Videoüberwachung am Arbeitsplatz

Vorsicht, Kamera: Hier darf Ihr Chef filmen

+
Darf mich mein Chef heimlich filmen? Ja - aber nur in begründeten Fällen.

Büroklammern mit nach Hause nehmen? Vorsicht: Dank Kameras weiß Ihr Chef vielleicht mehr als Ihnen lieb ist. Aber wann ist Videoüberwachung eigentlich erlaubt?

Bei der Inventur im Lager fehlen schon wieder Artikel? Das Kopierpapier neigt sich erstaunlich schnell dem Ende zu? "Da klaut doch jemand!", denkt sich sicher so mancher Chef und würde gerne heimlich filmen.

Die Diebe wären schnell überführt und könnten entlassen werden. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn der Gesetzgeber erlaubt Videoüberwachung am Arbeitsplatz nur in bestimmten Fällen.

Videoüberwachung am Arbeitsplatz: Was erlaubt ist und was nicht

  • Videoüberwachung ist zulässig, wenn bei der Arbeit ein besonderes Sicherheitsbedürfnis herrscht, zum Beispiel in Supermärkten, in Schalterhallen von Banken oder an Tankstellen. Arbeiten Sie dort, müssen Sie zum Beispiel durch einen Aushang am Eingang auf die Videoüberwachung hingewiesen werden. Üblicherweise wird in diesen Fällen die Überwachung bereits im Arbeitsvertrag festgehalten.
  • Videoüberwachung muss das letzte Mittel sein, um Mitarbeiter zu überwachen. Kann zum Beispiel ein Tresor ohnehin nur unter Anwesenheit von zwei Personen geöffnet werden, darf keine Kamera installiert werden.
  • Keine heimliche Überwachung: Verdeckte Videoüberwachung ist grundsätzlich verboten, denn damit greifen Arbeitgeber erheblich in die Persönlichkeitsrechte des Beschäftigten ein. Filmt Sie Ihr Chef ohne Ihr Wissen, droht ihm ein Bußgeld von bis zu 300.000 Euro. Außerdem haben Sie aufgrund Ihres verletzten Persönlichkeitsrechts eventuell sogar Anspruch auf Entschädigung. Wurden Sie wegen eines heimlich gedrehten Videos entlassen, lohnt es sich sogar, gegen die Kündigung zu klagen.
  • Kein Beweis vor Gericht: Auch wenn Sie Ihr Chef bei einer Straftat filmt: Unrechtmäßig gedrehte Videos gehen vor Gericht nicht als Beweismittel durch.
  • Ausnahmen: In bestimmten Fällen ist heimliche Videoüberwachung allerdings erlaubt. Der Arbeitgeber muss dann aber konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat oder eine andere schwere Verfehlung des Mitarbeiters vorweisen (zum Beispiel durch Zeugenaussagen). 
  • Absolutes Tabu: In Räumen, die vor allem der privaten Lebensgestaltung dienen, ist Videoüberwachung niemals erlaubt. Dazu zählen Umkleidekabinen, Toiletten oder Schlafräume.
  • Übrigens: Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht bei Videoüberwachung. Ohne seine Zustimmung darf Ihr Chef nicht filmen.
  • Daten speichern: Videoaufnahmen müssen wieder gelöscht werden, sobald der Zweck dafür nicht mehr vorliegt. 

Auch Kamera-Attrappen sind unzulässig

Sogar Fake-Kameras, also funktionslose Attrappen, können unzulässig sein, da Mitarbeiter hier nicht erkennen, ob tatsächlich gefilmt wird. Alleine der "Überwachungsdruck" auf den Mitarbeiter kann ausreichen, um Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche zu begründen. 

Gute Arbeitgeber sollten sich also informieren, bevor sie Kameras installieren: Es hängt stark vom Einzelfall ab, ob Videoüberwachung erlaubt ist oder nicht. 

Vorsicht! So werden Sie täglich überwacht

Vorsicht am Arbeitsplatz: Auch ihr Arbeitgeber könnte ihre Mails und Surfgewohnheiten mitlesen. Kommt es dann zu Differenzen, ziehen Sie schnell den Kürzeren. © dpa
Im Auto sorgt die Telemetrie dafür, dass Daten über das Fahrverhalten wie Geschwindigkeit, Verschleiß und Fahrzeiten aufgezeichnet werden. Versicherungen überlegen bereits, ihre Tarife an diesen Daten zu orientieren. © dpa
Die Black Box im Auto speichert genau wie die im Flugzeug Fahrzeugdaten und gibt Aufschluss über die Laufleistung und Ihre Fahrgewohnheiten. © dpa
Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen dienen in erster Linie dazu, Kriminalität zu verhindern. Dennoch sollten wir uns bewusst sein: Jeder Reisende wird aufgezeichnet und archiviert. © dpa
Inzwischen können Überwachungskameras dank moderner Software biometrische Daten lesen und sogar gesuchte Verbrecher erkennen. © dpa
Lesen bildet, das weiß jeder. Doch hätten Sie gedacht, dass die Liste der von Ihnen ausgeliehenen Bücher in Ihrer Bibliothek viel über Ihren Charakter verrät und gespeichert werden? © dpa
Wer online Bücher kauft, etwa bei Amazon, muss wissen: Das Unternehmen speichert alle Daten, inklusive Zahlungsmittel. Wie sonst könnte Sie die Website persönlich begrüßen und ihnen Lesevorschläge machen, die immer erstaunlich gut mit ihren Interessen übereinstimmen. © dpa
Auch im Supermarkt lauern jede Menge Überwachungssysteme: © dpa
Lebensmittel im Supermarkt, aber auch Kleidung sind bereits heute mit RFID-Chips ausgestattet. Darin gespeichert: Marke, Menge und Preis. Sie lösen die bisher üblichen Barcodes ab. Das Problem: Sie können überall ausgelesen werden. So erfährt jeder Supermarkt oder jedes Einkaufszentrum, das Lesegeräte für diese Etiketten besitzt, was Sie tragen und wieviel Geld Sie dafür ausgeben.  © dpa
Inzwischen sind sie alte Bekannte und jeder hat mindestens eine einstecken: Bonuskarten. Sie verraten dem Supermarkt, welche Produkte wir kaufen und ob wir potente Kunden sind. Ihr Bonuskarten-Anbieter weiß, wie viel Alkohol Sie beispielsweise trinken oder ob Sie schwanger sind. © dpa
Wer die Wahl zwischen der Bargeld- oder der Kartenzahlung hat, sollte sich im Klaren darüber sein, dass die Zahlungsdaten bei Kartenzahlung gespeichert werden. © dpa
Digitales Fernsehen bietet uns jede Menge Vorzüge: Bessere Bildqualität, größere Senderauswahl und sogar Filme auf Bestellung. Und ganz nebenbei kann der Anbieter ein genaues Bild unserer Fernsehgewohnheiten erstellen. © dpa
Gut zu wissen: Wer ein Flugticket kauft und es mit Kreditkarte bezahlt, gibt viele persönliche Daten preis. Wer in die USA reist, muss wissen, dass EU-Staaten 40 Datensätze an die USA liefern, die 15 Jahre gespeichert werden dürfen. Dazu zählen, Name, Geburtstdatum, Alter, usw. © dpa
Unsere Reisepässe sind schon heute mit biometrischen Daten ausgestattet. Sie verraten bei Passkontrollen unsere persönlichen Daten. Stimmen unsere Reise-Gewohnheiten also mit denen eines Terroristen überein, gibt‘s Probleme. © dpa
Telefonieren Sie auch gern und ausführlich mit dem Handy? Vorsicht! Das Abhören der kleinen Alleskönner ist inzwischen kein Problem mehr. Die Mobilfunkanbieter sind zudem gesetzlich dazu verpflichtet, alle Verbinsdungsdaten zwei Jahre lang zu speichern. © dpa
Haustiere tragen häufig RFID-Chips im Körper, die ihre Indetifizierung erleichtern. Manchmal öffnen diese Chips sogar die Hundeklappe. Wenn Sie mit Ihrem Vierbeinder also gassigehen, hinterlassen Sie auch dabei Ihre Datenspur. Auch Menschen können sich RFID-Chips implantieren lassen. Vielleicht ersetzen sie bald den Schlüsselbund. © dpa
Die meisten Haus- und Wohnungstüren haben noch herkömliche Schlösser, doch so mancher Vermieter könnte auf die Idee kommen, sie gegen elektronische Schlösser auszutauschen. Dann weiß er auch gleich wann sie wie lange zu Hause waren. © dpa
Laserdrucker markieren ihre gedruckten Seiten mit einem kleinen Code, dann lassen sich die Dokumente dem Gerät zuordnen - und Ihr Chef weiß, was Sie am Arbeitsplatz ausdrucken. © dpa
Internet-Provider speichern ebenso wie Mobilfunkanbieter Verbindungsdaten zwei Jahre lang - sie wissen mit wem Sie Kontakt haben. © dpa
Spyware, die Hacker beispielsweise in Spam-E-Mails verschicken oder die auf infizierten Seiten lauert, installiert sich von selbst auf Ihrem Rechner und versendet unbemerkt persönliche Informationen wie Passwörter oder Bankdaten. © dpa

Von Andrea Stettner

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Diese Angabe im Lebenslauf schadet Ihnen - und ist völlig überflüssig

Der Lebenslauf ist das Herzstück vieler Bewerbungen. Auf eine Angabe sollten Sie aber besser verzichten, über die Bewerber immer wieder stolpern.
Diese Angabe im Lebenslauf schadet Ihnen - und ist völlig überflüssig

Krasser Gehalts-Unterschied bei Lehrern: Studie nennt exakte Zahlen

Viele Lehrer verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen - und das bei gleicher Arbeit. Woran das liegt und wie groß die Unterschiede wirklich sind, zeigt eine Studie.
Krasser Gehalts-Unterschied bei Lehrern: Studie nennt exakte Zahlen

Selbstständigenstatus bleibt bei Nutzung von Praxisräumen

Ob ein Therapeut selbstständig tätig ist oder abhängig beschäftigt, hängt von mehreren Faktoren ab. Allein die Nutzung von Praxisräumen eines Kollegen reicht jedoch …
Selbstständigenstatus bleibt bei Nutzung von Praxisräumen

Mathe-Rätsel ohne Rechenzeichen - wer knackt es?

Ihr Gehirn läuft gerade im Sparmodus? Mit diesem Mathe-Rätsel kurbeln Sie es garantiert wieder an. Doch eine kleine Sache erschwert Ihnen die Lösung: die Rechenzeichen …
Mathe-Rätsel ohne Rechenzeichen - wer knackt es?

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.