Die Hugenotten. Arte

Gekommen, um zu bleiben

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Das Leben von Suzanne Loyal (Anja Antonowicz) und ihrer Familie (Björn von der Wellen, Chiara Vaziri) ändert sich, als sie zur Flucht gezwungen werden.

Die Geschichte der Hugenotten und derer, die sie aufgenommen haben.

Staatliche und kirchliche Verfolgung religiöser Minderheiten hat in Europa eine lange und blutige Tradition. Allein in Frankreich kann man zurückblicken auf Kriege gegen Katharer, Waldenser, Hugenotten. Und von Bauern- und Dreißigjährigen Kriegen im deutschen Sprach- und Herrschaftsraum, in denen Religion ebenfalls eine gewisse auslösende Rolle spielte, wollen wir gar nicht anfangen.

Paul Wiederhold, Saskia Weisheit, Gordian Maugg haben sich der Geschichte der Hugenotten angenommen. Ein bisschen unentschieden schwankt ihr Film zwischen Dokumentation und Historienfilm, aber das ist wohl unvermeidlich, wenn man nicht historische Tatsachen herunterbeten, sondern konkrete Geschichte mit Betroffenheits-Appeal erzählen will. Sie nennen Namen, geben diesen Namen Gesichter und arbeiten die historischen Verläufe und Protagonisten in die Lücken hinein.

„Die Hugenotten“: Und mittendrin die Familien Loyal, Boué, Godeffroy

Da ist die Regentschaft des guten Königs Henri IV., von der einst Heinrich Mann einen dreibändigen Roman schrieb. Da ist der absolutistische Louis XIV., der kein Gewissen hatte und höchstselbst der Staat war. Da ist der Große Kurfürst, auch bekannt als Friedrich Wilhelm von Brandenburg, das im Vergleich zu Frankreich ein armes kleines Fleckchen sandiger Erde war. Und mittendrin die Familien Loyal, Boué, Godeffroy, die Tuchmacher oder Kaufleute sind, vor der Verfolgung in Frankreich fliehen und in Gegenden zu gelangen hoffen, in denen sie sich ein neues, weniger gefährdetes und freieres Leben aufbauen können.

Das gelingt offenbar, nach unterschiedlichsten Entbehrungen und Anstrengungen, den Kaufleuten wie der Tuchmacherfamilie, und sie alle leisten eine Art wirtschaftlicher Entwicklungshilfe für die Region, in denen sie sich niedergelassen haben.

„Die Hugenotten“: Oft sind es Fremde, die Leben, Ökonomie und Kultur ihrer Gastländer bereichern

Die Hugenotten. 23. November, Arte, 20.15 Uhr (2 Teile). Im Netz: arte +7 (verfügbar bis 20.2.2020)

Zwischendurch kommen kompetente Historiker zu Wort, und einige bedeutende (vermeintlich) deutsche Namen werden genannt – Fontane, von Humboldt, Benz –, die von der Integrationsfähigkeit der hugenottischen Flüchtlinge zeugen und auf deren enormen Beitrag zum historischen, wirtschaftlichen und kulturhistorischen Leben ihrer neuen Heimat verweisen. 

Man hört schöne Protestanten-Sätze wie „Nichts gegen Gottes Allmacht, aber leider müssen wir selbst Hand anlegen.“ Und man kann sich ein ums andere Mal fragen, was ein Glaube eigentlich ist und wie er es sich verdient hat, dermaßen gewaltförmig verfolgt zu werden.

Die schönste Geheimbotschaft des Films aber besteht wohl in dem Nachweis, dass es oft Fremde sind, die Leben, Ökonomie und Kultur ihrer Gastländer entscheidend bereichern, und dass es einen starken und konstruktiven Impuls für die eigene Lebensgestaltung bedeutet, sich als Fremder in der Fremde niederzulassen, um dort auch zu bleiben. 

Von Hans-Jürgen Linke

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