Kurz-Kritik

Kinofilm „Suburra“ erzählt vom großen Verfall

Die Fäulnis hat durchaus etwas Betörendes. „Suburra“ macht von Beginn an offensichtlich, dass es um mehr geht als einen Mafia-Film. Dass er die Elegie sein will eines großen Verfalls, ein Gesang von den Schrecken und Reizen einer alles zerfressenden Korruption.

Gewiss, auf einer Ebene schreibt er lediglich die Chronik eines eskalierenden Streits rivalisierender Unterweltler. Doch es geht in jenen lediglich sieben Tagen mehr verloren als das Leben so ziemlich aller beteiligter Mafiosi und Kleingangster. Zu nicht weniger als dem Countdown zur „Apokalypse“ stilisiert der Film diese Woche der Schöpfungs-Vernichtung. Auslöser des Sündenfalls ist der Politiker Malgradi – er boxt eine zwielichtige Kasino-Baugenehmigung durchs Parlament, feiert mit Drogen und Prostituierten. Eines der Mädchen stirbt. Der Versuch, das zu vertuschen, bringt unabsichtlich Mafiaclans gegeneinander auf – alte Garde gegen neureiche „Zigeuner“, gewalttätige Ordnung gegen impulsives Chaos.

Es ist aber die Zeit einer allgemeinen Umwälzung: Der Papst und der Regierungschef danken ab. Götterdämmerung, Zeitenwende. Suburra, das war im antiken Rom ein Stadtteil der Armen und Huren. Und der Film von Stefano Sollima – Sohn der Genre-Legende Sergio Sollima und etwa mit der Serie „Gomorrha“ einschlägig vorbelastet – macht die „Ewige Stadt“ zu einer der Hauptdarstellerinnen eines durchweg fantastischen Ensembles. Wie ein dunkles Zerrspiegelbild von „La grande bellezza“ wirkt das mitunter: zeigend nicht zeitlose Schönheit, sondern zeitlose Schäbigkeit der Menschen. Sollima entfaltet auf dieser Bühne ein Theater der Grausamkeiten, wie es nur Katholiken mit solch sinnlicher, barock-wollüstiger Abscheu vor der Sünde, dem Parfum der Verdammnis zelebrieren können. Am Ende steht quasi die Sintflut – und die vage Hoffnung auf eine neue Eva, die das Ganze vielleicht noch mal ohne macht-, gewaltgeile Adams probieren sollte.

„Suburra“

mit Pierfrancesco Favino Regie: Stefano Sollima Laufzeit: 130 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Gomorrha“ mochten.

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