Falk Maria Schlegel im extratipp.com-Interview (Teil 2)

„Es gibt Dinge, die macht Powerwolf einfach nicht“: Metal-Band im großen extratipp.com-Interview zu „Call of the Wild“

Falk Maria Schlegel, der Organist der deutschen Heavy Metal-Band Powerwolf, steht neben Frontmann Attila auf der Bühne (Fotomontage)
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„Es gibt Dinge, die macht Powerwolf einfach nicht“, erklärt Band-Keyboarder Falk Maria Schlegel im extratipp.com-Interview. Der Grund: Die Metal-Gruppe habe nach großen Charterfolgen „absurde Anfragen“ erhalten

Nachdem Powerwolf-Organist und -Keyboarder Falk Maria Schlegel im ersten Teil seines extratipp.com-Interviews bereits ausführlich über das neue Album „Call of the Wild“ gesprochen hat, berichtet der Musiker im zweiten Teil von „absurden Anfragen“, welche die Band nach ihrem Erfolg erhielt. Obendrauf gibt‘s ein Versprechen für eine bevorstehende, ganze besondere Live-Show!

Saarbrücken - Im ersten Teil seines Interviews mit extratipp.com* erklärte Powerwolf-Organist und -Keyboarder Falk Maria Schlegel (45) unter anderem ausführlich, wie die Corona-Pandemie das neue Album „Call of the Wild“ beeinflusst hat, welche Rolle der Vorgänger „The Sacrament of Sin“ für die Platte spielte und warum Heavy Metal und Humor bestens zusammenpassen*. Nun beleuchtet der 45-jährige Metal*-Musiker den Erfolg der Band um Frontmann Attila Dorn (50), gibt eine Liebeserklärung an das Genre und dessen Fans ab und berichtet, dass die Gruppe nach ihren beeindruckenden Charterfolgen „absurde Anfragen“ bekam.

Am 16. Juli 2021 veröffentlichen Powerwolf ihr neues Album „Call of the Wild“ - und dürften damit wohl, ähnlich wie beim Vorgänger „The Sacrament of Sin“, auf eine Chartposition ganz oben hoffen. Im zweiten Teil seines Interviews mit extratipp.com erklärt Organist Falk Maria Schlegel, eine Metal-Band auf der eins sei „ein kleiner Stinkefinger von oben“

Powerwolf: Falk Maria Schlegel erklärt Charterfolge im Metal - „Ein kleiner Stinkefinger von oben“

Mit „The Sacrament of Sin“ habt ihr 2018 die Spitze der deutschen Albumcharts erreicht, auch die beiden Vorgänger schafften es auf die drei („Blessed & Possessed“; 2015) beziehungsweise die eins („Preachers of the Night“; 2013). Das sind Chart-Platzierungen, von denen andere Künstler im und abseits des Metals oftmals nur träumen können. Wie erklärst du dir diesen Erfolg von Powerwolf?
Ich kann es selbst gar nicht richtig erklären. Zum einen sind wir natürlich unendlich dankbar dafür, dass so viele Fans unsere Alben kaufen. Wir haben eine treue Fangemeinde auf der ganzen Welt. Ich will es mal so sagen: Normalerweise sind für dich als Metal-Band die Charts natürlich dein Feind, weil da so viele Sachen drin sind, die ‚wir‘ eigentlich gar nicht mögen - so sage ich das jetzt einfach mal. Auf der anderen Seite ist das aber gleichzeitig so ein kleiner Stinkefinger von oben, wenn man das schafft: ‚Hey, Heavy Metal gibt es!‘ Ihr redet uns immer klein als Nische oder Subkultur. Klar, das wollen wir auch irgendwie sein, doch gleichzeitig ist die Community so groß und loyal, das hast du selten im Musikbereich.
Mich freut es einfach, wenn eine Metal-Band - also nicht nur wir - in den Charts vertreten ist. In Extremo (deutsche Mittelalter-Rock-Band; Anm.d.Red.) sind gut gechartet (zuletzt viermal Platz eins, einmal Platz zwei; Anm.d.Red.) und Rammstein ja sowieso. Es ist gut, wahrgenommen zu werden. In der Corona-Krise hat man das durchaus gemerkt: Viele Politiker haben sich gewundert, wer all die Bands und Festivals plötzlich sind. Wacken kennen sie, aber sonst? Das sind inzwischen allerdings ganze Wirtschaftszweige, auch wenn ich den Begriff eigentlich nicht reinbringen möchte, weil ich mich in dem Kontext als Künstler sehe. Aber natürlich ist es das auch: Es leben Menschen von Musik. Um eine gute Show zu spielen, brauchst du Menschen, die das aufbauen. Die leben davon.
Ich bin froh, dass inzwischen diese Wahrnehmung für den Heavy Metal entsteht. Dass nicht nur einmal im Jahr auf allen Kanälen Wacken gezeigt wird, sondern dass es auch andere Dinge gibt, über die man berichten kann. Aber es ist teilweise trotzdem auch merkwürdig, wenn du auf Platz eins stehst. Dann bekommst du nämlich sehr absurde Anfragen. Davon haben wir bisher allerdings noch nichts gemacht.

Powerwolf: Lobende Worte für die Metal-Szene - „Angenehme Atmosphäre und liebevoller Umgang“

Was für „absurde Anfragen“ hat Powerwolf denn genau bekommen?
Wir sollten mal aus einem Schrank springen bei einer gewissen Sendung auf ProSieben, solche Dinge halt. Das gibt es bei uns aber nicht. Wir haben Humor, aber wir möchten nicht albern sein oder rumblödeln. Da ist für mich eine Grenze erreicht, weil es nur affig ist. Es gibt Dinge, die macht Powerwolf einfach nicht!
Lass uns noch einmal auf die Metal-Szene als solche zu sprechen kommen. Du hast die Community als „groß und loyal“ bezeichnet, innerhalb dieser Subkultur sieht man sich gerne als große Familie. Was können sich andere Genres womöglich sogar bei Metal-Fans abschauen?
Ich glaube, dass dieser Grundgedanke, neue Bands oder Alben zu entdecken und sich darüber auszutauschen, unheimlich groß in der Szene ist. Es gibt einfach eine riesengroße Basis an Metal-Fans an sich, die sich mittlerweile auch alle möglichen Dinge querbeet anhören. Man ist nicht mehr einfach ‚nur‘ Metallica-Fan oder ausschließlich im Lager von Iron Maiden. Ich habe schon das Gefühl, dass der Zusammenhalt in der Szene sehr gut ist, auch wenn man sich mal über eine Band zofft.
Der eine sagt: ‚Powerwolf finde ich kacke!‘ Der andere sagt: ‚Powerwolf finde ich saugeil!‘ Dann wird sich darüber mal mehr, mal weniger konstruktiv ausgetauscht und am Ende des Tags sagt der eine zum anderen: ‚Komm einfach mal mit, du wirst schon sehen, der Attila wird dich bekehren.‘ Und dann klappt das sogar. Ich bin selber auch gerne auf Festivals unterwegs und schaue mir andere Bands an. Da erlebe ich eigentlich immer eine sehr angenehme Atmosphäre und einen liebevollen Umgang miteinander.
Man bekommt ja oft dieses Klischee zu hören, Metal-Fans sähen so wüst und rüde aus, sind aber in Wirklichkeit ganz lieb. Das finde ich ein bisschen peinlich. Was soll das? Natürlich hauen wir uns nicht auf die Fresse, wir wollen geile Musik feiern! Ich finde, die Szene ist tatsächlich eine Familie und so sagen wir das live ja auch oft: Wir sind froh, ein Teil davon zu sein. Ich kenne mich allerdings in anderen Szene, zum Beispiel im Hip-Hop, nicht gut genug aus, um Vergleiche ziehen zu können. Was ich allerdings klar befürworte: Im Metal wendet man sich nicht von einer Band direkt ab, nur weil sie einmal ein schlechtes Album veröffentlicht haben. Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, dass die Community auch immer weiter wächst.

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Powerwolf: Falk Maria Schlegel über die Digitalisierung der Musikwelt - „Eine große Chance“

Powerwolf wurde 2003 gegründet, also in einer Zeit, in der Musikwelt kurz vor einem großen Wandel stand. YouTube kam damals gerade frisch auf und mit der Zeit wurde alles digitaler. Inzwischen haben Spotify und Co. übernommen, die Branche hat sich grundlegend verändert. Wie habt ihr diese Jahre erlebt und inwiefern reagiert man als Band auch darauf?
Man muss sich natürlich mitentwickeln, es bleibt einem gar keine andere Möglichkeit. Als wir mit „We Drink Your Blood“ unser erstes Video gemacht haben, war das auch so: Irgendwann hat MTV aufgehört zu senden und dann kam YouTube. Man hat damals die ersten Videos gemacht und hat sich gefragt, was da gerade passiert. Ist das wirklich etwas, womit man die Musik den Menschen näherbringen kann? Mittlerweile ist es der Wahnsinn, was da alles möglich ist.
Ich sehe es als Fluch und Segen zugleich: Zum einen sind Spotify und Co. natürlich ganz wunderbar, um der Welt seine Musik zu präsentieren. Das ist toll! Über den Aspekt der Monetarisierung brauchen wir allerdings gar nicht groß zu reden: Bands verdienen damit einfach nichts oder zu wenig. Das muss man einfach besser lösen. Wenn es eine gerechte Verteilung gäbe, würde das Gemecker über digitale Musik auch aufhören.
Dennoch sehe ich es in erster Linie als große Chance: Ein Video zu produzieren oder eine Single zu veröffentlichen und weltweit den Fans so einfachen Zugang zur Musik zu gewähren, ist wunderbar. Nichtsdestotrotz müssen wir als Band, die schon ein Weilchen unterwegs ist, klar sagen, dass wir uns unsere Fans ganz klassisch erspielt haben: In einem kleinen Club, in einer Kneipe oder auf kleineren und größeren Festivals morgens um 10 Uhr. Das ist uns ganz gut gelungen. Damals gab es diese Medien allerdings noch nicht in der Form, in der es sie heute gibt. Inzwischen herrscht eine große Diskrepanz: Gute Klickzahlen bedeuten in der Realität nämlich nicht, dass auch 5000 Fans kommen.
Ich bin froh, dass wir uns durch unsere Touren aktiv eine feste Basis erspielt haben. Das wird auch die digitale Welt nicht verändern. Wenn du als Band bestehen willst, musst du live spielen. Durch Corona wurde das jetzt weggerissen, aber wenn es wieder geht, heißt es spielen, spielen, spielen. Du kannst schlecht sagen: ‚Hey, es läuft doch wunderbar bei YouTube!‘ Der Meinung bin ich immer noch: Du musst es unterfüttern, damit du auch live was reißen kannst, um mal beim Wolfsbild zu bleiben.

Powerwolf: Spielt die Metal-Band bald ihre geilste Show? - „Ich setze alles daran“

Zum Abschluss noch eine schwierige Frage: Beim Wacken-Ersatzfestival Bullhead City werdet ihr im September 2021 nach über anderthalb Jahren endlich wieder auf der Bühne stehen. Wird diese angesichts der coronabedingten Zwangspause das geilste Konzert in der Geschichte von Powerwolf werden?
Wow, wenn ich das wüsste, könnte ich besser schlafen! Ich glaube schon, dass es eine Art Explosion in jeglicher Hinsicht sein wird - bühnentechnisch gesehen, aber auch für uns selbst. Ohne Flachs: Ich glaube, ich werde extrem nervös sein, weil ich anderthalb Jahre nicht mehr live gespielt habe. Das letzte Mal war in Mexiko-Stadt, im Frühjahr 2020. Ich freue mich auf jeden Fall darauf und sehe mich schon, wie ich dort an der Bühnentreppe hochsteige. Aber um deine Frage zu beantworten: Ob‘s das geilste Konzert wird, kann ich dir erst hinterher beantworten.
Es könnte aber durchaus passieren, weil einfach alles aus dir herausbricht, was du anderthalb Jahre entbehren musstest. Ich will es andersherum sagen: Ich setze alles daran, dass es das geilste Konzert wird, das ich bis jetzt gespielt habe!

Powerwolf: Wolfsnächte 2021 - alle Daten zur Live-Tour zu „Call of the Wild“

  • 01.10.21 DE - Stuttgart / Schleyerhalle
  • 02.10.21 CH - Zürich / Samsung Hall
  • 04.10.21 ES - Barcelona / Razzmatazz
  • 05.10.21 ES - Madrid / Riviera
  • 07.10.21 FR - Paris / Zenith
  • 08.10.21 UK - London / Roundhouse
  • 09.10.21 BE - Antwerpen / Lotto Arena
  • 10.10.21 NL - Amsterdam / Afas Live
  • 12.10.21 IT - Mailand / Alcatraz
  • 13.10.21 DE - Frankfurt / Jahrhunderthalle
  • 15.10.21 DE - München / Zenith
  • 16.10.21 DE - Oberhausen / König Pilsener Arena
  • 17.10.21 CZ - Prag / Tipsport Arena
  • 18.10.21 PL - Katowice - MCK
  • 20.10.21 HU - Budapest / Arena
  • 21.10.21 AT - Wien / Gasometer
  • 22.10.21 DE - Berlin / UFO im Velodrom
  • 23.10.21 DE - Hamburg / Sporthalle

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