Sprachgutachten sorgt für Wirbel

Manipulationsvorwürfe gegen die ARD - Beeinflussung durch "AfD-Methoden"?

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Geheim und manipulativ: Ein von netzpolitik.org geleaktes Gutachten zeigt, dass die ARD ihren Mitarbeitern empfiehlt, vor allem in Sachen Gebühren nettere Beschreibungen und geschönte Worte zu benutzen.

Ärger um Framing: Die ARD hat ein Gutachten beauftragt, um die Kommunikation ihrer Mitarbeiter zu verbessern. Es empfiehlt moralische Argumente als Verteidigung gegen Angriffe.

Die Deutschen sollten die ARD als „ihren“ Rundfunk ansehen, den sie selbst mitgestalten. So lautet eine Formulierung eines Gutachtens der ARD, das für Aufsehen sorgt. Im sogenannten „Framing Manual“ geht es auf 89 Seiten darum, wie die Wahrnehmung der ARD und die Werte der Rundfunkanstalt durch Framing, also das Formulieren und Wirken bestimmter Begriffe, verbessert werden könne.

Der Tenor von Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling, die das Dokument im Auftrag der ARD verfasst hat: Moralische Argumente statt Fakten liefern. Das Dokument hat laut HNA*eine Welle von Kritik ausgelöst. Dabei soll es ein Leitfaden für Mitarbeiter des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks gegen genau diese sein und die Werte der Rundfunkanstalt den Zusehern und Hörern positiver vermitteln.

Framing bei der ARD: Vorwurf der Manipulation

Der ARD wird vorgeworfen, Manipulation zu betreiben. Margarete van Ackeren, Journalistin und Focus-Online-Chefkorrespondentin, spricht gegenüber dem Deutschlandfunk davon, gezielt die Wahrnehmung der Menschen zu beeinflussen. Die ARD bediene sich damit dem gleichen Mittel wie die AfD.

Auch rechte Twitter-Nutzer, Internetblogs und Webseiten nutzen das Gutachten, um Stimmung gegen den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk zu machen. Von Manipulation und Täuschung ist die Rede. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die ARD das Dokument nicht öffentlich machte. Laut ARD-Pressestelle habe dies „urheberrechtliche Gründe“. Die Plattform netzpolitik.org, die das Dokument an die Öffentlichkeit brachte, kritisiert das Vorgehen. Für eine öffentliche Debatte sei es wichtig, dass sich alle informieren könnten. Vor allem, da das Gutachten aus öffentlichen Geldern finanziert wurde. Wehling formuliert darin, dass die ARD sich von Begriffen wie Beitrag und Einnahmen distanzieren müsse. Diese hätten negativen Wertungen und suggerierten, die ARD nehme wie ein Unternehmen Geld ein. Vielmehr ermöglichten die Bürger durch ihre Zahlung den „gemeinsamen Rundfunk ARD“.

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Beispiele für Framing bei der ARD

Das Gutachten beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk über sich selbst kommunizieren sollte. Das Papier setzt sich auch mit der Frage auseinander, wie bei der in der Kritik stehenden Gebührenfinanzierung durch eine gezielte positive Kommunikation mehr Akzeptanz erreicht werden kann.

  • Die ARD sei ein „von Bürgerinnen und Bürgern ermöglichtes Rundfunksystem“, das demokratischen Werten wie Gleichwertigkeit, Freiheit und Vielfalt folge, heißt es etwa. Daher empfiehlt das Gutachten, von einem „gemeinsamen, freien Rundfunksystem“ zu sprechen, das vom „gemeinsamen ARD-Medienkapital“ oder „Beitrags-Budget“ der Bürger „getragen“ werde.
  • Radikaler sind ihre Vorschläge zur Abgrenzung der privaten Sender. Die Wissenschaftlerin spricht von „profitwirtschaftlichen Sendern“, auch „profitmaximierenden Sendern“ oder„medienkapitalistischen Heuschrecken“.
  • Das Handbuch rät davon ab, Zuschauer als Konsumenten anzusprechen. Denn würden sie sich als Konsumenten verstehen, so würden sie eine mit Zwang erhobene Pauschalgebühr als ungerecht empfinden, da sie vom tatsächlichen Konsum abweicht.

Von Christopher Hess und Daniel Göbel

 

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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