Neue Maßnahmen bei der Serie

„Tatort“: ARD will künftig Limit für „experimentelle“ Filme

Tatort
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Immer wieder ist Zuschauern mancher „Tatort“ zu abgedreht. Von den außergewöhnlichen Sonntagskrimis bei der ARD soll es nicht zu viele geben - zwei im Jahr.

Berlin - Bei Deutschlands beliebtester TV-Reihe gibt es neue Maßgaben - beim „Tatort“ soll es ein Limit für „experimentelle“ Filme geben. Der ARD-Koordinator Fernsehfilme, Jörg Schönenborn, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur entsprechende Informationen von „Tatort-Fundus.de“. Man wolle auch künftig Filme, die besonders seien und überraschten, teilte Schönenborn mit. „Darüber hinaus können wir uns zweimal im Jahr auch „experimentelle“ Krimis vorstellen.“

Darüber werde sich in der Senderrunde „Koordination Fernsehfilm“ frühzeitig abgestimmt, „damit die Filme entsprechend geplant“ und „sinnvoll platziert“ werden könnten, hieß es von Schönenborn, der WDR-Fernsehdirektor ist und nebenamtlich ARD-Fernsehfilmkoordinator.

„Experimente okay, solange es nicht in einen Wettlauf der Redaktionen mündet“

Aus „Tatort“-Redaktionen der ARD ist zu vernehmen, dass Zuschauer vor allem dann Sturm laufen, wenn ein Sonntagskrimi das Genre sprengt und die Erwartungen an einen klassischen Krimi nicht erfüllt.

Außergewöhnliche Themen und Umgebungen wie vor einigen Wochen bei den Münchnern zum Beispiel die Pornobranche* seien dabei weniger ein Problem als vielmehr Grenzüberschreitungen in der Form: wenn also beispielsweise Übersinnliches passiere oder aber am Schluss kein Täter überführt werde.

Volker Herres, der Programmdirektor des Ersten, hatte bereits nach dem vieldiskutierten Laien-, Dialekt- und Impro-„Tatort“ mit dem Titel „Babbeldasch“ der „Bild am Sonntag“ (5. März) gesagt: „Zum „Tatort“ gehören immer wieder auch einmal mutige Experimente. Das ist okay, solange es nicht in einen Wettlauf der Redaktionen mündet, wer den abgedrehtesten Film produziert.“

Mehr Regelungen von oben bei Tatort-Projekten

Die neun Landesrundfunkanstalten - WDR, NDR, SWR, MDR, BR, HR, RBB, SR und Radio Bremen - haben jeweils ihre Redaktion für den „Tatort“ und eigentlich Freiheit für die eigenen Krimis. Nun scheint von oben mehr eingegriffen zu werden. „Tatort-Fundus.de“ zitiert zu der neuen Vorgabe, dass es nur noch zwei experimentelle Krimis pro Jahr geben solle, eine mit ARD-Fernsehspielen leitend befasste Person: Wer als Dritter anmelde, habe schlicht „Pech gehabt“.

Beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln ist mit Gebhard Henke der „Tatort“-Koordinator angesiedelt, der dafür sorgen soll, dass sich etwa Inhalte aufeinanderfolgender Krimis nicht zu sehr ähneln.

Henke teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: „Wir hätten sicherlich angesichts der über 1000 Stücke nicht das Niveau halten können, wenn wir nicht Innovation und das Austesten der Grenzen ermöglicht hätten. Der klassische Ermittlerkrimi ist und bleibt aber die DNA des Tatorts.“

Der Variantenreichtum und die Beliebtheit des Krimiformats verdanke sich zum einen dem Bekenntnis zum Ermittlerkrimi mit wechselnden Teams und zum anderen dem Austesten der Grenzen des Krimigenres durch neue und ungewöhnliche Erzählweisen der Autoren und Regisseure.

„Dabei wollen wir den Zuschauern überwiegend klassische Ermittlerkrimis anbieten und von Zeit zu Zeit einen experimentellen „Tatort“ einstreuen“, sagte Henke. „Die Frage, was experimentell ist und was nicht, kann man nur im Einzelfall diskutieren.“ Dafür gebe es keine verbindliche Definition.

Am Sonntagabend stand - passend zu Halloween - ein Grusel-„Tatort“ des Hessischen Rundfunks im Programm des Ersten. Im Film „Fürchte dich“ mit Margarita Broich und Wolfram Koch geht es um Spuk und Geistererscheinungen und den Fluch, der auf einem Haus liegen soll.

dpa

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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