Scooter-Frontmann

„Gendern finde ich zum Kotzen!“: H.P. Baxxter ätzt gegen geschlechterneutrale Sprache

H.P. Baxxter, Frontmann der Hamburger Band Scooter, steht zwischen korrekt gegenderten Begriffen (Fotomontage)
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„Das ist für mich Idiotensprache!“, ließ sich Scooter-Frontmann H.P. Baxxter in einem Radiointerview über das Gendern aus - und merkte nicht, dass er damit grundlegender Teil des Problems ist (Fotomontage)

Die Gender-Debatte spaltet Deutschland: Auch Scooter-Frontmann H.P. Baxxter fährt einen klaren Kurs, findet geschlechtergerechte Sprache „zum Kotzen“, wie er in einem Radiointerview erklärt. Damit gießt der Hamburger allerdings unnötig Öl ins ohnehin schon lodernde Feuer.

Hamburg - Für deutsche Techno*-Fans führt inzwischen eigentlich kein Weg an Scooter vorbei: Frontmann H.P. Baxxter (57) und seine Band dürfen sich beispielsweise beim Streamingdienst Spotify* über mehr als vier Millionen monatliche Hörer:innen freuen. Na, sind Sie gegen Ende des vorangegangenen Satzes über das Wort ‚Hörer:innen‘ gestolpert, mussten einmal kurz durchschnaufen, weil der Lesefluss abrupt unterbrochen wurde? Dann geht es Ihnen wohl ähnlich wie dem 57-jährigen Scooter-Sänger.

Der ließ sich in der Morningshow von Radio Hamburg wortgewaltig über geschlechtergerechte Sprache aus, bezeichnete Gendern unter anderem als „Idiotensprache“. Dass er als Nicht-Betroffener derart harte Töne anschlägt, zeigt einmal mehr, wo das Problem eigentlich liegt. Extratipp.com* berichtet.

Scooter-Frontmann H.P. Baxxter hat eine klare Meinung, was gendergerechte Sprache betrifft. Dass er die hitzige Diskussion mit unbedachten Aussagen nur unnötig befeuert, ist dem 57-Jährigen dabei wohl nicht klar

Scooter-Sänger H.P. Baxxter lästert über das Gendern - „Das ist für mich Idiotensprache!“

Eines vorweg: Das Recht auf freie Meinungsäußerung gilt hierzulande selbstverständlich für alle Bürger:innen - H.P. Baxxter ist da keine Ausnahme. Doch wie so oft macht eben der Ton die Musik: Im Interview mit Radio Hamburg* machte der Scooter-Mitbegründer deutlich, dass er von inklusivem Sprachgebrauch recht wenig hält: „Gendern finde ich zum Kotzen!“, donnerte der 57-Jährige und erklärte dann: „Das ist für mich Idiotensprache!“ Ob ein Sonderzeichen, wie etwa ein Doppelpunkt oder das berüchtigte Gendersternchen, in Kombination mit der geschlechtergerecht angeglichenen Endung ‚-in‘ oder ‚-innen‘ die deutsche Sprache unnötig verkomplizieren, ist hierzulande inzwischen zu einer heiß diskutierten Glaubensfrage geworden.

Konstruktiv läuft diese Diskussion allerdings schon lange nicht mehr ab, wie sich auch an den Äußerungen von H.P. Baxxter zeigt. Das Gendern empfinden viele als wichtigen Etappensieg auf dem Weg zur tatsächlichen Gleichberechtigung - doch es gibt auch zahlreiche Kritiker:innen: „Das hat ja nichts damit zu tun, dass man Frauen akzeptiert. Es ist einfach nur eine Verunglimpfung der Sprache und sagt nichts weiter aus“, urteilte der Scooter-Frontmann. Zur Erinnerung: Der 57-Jährige ist - geht man einmal davon aus, dass unsere Sprache tatsächlich Teile der Gesellschaft diskriminiert - überhaupt nicht betroffen. An Universitäten, in großen Firmen oder bei Bundesbehörden haben gendergerechte Begriffe sich inzwischen etabliert. Von „Idiotensprache“ kann deshalb keine Rede sein.

Scooter-Frontmann H.P. Baxxter ist Teil des Problems - Aussagen zur Gender-Debatte kritisch

Leider sind H.P Baxxters Aussagen hinsichtlich der Gender-Debatte symptomatisch für den aktuellen Diskurs: Diejenigen, die sich mit dem Thema nicht differenziert auseinandersetzen, urteilen oftmals vorschnell und haben kurioserweise den stetigen Drang, sich besonders laut - und im Falle des Scooter-Stars darüber hinaus unsachlich - zu äußern. Das ist zwar das gute Recht des Hamburgers, trotzdem sollte er womöglich noch einmal bedenken, dass es offensichtlich genug Personen gibt, denen der sprachliche Wandel aus berechtigten Gründen am Herzen liegt. Ob man deren Bemühungen mit beleidigenden Aussagen untergraben muss oder seine Prominenz womöglich einmal konstruktiv nutzen sollte, ist dem 57-jährigen Hamburger jedoch selbstverständlich selbst überlassen.

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