Vielleicht bald Wirklichkeit

Bewerbungsgespräche im Dunkeln? Aldi testet bereits

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Ändert Aldi bald sein Bewerbungsverfahren? Tests auf einer Karrieremesse könnten bereits einen Richtungswechsel anzeigen.

Ist das die Zukunft der Personalsuche? Auf einer Karrieremesse trifft sich Aldi mit Bewerbern im Dunkeln. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier.

Anonymisierte Lebensläufe ohne Bewerbungsfoto sind schon lange nichts Neues mehr bei der Personalsuche, um Diskriminierung auf Grund des Aussehens vorzubeugen. Auch, wenn manchem Personaler ein Foto nach wie vor lieber ist. Doch die nächste Stufe des Recruitings steht schon in den Startlöchern: Bewerbungsgespräche, die im Dunkeln stattfinden.

Blind Recruiting bei Aldi Süd: Experiment auf Jobmesse in Köln

In dieser "Blackbox" treffen sich Personaler und Bewerber in völliger Dunkelheit.

Der Discounter-Riese Aldi Süd testete auf einer Job-Messe in Köln, wie Vorstellungsgespräche in einem dunklen Raum ablaufen könnten, ohne dass sich Personaler und Bewerber sehen. Das Ganze nennt sich "Blind Recruiting". In der sogenannten Blackbox traf sich ein Vertreter von Aldi Süd mit interessierten Messebesuchern und testete schon einmal den Ernstfall. 

Wozu Blind Recruiting?

Doch wozu das Ganze? "Wir wollen ein Gespräch ohne Vorurteile — weder vonseiten der Bewerber noch vonseiten des Unternehmens", erklärt Sabine Grobara, HR-Marketing-Expertin bei Aldi Süd, gegenüber der dpa.

Und wie nehmen potentielle Bewerber dieses Experiment auf? "Es ist spannend", erzählt der 25-jährige Jonas. "Man konzentriert sich nur auf die Stimme." Aufgeregt sei er überhaupt nicht gewesen. Schließlich wusste er auch gar nicht, wer ihm gegenüber sitzt. 

Im Alltag setze Aldi aber nicht auf Anonymisierung - also auf Bewerbungen ohne Foto, Name und Geschlecht. Die Blackbox sei erstmal nur ein Experiment, wie Grobara erzählt.

Gute Frage: Wie viel verdient man eigentlich bei Lidl und Aldi?

Anonymisierte Bewerbungen können sich positiv auswirken

Eine zunehmende Anonymisierung könne jedoch positive Effekte haben, meint auch Frank Schröder, Bewerbungsexperte der Europäischen Fachhochschule in Brühl. "Menschen treffen Entscheidungen immer auch unter emotionalen Gesichtspunkten", erklärt Schröder. "Da man sich davon nie ganz frei machen kann, kann Anonymität hilfreich sein, um Objektivität zu fördern."

Ein komplett anonymes Gespräch wie in der Blackbox hält Schröder aber nur für begrenzt sinnvoll. "Diese Art des Bewerbungsgesprächs kann ich mir, ähnlich eines Speed-Datings, sehr gut für ein erstes Kennenlernen vorstellen", so der Experte. Man komme aber schnell an einen Punkt, an dem es mehr zu bewerten gebe als nur das gesprochene Wort. "Kurz gesagt: Es ist nicht nur entscheidend, was gesagt wird, sondern auch wie."

So geht es für Bewerber der Blackbox weiter

Und wie geht es nun für die Bewerber in Aldis Blackbox weiter? Die Kandidaten erhalten nach ihrem Gespräch einen Code, mit dem sie sich online als Interessenten vormerken können. Das verschaffe ihnen einen kleinen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern, sagt Aldi-Managerin Grobara. Eine inhaltliche Auswertung der Gespräche finde aber nicht statt.

Lesen Sie auch: Kassiererin packt aus: Darum würde ich nie bei Aldi arbeiten.

Sie bewerben sich gerade auf eine neue Stelle? Alles zu Anschreiben, Lebenslauf und Vorstellungsgespräch erfahren Sie hier.

ans/dpa

Personaler verraten: So sieht der perfekte Bewerber aus

Wie sieht der perfekte Bewerber aus? Diese Frage stellte das Staufenbiel Institut und Kienbaum 300 Personalern in Deutschland. Das Ergebnis sehen Sie hier: 
Wie sieht der perfekte Bewerber aus? Diese Frage stellte das Staufenbiel Institut und Kienbaum 300 Personalern in Deutschland. Das Ergebnis sehen Sie hier:  © pexels
Der perfekte Bewerber ist Wirtschaftswissenschaftler. Rund 79 Prozent aller befragten Unternehmen suchen Kandidaten dieser Fachrichtung. Auch Informatiker und Ingenieure haben gute Karten auf dem Arbeitsmarkt.
Der perfekte Bewerber ist Wirtschaftswissenschaftler. Rund 79 Prozent aller befragten Unternehmen suchen Kandidaten dieser Fachrichtung. Auch Informatiker und Ingenieure haben gute Karten auf dem Arbeitsmarkt. © dpa
Während seines Studiums war er Praktikant. 73 Prozent der Personaler bevorzugen Bewerber, die bereits im Studium Praxiserfahrung gesammelt haben. Und sogar 81 Prozent überzeugt Erfahrung mehr als gute Abschlussnoten.
Während seines Studiums war er Praktikant. 73 Prozent der Personaler bevorzugen Bewerber, die bereits im Studium Praxiserfahrung gesammelt haben. Und sogar 81 Prozent ist Erfahrung wichtiger als gute Abschlussnoten. © dpa
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Apropos Abschlussnoten: Für 58 Prozent der Personaler sollte der perfekte Bewerber einen guten Abschluss haben. Hier spielt aber die Branche eine große Rolle: Banken und Finanzdienstleister legen mit 68 Prozent mehr Wert auf gute Noten. Der höhere Master-Abschluss zählt vor allem im Bereich Gesundheit, Chemie und Pharmazie. © dpa
Wer einmal ein Jahr im Ausland verbracht hat, kann sich glücklich schätzen: Recruiter schätzen Zusatzqualifikationen wie Englischkenntnisse (77 Prozent) und Auslandserfahrung (38 Prozent).
Wer einmal ein Jahr im Ausland verbracht hat, kann sich glücklich schätzen: Recruiter schätzen Zusatzqualifikationen wie Englischkenntnisse (77 Prozent) und Auslandserfahrung (38 Prozent). © pixabay
Der perfekte Bewerber muss außerdem mit einem ganzen Katalog an Soft Skills aufwarten. Besonders gefragt bei Personalern: Eigeninitiative (100 Prozent), Leistungsbereitschaft (98 Prozent), Kommunikationsfähigkeit (95 Prozent) und Teamfähigkeit (94 Prozent).
Der perfekte Bewerber muss außerdem mit einem ganzen Katalog an Soft Skills aufwarten. Besonders gefragt bei Personalern: Eigeninitiative (100 Prozent), Leistungsbereitschaft (98 Prozent), Kommunikationsfähigkeit (95 Prozent) und Teamfähigkeit (94 Prozent). © iStockphoto / AndreyPopov
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Bei der Bewerbung erwarten Personaler Perfektion: Rechtschreibfehler sind ein absolutes No-Go - rund 60 Prozent aller Personaler sortieren eine fehlerhafte Bewerbung sofort aus. Ein falscher Ansprechpartner oder Unternehmensname führt bei 54 Prozent zum Aus.  © dpa
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Das Herzstück einer Bewerbung ist der Lebenslauf, auch CV (kurz für "Curriculum Vitae") genannt. Etwa drei Viertel aller Personaler widmet sich erst dem Lebenslauf - allerdings nehmen sich dafür rund 40 Prozent nur fünf Minuten oder weniger Zeit.  © pixabay
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Nach dem Lebenslauf kommt das Anschreiben. Hier bevorzugen Personaler eine übersichtliche Struktur statt kreativem Design.  © pixabay
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Über das private Facebook-Profil müssen sich Bewerber allerdings keine Sorgen machen: Nur drei Prozent der befragten Personaler checken Kandidaten über Social Media.  © pexels

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