„Leonora“, ARD

„Leonora“: Ein Kind in den Fängen des Islamischen Staates

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Vater Maik Messing mit Leonora in Barcelona 2014.

Ein Dokumentarfilm über den vier Jahre währenden Versuch eines Vaters, seine Tochter vom IS zurückzuholen.

Eines Tages war sie weg. Einfach weg. Es dauerte nicht lange, bis Bäckermeister Maik Messing wusste, wohin seine Tochter Leonora verschwunden war: Ihr Tagebuch, ihr Computer und Handynachrichten klärten ihn auf: Sie hatte sich abgesetzt, nach Syrien, zum Islamischen Staat. Dort hatte die 15-Jährige gleich geheiratet, einen „Kämpfer“, der noch zwei andere Frauen hatte und sich als Deutscher herausstellte. Sie schickte ein Hochzeitsfoto: Drei mit Niqab vermummte Frauen auf einem Sofa, davor liegend ein maskierter Mann, mit Gewehr.

Vater Messing ist wie vor den Kopf geschlagen: Sein Kind, das zarte Mädchen, in den Fängen des IS. Er will, dass sie wiederkommt. Er wendet sich auch an Journalisten, und so kommen die Filmemacher Volkmar Kabisch, Britta von der Heide und Amir Musawy zu dieser Geschichte. Sie soll vier Jahre dauern. Und sie ist noch nicht zu Ende.

Das Drama eines Vaters

Was Kabisch und sein Team zu erzählen haben, ist das Drama eines Vaters, der seine Tochter nicht aufgeben will: ein Gefangener der Liebe. Bis an den Rand der Selbstaufgabe hält er die Verbindung zu ihr. Dabei hat er in seinem Dorf im Südharz eben erst ein eigenes neues Leben begonnen, hat noch einmal geheiratet, seine neue Frau wird schwanger, er versucht sein normales Leben zu führen. Aber nichts ist mehr normal, wenn die widersprüchlichsten Nachrichten per Handy aus dem Kriegsgebiet kommen und Maik Messings Seelenleben Achterbahn fahren lassen.

Was nach dem Nachspann übrig bleibt: Propaganda, „Fake News“ und die Macht der Lüge

Kabisch lässt sich auf Messing ein, und der auf ihn, sie führen im Laufe der vier Jahre viele Gespräche; der Filmemacher schildert die Ratlosigkeit, Verzweiflung und immer wieder aufkeimende Hoffnung des Vaters, die Tochter wiederzubekommen. Der Film konzentriert sich auf ihn, Leonoras Mutter kommt gar nicht vor, die neue Frau bleibt außen vor. Handynachrichten der Tochter sind der einzige Kontakt Messings, bis eine Todesnachricht aus Syrien eintrifft – die sich bald als Fälschung herausstellt. Irgendwann spricht der gebeutelte Vater davon, dass er mit dem Strick auf der Leiter stehe, und irgendwann bricht er selbst die Verbindung ab.

Der Prozess steht an

Es ist die spannend erzählte Geschichte einer Distanz zwischen alt und jung, man könnte auch sagen: zwischen Egoismus und Fürsorge, und des Kampfes um die Überwindung dieser Distanz, die Geschichte einer Verführung, die ja so einige junge Frauen erlebt haben, und der Desillusionierung. Wenn die nun 19-Jährige am Ende mit zurückgeschlagenem Schleier vor dem Reporter sitzt, nennt sie als ein Motiv, dass Islam „gerade so im Trend“ gewesen sei, und führt auf ihre Jugend zurück, dass sie „Revolution“ habe machen wollen und sich für „das Krasse“ interessierte. Für den Vater ist die Tochter nun auch eine Täterin – wie für die deutsche Justiz ebenfalls. Der Prozess steht an. Als das Interview mit Kabisch beendet ist, zieht Leonora im Hinausgehen den Gesichtsschleier wieder über.

„Die Story im Ersten: Leonora“, ARD, Montag, 9. September, 22.50 Uhr. Im Netz: ARD Mediathek.

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