Ohne Kinder-Betreuung

Was Arbeitnehmer bei Kita-Streiks wissen müssen

+
Streiken die Erzieher, haben berufstätige Eltern nicht automatisch ein Recht auf bezahlte Freistellung. Foto: Carsten Rehder

Wer passt auf die Kinder auf? Vor dieser Frage stehen Berufstätige oft, wenn Lehrer und Erzieher streiken. Bevor sie aber einfach mit den Kindern zu Hause bleiben, sprechen sie besser mit ihrem Chef.

Berlin (dpa/tmn) - Bei Streiks im öffentlichen Dienst, kommen auch auf Arbeitnehmer Probleme zu. Wer betreut die Kinder, wenn die Kita oder Schule schließt, und wie komme ich zur Arbeit, wenn keine Bahnen fahren?

Ein Recht auf bezahlte Freistellung gibt es in solchen Fällen jedenfalls nicht automatisch. "Wenn Arbeitnehmer erfahren, dass die Kita zubleibt, müssen sie sofort klären, wie sie die Kinderbetreuung organisieren können", erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Am besten sei es, den Arbeitgeber unverzüglich zu informieren und möglichst gemeinsam eine Lösung zu finden: Das kann zum Beispiel sein, einen Tag Urlaub zu nehmen, Überstunden abzubauen oder einen Tag im Homeoffice zu arbeiten. Vielleicht ist der Chef auch damit einverstanden, dass die Kinder mit zur Arbeit kommen. Ohne vorherige Absprache gehe das aber nicht.

Hat der Arbeitnehmer wirklich alles versucht, um die Betreuung seines Kindes sicherzustellen und zeigt sich der Arbeitgeber unkooperativ, können sich Angestellte auf Paragraf 616 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) berufen. Er besagt, dass Arbeitnehmer auch dann weiter Gehalt bekommen, wenn ihnen die Erfüllung ihrer Arbeitsleistung aus persönlichen Gründen nicht möglich sein sollte. "Es darf aber kein eigenes Verschulden vorliegen", schränkt Bredereck ein. Über einen Zeitraum von maximal drei Tagen drohen dem Arbeitnehmer dann voraussichtlich keine Nachteile. "Es lohnt sich aber immer, das zunächst im Gespräch mit dem Arbeitgeber zu klären", empfiehlt Bredereck.

Ein wichtiger Punkt: Diese Regelung greift nur, wenn Streiks kurzfristig, zum Beispiel für den nächsten Tag, angekündigt wurden. Wenn schon längerfristig klar ist, dass die Kita oder Schule zubleiben wird, ist es "absolut Sache des Arbeitnehmers sich zu organisieren". Das ist ebenso der Fall, wenn der Streik länger andauert.

Gleiches gilt, wenn aufgrund eines Streiks die Bahnen nicht fahren. Denn das sogenannte Wegerisiko liegt beim Arbeitnehmer: Wenn absehbar ist, dass es Probleme im Nahverkehr gibt, müssen Arbeitnehmer alle Möglichkeiten ausschöpfen, um pünktlich zu Arbeitsbeginn im Büro zu sein. "Wer zu spät kommt, bekommt für diese Zeit unter Umständen kein Geld", erklärt Bredereck. Wird der Arbeitgeber nicht rechtzeitig informiert, riskieren Arbeitnehmer auch eine Abmahnung, im Wiederholungsfall sogar eine Kündigung.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Mit diesen Aushilfsjobs können Sie an Weihnachten und Neujahr das meiste Geld verdienen

Egal ob Sie Student sind oder ob Sie sich ein bisschen was dazuverdienen wollen: Mit folgenden Aushilfsjobs können Sie im Dezember viel Geld machen.
Mit diesen Aushilfsjobs können Sie an Weihnachten und Neujahr das meiste Geld verdienen

Wie werde ich Reifenmechaniker/in?

Ein alter Reifen muss nicht gleich entsorgt werden: Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik kümmern sich darum, dass alles wieder rund läuft. Dabei legen sie …
Wie werde ich Reifenmechaniker/in?

Kür der nervigsten Kunden hilft bei Stress im Job

Es wird gemeckert, geschubst und gedrängelt: Das Weihnachtsgeschäft ist eine Herausforderung. Kleine Tricks können dabei helfen, die Zeit im Job besser gelaunt zu …
Kür der nervigsten Kunden hilft bei Stress im Job

Sollte man Tattoos in Bewerbungsgesprächen verstecken?

Von Tattoos sagt man häufig, dass sie die Jobsuche drastisch erschweren. Doch sollten sie deshalb immer in Bewerbungsgesprächen versteckt werden?
Sollte man Tattoos in Bewerbungsgesprächen verstecken?

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.