Kinoscout: The Wolf of Wall Street

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Kinoscout Niclas Bub schreibt seine Meinung über den neue Streifen mit Leonardo DiCaprio.

Wenn Sie einmal eine rauschhafte Orgie in Filmform sehen möchten, ohne sich dabei schlecht zu fühlen, dann habe ich hier etwas für Sie: In der Mitte der 80er Jahre versucht sich der junge Mann aus einfachen Verhältnissen Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) in New York als Börsenmarkler. So viel Glück Belfort am Anfang auch hat und von hohen Tieren unter die Fittiche genommen wird, so ist das Pech später umso deutlicher, als er am ersten Arbeitstag mit Lizenz seinen Job durch den allseits bekannten "Black Monday" verliert. Belfort lässt sich dennoch nicht lange hängen und nutzt am Markt sein Verkaufstalent, um sich von ganz unten mit der Gründung seines eigenen Unternehmens an die Spitze der Wallstreet zu arbeiten. Belfort muss sein Imperium am Leben erhalten, was ihn in der Wirtschaftsbranche auf immer mehr illegale Pfade zieht. Sein Imperium beginnt immer mehr zu bröckeln und man fragt sich, ob Belfort nun letztendlich in die Knie gezwungen wird oder nicht.

"The Wolf of Wall Street" ist schmutzig, verrucht, tabulos, voller menschlicher Verführbarkeit, voller Geld und voller Wahn. Ein Alltag voll Rausch, Sex, Drogen und Geldverschwendung entsteht unter Belforts Geschichte, unter dessen Name ein Imperium steht, dass sich unbesiegbar fühlt. Diese Menschen erleben ihre goldenen Zeiten und verfallen unter mehr oder weniger legalen Wirtschaftsmethoden in einen unaufhörbaren Rausch. Dass der Film einen "F*ck"-Rekord von sage und schreibe 506 Mal gebrochen hat, lässt wohl einiges für sich sprechen und ich glaube, dass der Film wohl kaum von irgendeinem anderen aktuellen Film an Obszönität übertroffen werden kann. Dabei spürt man bei diesem Film in seiner Intention dennoch keinen Deut an Niveaulosigkeit. Ich bin sogar der Überzeugung, dass "The Wolf of Wall Street" dem Zuschauer deutlich gesellschaftskritische Ansätze in den Kopf pflastert. Vor allem am Ende macht es "klick". Einen kleinen Stern muss ich dem Film dennoch abziehen, da er für meinen Geschmack doch ein wenig zu langatmig ist, aber vergessen Sie diesen Satz am besten gleich wieder. Ein riesiger Pluspunkt – und davon gibt es viele – ist der Humor des Films. Jede einzelne Szene, die den Zuschauer zum Lachen bringen soll, schafft dies auch. Ohne das hervorragende Zusammenspiel von DiCaprio und Hill käme dies kaum zustande. Der Film lebt viel von seinen Schauspielern und hat dennoch viel zu sagen. Der Regisseur Martin Scorsese schafft hier ein rundum gut in sich geschlossenes Gebilde, das den Zuschauer in einem unterhaltsamen Rausch verharren lässt.

Zu den schauspielerischen Leistungen kann ich nur sagen, dass sie wieder einmal nur herausragend sind. Hier handelt es sich wieder um einen Film, bei dem man sich haarsträubend fragt, warum verdammt nochmal DiCaprio bis heute keinen Oscar hat. Er spielt die aufgedrehte Rolle des geldgierigen Jünglings perfekt, und findet sich in einer Rolle wieder, in der er sich in dessen voller Extreme ausleben kann. Zugegeben, man kennt von DiCaprio wirklich andere Rollen, desto mehr Spaß hat es mir jedoch gemacht, ihn einmal in einer etwas heftigeren Rolle zu sehen. Auch zu Jonah Hill finde nicht einmal einen Ansatz von Negativem. Auch seine Leistung mündet in einer ziemlich gut geschriebenen Rolle. Hill in diesem Film zu sehen, macht einfach furchtbar Spaß, und ich wage zu behaupten, dass er mir in "The Wolf of Wall Street" sogar bisher am besten gefallen hat.

Dieser Film ist verrucht, dieser Film ist dreckig und dieser Film ist verdammt nochmal gut. Es handelt sich hier um einen Film, der seine Message in Form von Witz und Obszönität ausdrückt und dabei nichts an seiner Wirkung verliert.

Bleibt wohl für Sie nur noch die Frage offen, ob der Protagonist mit seinen teuren Flügelchen zu nahe an der Sonne fliegt. Verraten werde ich es Ihnen nicht. Aber das Gute dabei ist, dass sich das Kino-Ticket für Sie lohnen wird. Versprochen. Aber gehen sie bloß nicht zusammen mit ihren Kindern rein!

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Regie: Martin ScorseseDarsteller: Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot RobbieBundesstart: 16. Januar 2014FSK: 16 JahreKino-Scout-Bewertung: 4 von 5 Sternen

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