Fehlende Identifikationsfiguren

Expertin fordert mehr Vielfalt für Mädchen im Kinder-TV

Kinder werden durch ihre TV-Programme und ihre Heldinnen sowie Helden schon früh an Rollenbilder gewöhnt. Eine Expertin beklagt: Bei weiblichen Identifikationsfiguren mangelt es an Vielfalt.

Berlin - Die meisten Hauptfiguren im Kinderfernsehen sind - wie auch beim Erwachsenen-Fernsehen - männlich. Die Medienexpertin Elizabeth Prommer von der Universität Rostock fordert daher eine höhere weibliche Präsenz und Vielfalt im Kinder-TV. „Was ich mir von den Sendern wünsche, ist, die Vielfalt, die es für Jungen gibt, auch für Mädchen anzubieten“, sagte die Wissenschaftlerin der Deutschen Presse-Agentur. Prommer hatte im Sommer bereits eine Studie zum Geschlechterbild im deutschen Fernsehen vorgestellt, aus der hervorging, dass Männer in fast allen TV-Genres bis auf Seifenopern überrepräsentiert seien.

72 Prozent aller Kindersendungen werden von Männern geprägt

Aber eben nicht nur im Erwachsenen-TV, auch beim Kinderfernsehen sind die Hauptfiguren in der Mehrzahl männlich. 72 Prozent der Unterhaltungs- oder Informationssendungen der TV-Sender KiKA, Super RTL, Nickelodeon und Disney Channel werden von Männern geprägt, nur 28 Prozent von Frauen. Prommers Institut für Medienforschung klopfte im Jahr 2016 in einem Zeitraum von zwei Wochen 2692 Einzelprogramme der vier Kindersender auf die Geschlechtermerkmale ab.

Nicht nur bei der im Ausland eingekauften Lizenzware dominiert das männliche Wesen. Auch bei in Deutschland hergestellten Sendungen stehen Frauen eher im Hintergrund: In 504 fiktionalen Produktionen haben die Männer das Sagen, in 254 steht die Frau im Vordergrund. Besonders krass ist das Verhältnis in der Fauna und Flora: Handlungstreibende Tiere sind zu 87 Prozent in allen Produktionen männlich, bei den Pflanzen sind es sogar 88 Prozent, bei Monstern oder anderen Kreaturen beträgt der männliche Anteil 69 Prozent.

Mädchen haben einen engen Korridor an Identifikationsmöglichkeiten

Und wenn die Frau dann mal in Erscheinung tritt, sind zumindest Form und Figur laut Untersuchung höchst zweifelhaft. In 41 Prozent der Darstellungen war sie unnatürlich dünn, zum Beispiel Kim Possible, während 75 Prozent der Männer in einem „natürlichen“ Bereich lagen. Jungen haben laut Prommer somit ein breites Angebot an Identifikationsmöglichkeiten, Mädchen hätten dagegen nur einen engen Korridor zur Verfügung. Dabei sei klar: „Die Kinder wollen gar nicht diese dünnen extremen Sanduhrfiguren sehen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symb olbild)

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