Urteil

Gehaltsauskunft kann keine Diskriminierung belegen

+
Eine Auskunft nach dem Entgelttransparenzgesetz muss selbst bei größeren Gehaltsunterschieden kein Indiz für Diskriminierung sein. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Das Entgelttransparenzgesetz soll gegen Lohnungleichheit helfen. Arbeitnehmerinnen bekommen aber nur den Median aller Gehälter einer Vergleichsgruppe mitgeteilt. Damit ist mitunter wenig gewonnen.

Hannover (dpa/tmn) - Das Entgelttransparenzgesetz erlaubt es Mitarbeitern bei ihrem Arbeitgeber zu erfragen, wie viel eine Gruppe von Kollegen im Mittel verdient. Ist das Gehalt einer Frau deutlich niedriger als der Median einer männlichen Vergleichsgruppe, ist das aber nicht automatisch ein Hinweis auf Diskriminierung.

Das zeigt ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen (Az.: 5 Sa 196/19). Der Median ist ein Mittelwert, der Ausreißern ein geringeres Gewicht gibt als der einfache Durchschnitt. Er bildet in diesem Fall den Wert ab, bei dem die Hälfte der Einkommen geringer und die andere Hälfte höher ist.

Vorwurf: Ungleiche Gehälter wegen Geschlechts

Über den Fall berichtet die "Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht" in ihrem "Rechtsprechungs-Report" (NZA-RR Ausgabe 12/2019). Eine Abteilungsleiterin hatte bei ihrem Arbeitgeber eine Auskunft nach dem Entgelttransparenzgesetz eingefordert. Der Arbeitgeber teilte ihr mit, dass der Gehaltsmedian der männlichen Abteilungsleiter bei 6292 Euro liege. Die Abteilungsleiterin selbst verdiente zu dem Zeitpunkt rund 5385 Euro brutto im Monat.

Die Frau verlangte von ihrem Arbeitgeber Ausgleichszahlungen für die vergangenen Monate, die diese Differenz begleichen sollten sowie eine Gehaltsanpassung. Sie war der Auffassung, dass durch die Auskunft eine Gehaltsungleichheit zwischen männlichen und weiblichen Abteilungsleitern belegt sei.

Das Landesarbeitsgericht wies die Klage zurück. Den Richtern zufolge reicht der dargelegte Gehaltsunterschied nicht als Indiz aus, um mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf zu schließen, dass eine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts erfolgt ist.

Auskunft gibt keinen Durchschnittswert an

Mit einer Auskunft nach dem Entgelttransparenzgesetz erhalten Mitarbeiter nämlich keine Information über die Durchschnittswerte des eigenen oder des anderen Geschlechts.

Das wird in der "NZA-RR" anhand eines Beispiels deutlich gemacht: So kann es sein, dass zum Beispiel jeweils sieben Mitarbeiterinnen im Unternehmen genau das gleiche verdienen wie sieben männliche Kollegen einer Vergleichsgruppe, etwa zwischen 1600 und 2500 Euro. Der Median wäre jeweils identisch und könnte beispielsweise bei 1900 Euro liegen. Eine Frau, die sich mit einem Gehalt von 1600 Euro zufällig am unteren Rand der Vergütungsskala befindet, liegt darunter.

Das Gericht argumentierte weiter, dass die Vergütung in der Firma zudem von den Dienstjahren abhängig ist. Die Angestellten erhalten vor der Beförderung zum Abteilungsleiter eine tarifliche Vergütung. Die männlichen Abteilungsleiter waren bereits sehr lange beim Unternehmen. Aus diesen Gründen lehnten die Richter den Vergütungsanspruch der Klägerin abzulehnen.

Entgelttransparenzgesetz

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Mehr Azubis steht Förderung für Auslandspraktika offen

Bisher profitierten nur Azubis einer dualen Berufsausbildung von dem Förderprogramm "AusbildungWeltweit". Das hat sich geändert. Für wen die neue Richtlinie gilt.
Mehr Azubis steht Förderung für Auslandspraktika offen

Achtung: Deshalb sollten Sie auf keinen Fall die Jahreszahl 2020 abkürzen

Das neue Jahrzehnt ist angebrochen: Die "goldenen Zwanziger" sind zurück. Doch nun warnen Behörden vor einer dreisten Masche. Was es mit der 2020 auf sich hat, hier.
Achtung: Deshalb sollten Sie auf keinen Fall die Jahreszahl 2020 abkürzen

Aufgepasst: Diese fünf Sternzeichen starten 2020 im Job richtig durch

Neues Jahr, neues Glück: 2020 verspricht gleich für mehrere Sternzeichen ein Erfolgsjahr im Job zu werden. Das garantiert jetzt eine Astro-Expertin. Welche das sind, …
Aufgepasst: Diese fünf Sternzeichen starten 2020 im Job richtig durch

Psychologe enthüllt: Darum sitzen so viele unfähige Männer in Führungspositionen

Eine erschreckende Untersuchung zeigt: Die meisten Arbeitnehmer, die unzufrieden mit ihrem Job sind, sind es insgeheim mit ihrem Chef. Dahinter steckt ein bekanntes …
Psychologe enthüllt: Darum sitzen so viele unfähige Männer in Führungspositionen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.