Chemie der Angst

Halloween-Horror: Was bei Grusel im Gehirn passiert

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Typisch Halloween: Vor Horrorclowns und Zombie-Bräuten fürchten sich viele Menschen. Foto: Remko De Waal/ANP/EPA/dpa

Gespenstergeschichten am Lagerfeuer haben ihren besonderen Reiz: Sie sind unheimlich, aber nicht wirklich lebensgefährlich. Oder hat sich da etwas im Gebüsch bewegt?

Washington (dpa) - Mit Halloween nahen sie wieder: Unheimliche Clowns, Vampire und Zombies, ebenso wie neue Grusel- und Katastrophenfilme. Gründe, sich mehr oder weniger wohlig zu erschrecken. Aber was passiert im Gehirn, wenn man sich gruselt? Ein Blick hinein ins "Haunted House" unserer Gefühle.

Das Angstzentrum: Ein markerschütternder Schrei, ein heranfliegender Stein - Menschen reagieren instinktiv auf potenzielle Bedrohungen, ducken sich weg, schützen den Kopf mit den Armen. Hierbei hilft die Amygdala, das aus einem Bündel Neuronen bestehende, mandelförmige Angstzentrum über dem Stammhirn. Sofort nach dem Eintreffen der sensorischen Reize im Thalamus gelangen sie an die Amygdala und werden von dort aus weitergeleitet - auf zweierlei Wegen.

Der schnellere der beiden Wege funktioniert wie der Bewegungsmelder einer Alarmanlage und setzt spontan Reaktionen im ganzen Körper in Gang. Erstarren, Fliehen oder Kämpfen sind die Optionen, die je nach Bedrohung folgen. Und zwar noch bevor beispielsweise der heranfliegende Stein genau identifiziert wird.

Das Signal der Sinnesreize gelangt aber auch über einen Sekunden-Bruchteile langsameren "Umweg" zum sensorischen Kortex. Dieser Hirnbereich verschafft ein einordnendes, klareres Bild über die potenzielle Bedrohung - und verstärkt dann die Abwehrreaktion oder entlarvt sie als Fehlalarm.

Dabei betont der Neurowissenschaftler Joseph LeDoux, Angst beim Menschen sei mehr als das Empfinden von Bedrohung. "Angst ist ein Konzept, nicht ein 'Ding' im Gehirn." Die Chemie der Angst: Die Erwartung, dass uns Schlimmes zustoßen kann, setzt eine chemische Kaskade in Gang. Vor allem über den Botenstoff Glutamat werden Alarmsignale in andere Hirnteile wie den Hypothalamus und dann in den Körper gestreut. Das Nebennierenmark stößt große Mengen des aufputschenden Stresshormons Adrenalin aus, der Blutzuckerspiegel steigt, das Herz schlägt schneller und die Handinnenflächen werden feucht.

Bleibt das Schlimmste dann aber aus, strömt das beruhigende Wohlfühlhormon Endorphin durch den Körper. Dieser Hormonmix ist es wohl auch, den viele Menschen am Grusel-Gefühl mögen - denn er kann selbst bei der Gespensterstory vor dem Kamin einsetzen.

Hitliste der Alpträume, die manche Menschen immer wieder verfolgen: Kinder träumen am häufigsten von Aggression und Gewalt (45 Prozent), Unfällen (29), Verfolgungsjagden (23) und Katastrophen (4). Erwachsene erleben immer wieder Alpträume von Flucht und Verfolgungsjagden (26 Prozent), Gewalt (20), Körperanomalien (17) und Misserfolgen (7). Wiederkehrende Träume mit positiven Themen haben Mädchen und Frauen wesentlich häufiger als Jungen und Männer.

Gespenster-Illusion: Manche Geistererscheinung ist auch schlicht eine optische Täuschung. Wer 30 Sekunden auf das grafische Bild eines Totenkopfs starrt und danach auf eine leere Fläche, sieht dort für eine Weile ebenfalls einen Totenkopf - das sogenannte Nachbild. Es kommt zustande, wenn die Lichtrezeptoren des Auges durch das Starren ermüdet sind und nicht mehr flexibel reagieren. Das funktioniert auch bei Farbbildern: Ein Teil der Zapfen-Rezeptoren, die rot, gelb oder blau wahrnehmen, setzt nach dem Starren auf ein blaues Motiv erstmal überanstrengt aus. Auf der leeren Fläche ist das Motiv dann prompt in der Komplementärfarbe Orange zu sehen, zusammengesetzt aus den Signalen der rot- und gelb-sensitiven Zapfen.

Diverse Artikel auf Brainfacts.org

Website der Angst-Ausstellung Goosebumps

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