„Verzehr“ ungesund

Inhaltsstoffe vieler Lippenstifte bedenklich

„Verzehr“ ungesund
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Die Stiftung Warentest hat nun mehrere Produkte unter die Lupe genommen, um mögliche Gesundheitsrisiken zu beleuchten.

Die Stiftung Warentest hat Lippenstifte unter die Lupe genommen. In punkto Pflege und Deckkraft gibt es kaum Kritik. Doch sie enthalten eine Substanz, die das Erbgut schädigen kann.

Berlin - Lippenstifte trägt man nicht nur auf, man isst sie sozusagen auch. Wer sich täglich die Lippen schminkt, kommt auf einen „Verzehr“ von rund fünf Stiften im Jahr - oder 57 Milligramm Farbmasse am Tag, zitiert die Stiftung Warentest in ihrer Zeitschrift „test“ (Ausgabe 11/2021). Berechnungen des Wissenschaftlichen Ausschusses für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission. Darin liegt laut der Stiftung ein neubewertetes, gesundheitliches Risiko.

Stiftung Warentest stellte in allen der 17 getesteten Lippenstifte in der Preisspanne zwischen 4 und 38 Euro das weißende Farbpigment Titandioxid fest. Auch in Stiften, die als Naturkosmetik verkauft werden, sei es enthalten. Werde die Substanz regelmäßig verschluckt, sei eine erbgutschädigende Wirkung nicht auszuschließen. Das genetische Material von Zellen könne geschädigt werden, eventuell sogar Krebs entstehen.

Auf das Kürzel „CI 77891“ achten

Titandioxid, das lange Zeit als unbedenklich galt, werde von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) in Lebensmitteln seit Mai 2021 als nicht mehr sicher bewertet. Ob Titandioxid im Lippenstift enthalten ist, erkennen Verbraucher unter den Inhaltsstoffen an der Kennung „CI 77891“, die oft um „Titanium Dioxide“ ergänzt sei. Derzeit werde es vielen Lippenstiften am Markt noch beigemischt, sagt Thomas Koppmann, Projektleiter des Tests. Mit der Neubewertung der Efsa werde sich daran aber schnell etwas ändern, schätzt er.

Nicht nur den passenden Farbton sollen Lippenstifte treffen, sondern auch pflegen und für den rechten Glanz sorgen - dafür fügen Hersteller Mineralölbestandteile zu. Auch diese bewertet Stiftung Warentest als kritisch, denn sie könnten sich in Organen und Gewebe anreichern.

Zwar seien die gesundheitlichen Folgen noch unklar, doch bewerte die Efsa allein die Menge, die Menschen ohnehin schon über Lebensmittel aufnehmen, als „potenziell besorgniserregend“. In zertifizierter Naturkosmetik sind diese Stoffe und auch ähnliche synthetische Kohlenwasserstoffe grundsätzlich verboten.

Immerhin: Deckkraft und Pflege meist gut

Mineralölbestandteile, die auch als Mosh-Inhaltsstoffe bezeichnet werden (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons), werden auf der Produktverpackung zum Beispiel als Petrolatum, Ozokerite, Cera Microcristallina oder Paraffin aufgeführt.

Im Test schnitt keiner der betrachteten Lippenstifte mit dem Urteil „Gut“ ab. Zwei Stifte beurteilten die Tester aufgrund des erhöhten Mosh-Anteils als mangelhaft. Die restlichen bekamen ein „Befriedigend“. „Aus Sicht des vorsorgenden Verbraucherschutzes empfehlen wir keinen Lippenstift im Test uneingeschränkt“, heißt es im Testurteil. An Deckkraft und Pflege haben die Tester bei allen Testkandidaten indes kaum etwas auszusetzen. dpa

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