Joballtag

Mit Grippe ins Büro? Wieso kranke Mitarbeiter zuhause bleiben sollten

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Krank zur Arbeit? Das sollten sich Mitarbeiter besser zweimal überlegen.

Krank sein ist lästig - doch krank arbeiten macht laut Experten noch weniger Sinn. Warum da so ist, und warum sich trotzdem so viele zur Arbeit schleppen.

Gerade im Herbst und Winter kehrt an manchen Tagen Ruhe ein im Büro. Aber nicht etwa, weil die besinnliche Zeit um Weihnachten anbricht, oder weil alle so konzentriert arbeiten würden. Nein, die Grippe- und Erkältungswelle fordert zu dieser Jahreszeit die meisten Opfer. 

Umfrage: Fast die Hälfte aller Deutschen geht krank zur Arbeit

Laut eines Berichts der Bundesregierung sollenBeschäftigte 15,2 Tage pro Jahr fehlen, weil sie krank sind. "Nur" 15 Tage, muss man schon fast sagen, denn eigentlich müssten es wesentlich mehr sein, wie eine andere Studie zeigt. Rund 46 Prozent, also fast die Hälfte aller Deutschen, schleppte sich in den vergangenen zwölf Monaten mit Husten, Kopf- oder auch Gliederschmerzen zu ihrer Arbeitsstätte. Viele sogar mehrere Tage hintereinander. Das zeigt eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK, das im Auftrag des Patientenmagazins "Hausarzt" rund 600 Beschäftigte befragt hat. 

Nur etwa jeder fünfte (21,4 Prozent) gab an, bei Krankheit immer zuhause zu bleiben. 

Warum Präsentismus an der Tagesordnung ist

Das ganze Phänomen hat inzwischen auch einen Namen: Präsentismus (von "präsent" = "anwesend"). Doch wieso zieht es Berufstätige zur Arbeit, obwohl sie sich krank fühlen? Der Grund dafür liegt auf der Hand: Viele plagt das schlechte Gewissen, weil ihre Arbeit liegen bleibt oder von den Kollegen gemacht werden muss. Oder sie wollen nicht, dass sich die Arbeit auf ihrem Schreibtisch stapelt - was am Ende doppelte Arbeit nach ihrer Rückkehr bedeuten würde. 

Aber auch etwas anderes macht den Beschäftigten Sorgen:  "Viele haben schlicht Angst, dass eine Krankschreibung ihren Job gefährden könnte", weiß Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK-Gesundheit. " Besonders die sogenannte "Rushhour"-Generation zwischen 30 und 40 Jahren, die durch Familie und Karriere besonders belastet ist, soll laut DAK besonders davon betroffen sein. "Arbeitnehmer mit Kindern haben zudem oft den Eindruck, sie fehlen schon häufig wegen Krankheit der Kinder. Deshalb machen manche Abstriche bei sich selbst", verrät Meiners weiter.

Mehr dazu: Wie Sie Ihrem Arbeitgeber melden, dass Sie zuhause bei Ihrem kranken Kind bleiben, erfahren Sie hier.

Viele Unternehmen fördern Präsentismus 

Leider tragen viele Chefs nicht gerade dazu bei, die Situation zu entspannen, sei es durch abfällige Kommentare über kranke Mitarbeiter, oder auch durch falsche Anreize. Der Autohersteller Daimler soll zum Beispiel seinen Mitarbeitern einen Anwesenheitsbonus dafür zahlen, wenn die selten oder sogar nie krank sind - bis zu 200 Euro Brutto sollen maximal drin sein. Doch macht das Sinn? 

"Aus ärztlicher Sicht halte ich eine Anwesenheitsprämie für ungeeignet", meint Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Verbands der Werks- und Betriebsärzte gegenüber der Welt. Gerade Mitarbeiter im unteren Einkommenbereich würden sich dann krank zur Arbeit schleppen. Die Folgen: Gesunde Mitarbeiter werden angesteckt und die eigene Krankheit verschleppt.

Lesen Sie auch: Arbeiten trotz Krankschreibung - ist das erlaubt?

Krank zur Arbeit schadet Kranken, gesunden Mitarbeitern und Unternehmen

Doch Präsentismus schadet nicht nur den Beschäftigten, sondern auch den Unternehmen, wie eine Untersuchung der Initiative Gesundheit und Arbeit zeigt: "Beschäftigte, deren psychische und/oder physische Gesundheit beeinträchtigt ist und die dennoch zur Arbeit gehen, sind weniger leistungsfähig, machen mehr Fehler, erleiden und verursachen unter Umständen mehr Unfälle – mit anderen Worten: Präsentismus kostet die Unternehmen Geld."

Und das nicht zu knapp: Laut der Unternehmensberatung Booz & Company entstehen zwei Drittel der Krankheitskosten von Betrieben durch kranke Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Diese sollen den Unternehmen jedes Jahr im Schnitt 2.399 Euro kosten. Dagegen schlagen Mitarbeiter, die wegen Krankheit zuhause bleiben, lediglich mit 1.199 Euro zu Buche. Ein kranker anwesender Mitarbeiter kostet dem Chef also doppelt so viel wie der, der zuhause im Bett bleibt. Ein Grund mehr, seine angeschlagenen Mitarbeiter nach Hause zu schicken.

Das könnte Sie auch interessieren:

Wer krank ist, sollte also lieber das Bett hüten. Wie Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber richtig krank melden, lesen Sie hier.

Außerdem: Was Sie trotz Krankschreibung tun dürfen, wird Sie überraschen.

Von Andrea Stettner

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In vielen Berufen schlägt den Mitarbeitern der hohe Stresslevel aufs Gemüt. Unsere Fotostrecke zeigt, in welchen Jobs überdurchschnittlich viele Menschen aufgrund von Depressionen krank geschrieben werden (Quelle: TK Depressionsatlas). © iStock / Poike
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