Nähe stehen", rät der Buchautor. Damit meint er Pflanzen, deren Wurzeln denen der Kamelien Konkurrenz machen. Stauden, die ähnliche Ansprüche an den Boden haben, sind hingegen gute Partner - beispielsweise Lilientrauben (Liriope), Elfenblumen (Epimedium) sowie Teppich-Hartriegel (Cornus canadensis) und Winter-Heide (Erica carnea).

Abfallende Knospen sind Folge von Trockenheit

Die Topfkultur der beliebten Winterblüher ist zwar auch möglich, aber heikel - gerade im Haus. "Es handelt sich bei Kamelien weniger um Wohnzimmer-Pflanzen", betont Hellenberg. Das liegt vor allem daran, dass in den beheizten Räumen die Luftfeuchtigkeit nicht ausreichend hoch ist. Hier fallen die Knospen ab.

Die Pflanzen bevorzugen eher Standorte wie das kalte Schlafzimmer oder den Hausflur. Selbst wenn hier die Temperaturen mal unter null Grad fallen, ist ein solcher Ort besser als ein trockenes Heim.

Für die Topfkultur im Haus sollte das Substrat immer gleichmäßig feucht sein. Das Gießwasser sollte sich aber nicht aufstauen. "Der hohe Wasserstand im Topf schädigt die Wurzel - mit der Folge, dass die Blätter abfallen", erklärt Hellenberg. Von so einem Schaden erholen sich Kamelien nicht.

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