„Unter Verdacht: Evas letzter Gang“,

„Unter Verdacht: Evas letzter Gang“: Senta Berger ermittelt in ihrem letzen Fall 

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Dr. Prohacek, mit guten Gründen in finsterer, aber nie elegischer Stimmung.

Zum Ende der großen Serie „Unter Verdacht“.

  • TV-Kritik zur ZDF*-Krimiserie „Unter Verdacht: Evas letzter Gang“  
  • Letzter Fall nach 30 Folgen 
  • Senta Berger ermittelt noch einmal als Dr. Prohacek

Es lohnt sich, darauf hinzuweisen, dass am Samstagabend auch im ZDF – nach der Premiere auf Arte im vergangenen Herbst – eine der straffsten und dunkelsten der langgestreckten deutschen Krimiserien ins Finale geht, die sich denken lässt.

„Unter Verdacht“, mit 30 Folgen seit 2002, war immer auf die inzwischen 78-jährige Senta Berger abgestimmt, deren Alter auch der einzige Grund sein kann, dass sie nicht mehr weitermachen wollte. Keine Serie hat sich weniger totgelaufen. Die an dieser Stelle völlig unersetzbare Senta Berger spielt aber keine Miss Marple, sondern eine Beamtin, was ihr selbst zunehmend unglaubwürdig erschien. Das Publikum dagegen hatte keinen Grund, ihrer Dr. Prohacek zu irgendeinem Zeitpunkt nicht ohnehin alles zu glauben. So unpathetisch wird Integrität normalerweise im Krimi nicht vermittelt, Einsamkeit nicht so dezent, Energie nicht so untertrieben und Witz nicht so subtil.

„Unter Verdacht: Evas letzter Gang“: Der Lump als Chef

Unersetzbar allerdings ebenso Prohaceks korrupter Chef Reiter: Dem Schauspieler Gerd Anthoff (auch inzwischen 73 Jahre alt) gelang – im Zusammenspiel mit fulminanten Drehbüchern – das Bravourstück, penetrante Jovialität mit der Verklemmtheit des Bösen zu verbinden und dem Zerrbild eines durch und durch korrupten, lichtscheuen, eitlen, absolut schändlichen Spezls ein authentisches Antlitz zu geben. Ein Schuft, aber einer von uns.

Dass ausgerechnet die Abteilung interne Ermittlung vom Kopf her nicht stinkt, sondern geradezu rührend direkt kriminell ist, klingt idiotisch. Aber „Unter Verdacht“ präsentierte das eben nicht als krasse Verschwörung, sondern als feine Wurstelei. Man konnte es zuweilen auch vergessen und sich an einzelnen Reiter’schen Schachzügen erfreuen: Manchmal standen Heldin und Halunke auf einer Seite.

Zugleich lief das immer sehr zivil ab. Genial zum Beispiel, dass sich Reiter und Prohacek von alters her duzten („Klaus“, „Eva“), während es für die dritte Ecke des Dreiecks, Rudolf Krause, immer beim „Herr Langner“ blieb. Er war ein mürrisch Enttäuschter, auch wenn die Ursache, seine Lustlosigkeit, überhaupt in dieser Abteilung zu arbeiten, aus dem Blick geriet. Als zunehmend Reiter-hassendes Rumpelstilzchen bildete er den perfekten Hintergrund für das Reiter-Prohacek’sche Duell.

„Unter Verdacht: Evas letzter Gang“: Handlung knüpft an die erste Folge von 2002 an

„Unter Verdacht: Evas letzter Gang“, ZDF, Samstag, 28.03.2020, 20.15 Uhr 

Die letzte Folge, „Evas letzter Gang“, geschrieben von Stefan Holtz und Florian Iwersen, inszeniert von Andreas Herzog, breitet noch einmal in feierlicher, aber auch gebrochener Melancholie und immenser Schärfe aus, worum es hier ging: Das Lauern und das Zuschlagen mit geschlossenem und offenem Visier. Auch kommt die Geschichte wirklich zu einem Abschluss, nicht nur weil Dr. Prohacek in Pension geht. Die leise Peinlichkeit von Abschiedsfeiern – inklusive einer sehenswerten Rüblikuchen-Szene – kann übrigens nicht betrüblicher und zugleich beiläufiger transportiert werden.

Die Handlung knüpft tatsächlich an die erste Folge von 2002 an, „Verdecktes Spiel“. Die Bitterkeit der Vorgänge, die also – wie wir nun mit voller Wucht begreifen – 17 Jahre lang übertüncht im Raum standen, ist groß und hat eine tragische Dimension. Die Harmlosigkeiten – Herr Langner schenkt Dr. Prohacek einen Kochkurs – dienen einer Entspannung, die man auch braucht.

Von Judith von Sternburg

V wie Vendetta: Blutrache bis ins Grab im Bozen-Krimi. Der Thriller spielt zwar in Bari, ist aber dennoch ein richtig guter und spannender Auftakt zu einer neuen Trilogie der Bozen-Krimis mit Chiara Schoras und Tobias Oertel. 

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