„Ihr letzter Wille kann mich mal!“

Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht: Friede, Freude, Pustekuchen

Heinrich (Heiner Lauterbach) und Tom (Uwe Ochsenknecht, li.) bei der Seebestattung.
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Heinrich (Heiner Lauterbach) und Tom (Uwe Ochsenknecht, li.) bei der Seebestattung.

Die Komödie „Ihr letzter Wille kann mich mal!“ ist ein harmlos heiteres, aber sehr sympathisches Roadmovie mit dem „Männer“-Duo Lauterbach/Ochsenknecht.

Eigentlich seltsam, dass Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht nach Doris Dörries Überraschungs-Hit „Männer“ (1985) nicht viel öfter zusammengespielt haben; Filmindustrien pflegen den Erfolg von Traumpaaren à la Jack Lemmon & Walter Matthau oder Bud Spencer & Terence Hill doch normalerweise auszuschlachten. Es gibt zwar weitere gemeinsame Filme, aber in der typischen „Männer“-Konstellation ist das Duo nur noch zweimal aufgetreten: in der Kinokomödie „Erleuchtung garantiert“ (2000) als gegensätzliches Brüderpaar und in dem ZDF-Film „Ein seltsames Paar“ (2004, beide ebenfalls von Dörrie), einem Remake des Lemmon-Matthau-Klassikers; beide Male zusammen mit Ulrike Kriener, der Dritten aus dem „Männer“-Erfolgstrio. Die Schauspielerin wirkt auch in der Tragikomödie „Ihr letzter Wille kann mich mal!“ mit, jedoch nur akustisch. Den beiden Stars bietet das Drehbuch von Maike Rasch Paraderollen, die allerdings erwartbar besetzt sind: Lauterbach spielt einen verkniffenen, aber ausnehmend elegant gekleideten Staatsanwalt, der sich selbstredend an Recht und Ordnung hält, Ochsenknecht einen etwas schlummeligen und stets zuversichtlichen Reisejournalisten, der die Dinge ungleich lockerer sieht.

Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht: Ein bewährtes Duo 

Wie in den meisten „Buddy“-Movies besteht der Reiz der Geschichte in der Kombination zweier Protagonisten, die sich unter normalen Umständen kaum über den Weg gelaufen wären. Dafür sorgt in diesem Fall die bei einem Unfall verstorbene Sophia, denn sie war mit beiden verheiratet; und zwar nicht nacheinander, sondern gleichzeitig. Entsprechend konsterniert müssen Heinrich (Lauterbach) und Tom (Ochsenknecht) feststellen, dass die Liebe ihres Lebens sie in den letzten zwanzig Jahren beide hintergangen hat, wenn auch nicht bösartig; sie hat bei dem einen gefunden, was der andere ihr nicht geben konnte. Und weil sie möchte, dass ihre Männer sich kennenlernen, sieht ihr letzter Wille eine Seebestattung vor der Küste der kleinen Nordseeinsel Neuhever vor. Während Tom umgehend bereit ist, den Wunsch umzusetzen, reagiert der korrekte Heinrich empört, und das nicht nur aus juristischem Prinzip („In Deutschland herrscht Friedhofzwang“): Er will eine konventionelle Erdbestattung, damit er später das Grab besuchen kann.

Schön umgesetzt, aber irgendwann reizlos

Die entsprechende Auseinandersetzung ist der Auftakt eines zwischendurch auch mal in Handgreiflichkeiten ausartenden Gerangels, das sich durch gesamten Film zieht. Weil dieser Dauerzwist allein als Handlungsbasis etwas wenig wäre, macht Rasch aus dem Duo ein Trio. Auf dem Weg zur Küste gabeln Heinrich und Tom eine Anhalterin auf: Ella (Svenja Jung) ist Finnin und erwartet ein Baby. Kindsvater Ole lebt ebenfalls auf Neuhever, weiß allerdings noch nichts von seinem Glück, weil ihm die junge Frau kurz zuvor den Laufpass gegeben hat. Außerdem ist Ella überhaupt nicht sicher, ob sie wirklich eine Familie möchte; die Dolmetscherin will lieber nach New York. Die beiden Männer wiederum schließen einen Kompromiss: Wenn Tom ein Boot auftreibt, bevor Heinrich die Beerdigung organisieren kann, dann soll Sophia ihren letzten Willen bekommen; ansonsten wird sie auf Neuhever bestattet. Tatsächlich zeigt sich rasch, dass beides nicht klappt: Das einzige Boot auf der bei Ebbe zu Fuß oder per Pferdewagen durchs Watt erreichbaren Insel gehört der Feuerwehr; und es gibt zwar einen Friedhof, aber dort ist schon ewig niemand mehr beerdigt worden.

Ohne die Nebenhandlung mit Ella würde die Tragikomödie vermutlich irgendwann ihren Reiz verlieren, selbst wenn es schön ausgedacht und umgesetzt ist, wie die Widerstände zwischen Heinrich und Tom bröckeln, ohne dass die beiden deshalb gleich Freunde werden. Für eine gewisse Annäherung sorgen nicht zuletzt zwei Briefe, die Sophia an die Männer geschrieben hat (Ulrike Kriener verliest sie aus dem Off), und in denen sie erklärt, warum sie beide geliebt hat. Die Freude an Lauterbach und Ochsenknecht kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Figuren etwas eindimensional und klischeehaft sind: Während Heinrich bei jeder Gelegenheit auf entsprechende Paragrafen verweist, gibt Tom bei der gemeinsamen Wattwanderung Om-Geräusche von sich und versucht ansonsten, Heinrichs negative Energien wegzuatmen; das entspricht allzu sehr anderen Rollen, die die beiden schon dutzendfach verkörpert haben. Auch deshalb war die Ergänzung des Duos um Svenja Jung eine ausgezeichnete Idee, zumal die lebhafte Ella ein reizvoller Kontrast zu einer ihrer wichtigen letzten Rollen als düstere Jugendliche in „Kaputt“ ist, einem „Tatort“ aus Köln. Hier versieht sie die junge Finnin mit einem sympathischen Akzent und gelegentlichen amüsant verdrehten Redewendungen („Friede, Freude, Pustekuchen“).

„Ihr letzter Wille kann mich mal!“: Unterhaltsame Nebenfiguren

Recht unterhaltsam sind auch einige Nebenfiguren, etwa der Bestatter (Laurens Walter), der den beiden Witwer unbedingt ein Trauer-Tattoo aufschwätzen will, oder der maulfaule Insulaner (David Simon), der alle Besucher von Neuhever grundsätzlich und voller Verachtung als „Städter“ bezeichnet. Ähnlich wie Sinan Akkus’ letzter Film, „Fischer sucht Frau“ (2019), ebenfalls eine norddeutsche Komödie, zeichnet sich auch „Ihr letzter Wille kann mich mal!“ vor allem durch die Arbeit mit den Schauspielern und netten kleinen Ideen aus. Das Tempo ist allerdings eher überschaubar, was aber zum beschaulichen Eilanddasein passt; und so ist der Film unterm Strich harmlos-heiteres, aber grundsolides und gut ansehbares Gute-Laune-Fernsehen.

„Ihr letzter Wille kann mich mal!“. Zur Sendung

24.1., ARD, 20.15 Uhr. Die Sendung in der ARD-Mediathek.

Wenn die Fülle der finsteren Fakten hanebüchen wirkt: Die ZDF-Mini-Serie „Die verlorene Tochter“ sieht gut aus, hat aber eine haarsträubende Konstruktion.

Lesen Sie hier die Kritik zum dokumentarischen Spielfilm um einen Ehrenmord:„Nur eine Frau“

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