Gastbeitrag von Tony Crabbe

Das sind die wahren Gründe, warum wir ewig busy sind 

+

Sicher kennen Sie das Gefühl, ständig busy zu sein – also in Eile, erschöpft sein und zig Dinge gleichzeitig tun. Autor Tony Crabbe beschreibt die wahren Gründe des ewigen Busy-Seins. Lesen Sie einen Buchauszug. 

Lassen Sie mich zunächst erklären, was ich unter "busy" verstehe (denn dieses Buch ist kein Manifest für Faulheit). "Busy-Sein" ist jenes hektische, immer wachsame Multitasking, das uns durch unser überfrachtetes Leben trägt. Es beinhaltet, ständig "on" zu sein, immer wieder auf unsere Handys zu starren und von Aufgabe zu Aufgabe zu springen. Es meint das Jonglieren, die Terminflut und die Hetze, die unseren Alltag so sehr beherrschen. Es beschreibt die Eile, die Ablenkung und die Erschöpfung.

Warum wir glauben, busy zu sein 

Wir meinen, busy zu sein, weil wir so viel zu tun haben – sowohl am Arbeitsplatz als auch zu Hause. Unsere Arbeitgeber fordern mehr von uns als je zuvor, unsere Inbox ächzt unter der Last der eingehenden Mails und unsere Terminkalender sind bis zum Anschlag mit Besprechungen gefüllt. Auch zu Hause lässt der Druck nicht nach; wir fühlen uns erschlagen von der Flut an täglichen Aufgaben und Erwartungen, gestresst von den unzähligen Besorgungen und dem ewigen Hinundherfahren der Kinder von einer Aktivität zur nächsten. Wir geben unser Bestes, aber es scheint ein hoffnungsloses Unterfangen zu sein. So ist nun mal das Leben heutzutage: Man ist ewig busy. 

Warum wir wirklich busy sind 

Es besteht kein Zwang, busy zu sein. Natürlich gibt es viel zu tun, aber der Glaube, dass man immer busy sei, weil man doch so viel zu tun habe, ist falsch und wenig hilfreich. Hier sind die wahren Gründe, warum Sie busy sind. Busy ist leichter. "Busy" ist der einfache Weg. Wir sind busy, weil wir uns den harten Entscheidungen verweigern. Anstatt selbst zu denken, gestatten wir der Außenwelt und unserer Inbox, unsere Tagesordnung zu bestimmen. Es ist leichter, einfach nur zu reagieren und möglichst alles zu erledigen, als schwierige Entscheidungen zu treffen und einzelne Aufgaben abzuwählen – wer weniger tun will, braucht mehr Mut. Wie Ben Hunnicutt erläutert, ist Busy-Sein tatsächlich eine der sieben Todsünden – es ist Trägheit. Im Mittelalter nahm Trägheit zwei Erscheinungsformen an: zum einen Faulheit, zum anderen jene Ausprägung, die Acedia genannt wurde – wildes Herumlaufen: "Ich habe zwar kein wirkliches Ziel, aber bei Gott, auf dem Weg dorthin komme ich wunderbar voran." 

Das Buch „#BusyBusy“ von Tony Crabbe ist am 7. September 2017 erschienen. 

Busy sein heißt vermeiden. Jene Vorhaben umzusetzen, die man sich ständig vornimmt – solche, die das eigene Leben und die Karriere wirklich beeinflussen können –, ist eine echte Herausforderung. Im Eifer des Gefechts, wenn wir zwischen leichten und komplexen Aufgaben wählen müssen, zwischen dem Durchforsten von E-Mails und dem Durchdringen eines komplizierten Projekts, entscheiden wir uns gern für die leichte Tätigkeit, die uns beschäftigt hält. Wir stürzen uns in hektische Aktivität und sorgen so für die perfekte Ausrede dafür, uns nicht mit großen Gedanken beschäftigen zu müssen. Wenn wir busy sind, fühlen wir uns produktiv, obwohl wir in Wirklichkeit nur Zeit schinden!

Busy-Sein ist eine Marke. Wenn wir anderen zeigen, wie busy wir sind, und aller Welt ständig davon erzählen, steigern wir unseren Marktwert. Insgeheim glauben wir, dass wir vielleicht schneller befördert werden, wenn die Leute nur mitbekommen, wie wahnsinnig busy wir sind. Außerhalb des Arbeitslebens beweisen wir damit unsere Bedeutsamkeit. Busy zu sein ist ein Beleg für unseren Aufstiegswillen. Auch wenn wir so tun, als würden wir stöhnen, arbeiten wir doch am Aufbau unserer Marke.

Busy-Sein ist eine Sucht. Bei jedem Blick in die Mailbox schüttet unser Körper eine kleine Menge des kokainähnlichen Botenstoffs Dopamin aus, während eine Google-Suche opiatähnliche Substanzen freisetzt. Wer von uns hat noch nie mit der Versuchung gekämpft, rasch das Smartphone hervorzuziehen, um mal eben durch die sozialen Medien zu surfen oder eine SMS abzusetzen, auch wenn wir genau wissen, dass wir das nicht tun sollten (es geschieht im Durchschnitt alle 6,5 Minuten)?

Busy ist das, was alle tun. Unser Verhalten wird stark von sozialen Normen beeinflusst – von dem, was alle tun. Wie viele Menschen, die nicht busy sind, kennen Sie? Sie mögen sich selbst einreden, dass Ihr Busy-Sein sich rational erklären lässt, doch ein Großteil davon wird von unbewussten Einflüssen gesteuert. Dass Sie ständig busy sind, verdanken Sie überwiegend nicht Ihrem eigenen Willen, sondern dem Herdentrieb. 

Dies ist ein Auszug aus dem Buch  „#BusyBusy. Stresse dich nicht, lebe!“ von Tony Crabbe (aus dem Englischen übersetzt von Jan W. Haas). In dem Buch finden Leser hilfreiche Anleitungen, wie sie aus dem Gefühl, ständig gestresst, nämlich busy zu sein, herauskommen. Das Buch erschien am 7. September 2017 im Campus Verlag. 

Dieser Gastbeitrag könnte Sie auch interessieren: Anne-Kathrin Oelmann hat in London bis zum Umfallen als Investmentbankerin gearbeitet. Ihr Einstiegsgehalt: 100.000 Euro. Doch sie schmiss hin. In ihrem Gastbeitrag auf Merkur.de* hat sie eine Botschaft an uns alle

Und lesen Sie hier, wie Sie mit der so genannten 80-20-Regel erfolgreicher arbeiten und wie Sie der Aufschieberitis ein Ende bereiten

Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Anwalt erklärt: Diese Verhaltensweisen können den Job kosten

Eine Kündigung ist oft die Quittung für unrühmliches Verhalten gegenüber der Firma. Doch welche Aktionen rechtfertigen eine Entlassung? Ein Anwalt klärt auf.
Anwalt erklärt: Diese Verhaltensweisen können den Job kosten

Schule schickt Mädchen zum Schminken - so grandios reagiert ein Vater

Eine australische Schule lässt am "Girls & Boys-Day" alte Rollenklischees aufleben. In einem genialen Brief macht ein Vater daraufhin seinem Ärger Luft.
Schule schickt Mädchen zum Schminken - so grandios reagiert ein Vater

Wenn das eigene Potenzial im Job stressig wird

Ehrgeiz und ein gesundes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sind für Nachwuchskräfte unverzichtbar, um die Karriereleiter aufzusteigen. Zu viel Erwartungsdruck kann …
Wenn das eigene Potenzial im Job stressig wird

30 richtig schwere Bewerbungsfragen großer Unternehmen

Ein Vorstellungsgespräch erfordert höchste Konzentration. Vor allem, wenn sich Personaler Fragen überlegen, die nicht alltäglich sind.
30 richtig schwere Bewerbungsfragen großer Unternehmen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.