Branche von Missbrauchsvorwürfen erschüttert

Berlinale will ein Zeichen in #MeToo-Debatte setzen

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Berlinale-Festivalleiter Dieter Kosslick.

Seit Monaten wird die Filmbranche von Missbrauchsvorwürfen erschüttert. Die Berlinale, das weltgrößte Publikumsfestival für den Film, will das Thema offensiv angehen.

Berlin - Die Berlinale will in der #MeToo-Debatte um Missbrauch in der Filmbranche ein Zeichen setzen. „Diese Diskussion wird das Festival sicher sehr prägen, und wir wollen sie auch von uns aus vertiefen“, kündigte Festivaldirektor Dieter Kosslick (69) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur an. „Das Thema wird sich durch die ganze Berlinale ziehen.“

Bei den 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin werden vom 15. bis 25. Februar mehr als 400 Kinoproduktionen aus aller Welt zu sehen sein. Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen Branchengrößen wie Harvey Weinstein und Dieter Wedel gibt es bei dem Festival mehrere Veranstaltungen, die sich dem Thema stellen - die zentrale unter dem Titel „Diversity“ (Vielfalt). „Es geht ja nicht nur um sexuelle Belästigung, es geht um Diskriminierung insgesamt, und damit wollen wir uns offensiv auseinandersetzen“, sagt Kosslick. 

Auch die Initiative Pro Quote Film und die internationale Organisation für Frauen in Film und Fernsehen wollen mit Aktionen auf das Thema aufmerksam machen. Außerdem unterstützt die Berlinale laut Kosslick die Initiative „Speak Out“ von Daniela Elstner, der Leiterin einer französischen World-Sales-Firma, die eine Website und Hotline gegen sexuelle Belästigung im Filmgeschäft startet.

Festival-Chef Kosslick: „Thema ist kompliziert und vielschichtig“

An das Tragen einer weißen Rose oder schwarzer Kleidung, wie zuletzt bei Filmverstaltungen in Hollywood, ist in Berlin zunächst nicht gedacht. „Ich glaube, symbolische Dinge sind gut, aber wir wollen es mal mit der inhaltlichen Diskussion probieren“, sagt der Festivalchef. „Das Thema ist so kompliziert und vielschichtig, dass man es wirklich differenziert angehen muss.“

Für Kosslick, seit 2001 Berlinale-Direktor, ist es das vorletzte Festival, das er verantwortet. Sein Vertrag läuft im Mai 2019 aus. Im vergangenen Jahr war eine heftige Debatte um seine Nachfolge entbrannt, nachdem fast 80 namhafte Filmemacher eine Erneuerung des Festivals gefordert hatten. 

Kosslick nannte die Diskussion erneut „sehr verletzend“, fügte aber hinzu: „Es gibt ja den Spruch „Schmerz lass nach“ und so ist es.“ Er sei sicher, dass nun in einem transparenten Verfahren eine gute Lösung gefunden werden - womöglich mit einer Doppelspitze, wie schon lange von ihm vorgeschlagen. 

„Ich habe bereits gesagt, dass ich weder für das Amt des kaufmännischen Direktors noch erst recht als künstlerischer Leiter zur Verfügung stehe“, betonte er. Ob er sich jedoch ein etwaiges drittes Amt als Präsident vorstellen könne, ließ er offen. „Mein Vertrag läuft am 31. Mai 2019 aus. Man sollte erstmal eine Sache beenden“, sagte er lediglich.

dpa

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