Zu oft Hände waschen?

Ärzte befürchten: Diese psychische Störung wird durch die Coronavirus-Pandemie getriggert

Häufig Hände waschen: In der aktuellen Situation ganz normal. Doch es gibt Grenzen.
+
Häufig Hände waschen: In der aktuellen Situation ganz normal. Doch es gibt Grenzen.

Seit Ausbruch des Coronavirus veränderte sich der Alltag immens - inklusive getrübter Stimmung durch Reiseverbote. Mediziner befürchten die Zunahme einer Störung.

  • Viele haben Tapetenwechsel nötiger denn je. Auch Abstandsregeln, Ausgangsbeschränkungen und Angst um den Job trüben bei vielen Menschen die Laune.
  • Die mit der Coronavirus-Pandemie einhergehenden Einschränkungen und Verhaltensregeln können sogar schwerwiegende Auswirkungen auf die Psyche* haben.
  • Eine häufige psychische Krankheit wird sich wegen der Coronavirus-Pandemie ausbreiten, befürchten Psychologen.

"Wenn die Krise vorbei ist, dann werden sicherlich eine ganze Menge übrig bleiben, bei denen sich eine Zwangsstörung bildet", so die Prognose von Wolf Hartmann, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen (DGZ). Und auch die Bundespsychotherapeutenkammer hält eine Zunahme an Patienten mit Zwangserkrankungen in der aktuellen Situation für realistisch, wie das Wissenschaftsportal Spektrum informiert. Auch Psychiatrie-Facharzt Andreas Wahl-Kordon geht davon aus, dass wegen der Corona-Pandemie langfristig mehr Patienten an Zwangsstörungen – vor allem Waschzwängen – erkranken werden.

Studien hatten bisher bereits untermauert, dass Corona-Quarantänemaßnahmen auch andere psychische Krankheiten wie Depressionen* triggern. Bei Menschen, bei welchen bereits eine psychische Erkrankung diagnostiziert wurde, können sich die Beschwerden durch die Einschnitte im Alltag noch verstärken.

Lesen Sie auch: Mysteriöses Suchtverhalten: Diese drei Gewohnheiten stufen Psychologen als krankhaft ein.

Wann habe ich einen Waschzwang?

Doch wann spricht man von einer Zwangsstörung? Wer sich 20 Mal am Tag die Hände wäscht, gilt vor allem in der aktuellen Situation nicht als betroffen - vor allem, weil die Corona-Hygieneregeln regemäßiges und sorgfältiges Händewaschen* vorsehen. Wer jedoch am Tag länger als eine Stunde damit zubringt, sich die Hände zu waschen und dadurch Probleme in der Bewältigung des Alltags bekommt, leidet wahrscheinlich an einem Waschzwang. 

Neben dem Waschzwang ist der Kontrollzwang eine häufige psychische Störung. "Menschen, die an einem Kontrollzwang leiden, haben ständig Angst, Katastrophen zu verschulden. Sie befürchten, durch Fahrlässigkeit einen Brand, eine Überschwemmung oder einen Einbruch verursacht zu haben", informiert die Schön Klinik. Betroffene können bis zu Stunden damit verbringen, den Herd zu prüfen oder immer wieder die Haustüre abzuschließen.

Den einen Grund für die Entstehung einer Zwangsstörung gibt es nicht. Mehrere Faktoren wie genetische Veranlagung, hormonelles Ungleichgewicht, emotionale Vernachlässigung in der Kindheit, prägende negative Erlebnisse wie der frühe Tod eines Elternteils oder Charaktereigenschaften wie extreme Ängstlichkeit werden als mögliche Auslöser diskutiert. Die zwanghaften Handlungen geben den Betroffenen ein Gefühl der Sicherheit. Manche Experten gehen davon aus, dass der Zwang eine kompensatorische Wirkung hat, etwa Minderwertigkeitskomplexe ausgleicht.

Mehr Quellen: www.spektrum.de

Im Video: Zwänge, die den Alltag bestimmen

Weiterlesen: Panikstörung: Diese wichtige Regel hilft bei Panikattacken.

jg

Wenn Zwangsgedanken die geistige Gesundheit gefährden

Die 7 hilft: Wenn Oliver Sechting der 58 begegnet, muss er sie neutralisieren - mit anderen Zahlen zum Beispiel. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Die 7 hilft: Wenn Oliver Sechting der 58 begegnet, muss er sie neutralisieren - mit anderen Zahlen zum Beispiel. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert
Wolf Hartmann ist Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen. Foto: Linda Hollatz
Wolf Hartmann ist Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen. Foto: Linda Hollatz © Linda Hollatz
Andreas Wahl-Kordon ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Ärztlicher Direktor der Oberbergklinik Schwarzwald. Foto: Amin Akhtar/Oberbergkliniken
Andreas Wahl-Kordon ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Ärztlicher Direktor der Oberbergklinik Schwarzwald. Foto: Amin Akhtar/Oberbergkliniken © Amin Akhtar
Thomas Hillebrand ist Diplom-Psychologe aus Münster. Foto: D. Danczewitz
Thomas Hillebrand ist Diplom-Psychologe aus Münster. Foto: D. Danczewitz © D. Danczewitz
Oliver Sechting, Der Zahlendieb: Mein Leben mit Zwangsstörungen, BALANCE Buch + Medien Verlag 2017, 191 Seiten, 16 Euro, ISBN: 978-3867391252. Foto: BALANCE buch + medien verlag, Köln 2017
Oliver Sechting, Der Zahlendieb: Mein Leben mit Zwangsstörungen, BALANCE Buch + Medien Verlag 2017, 191 Seiten, 16 Euro, ISBN: 978-3867391252. Foto: BALANCE buch + medien verlag, Köln 2017 © BALANCE buch + medien verlag
Seit 32 Jahren lebt Oliver Sechting mit magischen Zwangsgedanken. Über die Krankheit hat er ein Buch geschrieben. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
Seit 32 Jahren lebt Oliver Sechting mit magischen Zwangsgedanken. Über die Krankheit hat er ein Buch geschrieben. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © Klaus-Dietmar Gabbert

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Neue Schweinegrippe in Asien gemeldet: Mediziner sprechen von möglicher Pandemie

Ein Virus mit dem Namen G4 sorgt aktuell für besorgte Forscher in China: Es verfüge über Eigenschaften, welche eine Pandemie auslösen könnten.
Neue Schweinegrippe in Asien gemeldet: Mediziner sprechen von möglicher Pandemie

Neuer Abnehm-Trend aus Amerika: So effektiv ist "Switchel" gegen Bauchfett

Der Sommer naht, viele sagen deshalb ihrem Hüftspeck den Kampf an. Ein neuer, gesunder Drink mit Apfelessig verspricht schnelles Abnehmen. Was kann das Trend-Getränk?
Neuer Abnehm-Trend aus Amerika: So effektiv ist "Switchel" gegen Bauchfett

Mutter verliert Hälfte ihres Gewichts - mithilfe dieses einfachen Getränks

Eine junge Frau ist nach der Geburt ihres Kindes übergewichtig, depressiv und krank. Doch als sie ein Lebensmittel in ihre Ernährung aufnimmt, ändert sich alles.
Mutter verliert Hälfte ihres Gewichts - mithilfe dieses einfachen Getränks

Zecken-Sommer naht: Wo Sie besonders vorsichtig sein müssen

Badewetter bedeutet auch, dass wieder Haut gezeigt wird - und hier kommen Zecken ins Spiel. In manchen Regionen Deutschlands fühlen sie sich besonders wohl - der …
Zecken-Sommer naht: Wo Sie besonders vorsichtig sein müssen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.