Falk Maria Schlegel im extratipp.com-Interview (Teil 1)

„Im Metal darf man Klischees benutzen“: Powerwolf im großen extratipp.com-Interview zu „Call of the Wild“

Falk Maria Schlegel, der Organist der deutschen Heavy Metal-Band Powerwolf, steht vor der Bühne der Gruppe (Fotomontage)
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Im Interview mit extratipp.com spricht Powerwolf-Organist Falk Maria Schlegel auch über „Call of the Wild“, das neue Studioalbum der Metal-Band. Trotz der Corona-Pandemie habe „alles gut geklappt“ - doch die Produktionsbedingungen waren dennoch abenteuerlich (Fotomontage)

Powerwolf sind zurück! Deutschlands berüchtigtste Metal-Meute legt mit „Call of the Wild“ ihr sage und schreibe achtes Studioalbum vor. Entstanden ist die Platte inmitten der Corona-Pandemie. „Eine seltsame Erfahrung“, wie Keyboarder Falk Maria Schlegel im ersten Teil seines extratipp.com-Interview verrät.

Saarbrücken - Drei Jahre, nachdem Powerwolf mit „The Sacrament of Sin“ (2018) zum zweiten Mal an die Spitze der Albumcharts stürmten, fletscht Deutschlands bekanntestes Metal*-Rudel erneut die Zähne, bereit, mit ihrem achten Studioalbum „Call of the Wild“ (Veröffentlichungstermin: 16. Juli 2021) erneut die Musikwelt* auf den Kopf zu stellen. Unlängst hat sich die Band um Frontmann Attila Dorn (50) als Alphatier innerhalb der Branche etabliert - und das mit Recht: Die 2003 gegründete Power-Metal-Gruppe konnte ihren unverkennbaren Sound über die Jahre immer weiter perfektionieren. Musikalisch dominieren fetzige Gitarren-Riffs, epische Orgelklänge und mitreißende Melodien. Doch Powerwolf steht für mehr als das: Hinter dem düsteren Auftreten der Saarländer stecken nämlich fünf Musiker, die durchaus verstanden haben, dass erstklassiges Entertainment nicht allein der Popmusik* vorbehalten bleiben sollte.

Im ersten Teil des Interviews mit extratipp.com* erklärt Organist und Keyboarder Falk Maria Schlegel (45) unter anderem ausführlich, wie die Corona-Pandemie „Call of the Wild“ beeinflusst hat, welche Rolle der Vorgänger „The Sacrament of Sin“ für das aktuelle Album spielte und warum Heavy Metal und Humor bestens zusammenpassen.

Mit „Call of the Wild“ veröffentlichen Powerwolf am 16. Juli 2021 ihr inzwischen achtes Studioalbum. Dessen Produktion empfand Organist und Keyboarder Falk Maria Schlegel (2.v.l.) als „seltsame Erfahrung“

Powerwolf: Falk Maria Schlegel über „Call of the Wild“-Aufnahmen - „Eine seltsame Erfahrung“

Mit „Call of the Wild“ erscheint am 16. Juli 2021 das inzwischen achte Powerwolf-Album - eine besondere Platte, immerhin ist sie inmitten der Corona-Pandemie entstanden. Wie habt ihr als Band diese ungewohnten Produktionsbedingungen erlebt?
Damit angefangen, das Album zu schreiben, haben wir im März vergangenen Jahres. Kurz davor waren wir noch auf Südamerika-Tour und mussten zum ersten Mal überhaupt in unserer Bandgeschichte zwei Shows absagen, weil man als Deutscher nicht mehr einreisen durfte. Das war eine sehr schwierige Erfahrung: Nach El Salvador durfte man schon nicht mehr, also sind wir nach dem Konzert in Mexiko-Stadt zurückgeflogen - mit dem letzten Flug, den es noch gab, bevor man dort hätte ‚stranden‘ müssen. Wir waren alle sehr nervös.
Als wir nach Hause kamen, war das alles für mich noch gar nicht so richtig greifbar. Ich dachte anfangs, das sei spätestens im Sommer wieder vorbei und dann spielen wir die Festivals. Es wurde dann aber relativ schnell klar, dass es doch eine andere Situation ist. Dann haben wir uns - weil das zu diesem Zeitpunkt ja eh geplant war - ins Songwriting gestürzt, um fokussiert zu arbeiten und alles andere auszublenden. Das lief auch ganz gut, allerdings haben wir dann Probleme bekommen, als es darum ging, „Call of the Wild“ aufzunehmen.
Wir wollten das Album zuerst in Schweden bei Jens Bogren (berühmter Musikproduzent und Toningenieur; Anm.d.Red.) einspielen, haben dann aber schnell gemerkt, dass das mit den Flugreisen nichts wird. Dann ging es in die Niederlande zu Joost van den Broek (ebenfalls Musikproduzent und Toningenieur; Anm.d.Red.), der auch schon von Anfang an in die Chor- und Orchester-Arrangements involviert war. Allerdings war es dann plötzlich auch sehr schwierig, in die Niederlande einzureisen, weil sozusagen links und rechts auch alles als Risikogebiet eingestuft wurde.
Das war durchaus eine seltsame Erfahrung, weil der Transport und die Logistik in ein Tonstudio normalerweise das Einfachste am ganzen Prozess ist. Das hat uns etwas nervös gemacht. Kommen wir überhaupt über die Grenze? Dürfen wir überhaupt einreisen? In solchen Momenten weiß man die Europäische Union definitiv zu schätzen, weil sowas unter normalen Umständen eigentlich ganz einfach ist. Trotzdem hat alles gut geklappt und wir sind überglücklich, dass wir nichts verschieben mussten.

Powerwolf: „Call of the Wild“ knüpft an „The Sacrament of Sin“ an - „Der nächste Schritt“

Musikalisch knüpft „Call of the Wild“ klar an das 2018 erschienene „The Sacrament of Sin“ an: Mit „Alive Or Undead“ gibt es nach „Where The Wild Wolves Have Gone“ eine weitere Powerballade, „Blood For Blood (Faoladh)“ setzt wie schon „Incense & Iron“ auf deutliche Folk-Akzente. Siehst du das Album dementsprechend als Forterzählung seines Vorgängers?
Eine Forterzählung ist es in der Tat weniger, ein Nachfolger dahingegen definitiv: „Call of the Wild“ ist durchaus der nächste Schritt und ich würde es auch als großen Schritt bezeichnen. „The Sacrament of Sin“ hat uns gezeigt, dass in unserem Powerwolf-Kosmos noch viel mehr möglich ist. Wir haben uns jetzt auch getraut, bestimmte Dinge einfach noch einmal zu machen. Du hast die Ballade angesprochen - die erst zweite Ballade! Wir haben mit „Where The Wild Wolves Have Gone“ ja schon eine geschrieben und dachten uns: Das war‘s jetzt erst einmal so, ich meine, wir sind eine Heavy-Metal-Band, wir schreiben eigentlich schnellere Lieder.
In dem Fall war es aber so, dass wir die Strophe relativ schnell fertig hatten und Attila hat nur zu uns gesagt: ‚Das da wird gemacht und das wird eine Ballade!‘ Und der ist da sehr überzeugend! Aber trotzdem sagt man sich da nicht: Wir hatten beim Vorgänger eine Ballade und deswegen schreiben wir jetzt wieder eine.
Was die Folk-Elemente angeht, gebe ich dir recht: Natürlich war mit „Incense & Iron“ bei „The Sacrament of Sin“ ein Startpunkt da, wo man einfach mal ein bisschen rumexperimentiert hat. Das hat sich auch gut ergeben, aber da war es tatsächlich so, dass wir zuerst die Idee zum Text hatten. Inspiriert ist „Blood For Blood (Faoladh)“ nämlich von einer irischen Werwolf-Kreatur, über die es noch gar keinen Song gab. Der Hintergrund dieser Sage schreit dann natürlich geradezu nach keltischen Instrumenten. Trotzdem: Ohne „The Sacrament of Sin“ hätte es „Call of the Wild“ so natürlich nie gegeben.

Weitere spannende Interviews gibt es hier:

Powerwolf: Falk Maria Schlegel über Humor im Metal - „Man darf Klischees bedienen“

Neben prägnanten musikalischen Elementen sticht bei Powerwolf seit jeher besonders ein Stilmittel heraus: Humor! Mit „Undress to Confess“ findet sich auch auf „Call of the Wild“ erneut ein für euch typischer Song mitsamt witzigem Titel. Wie passen Humor und Metal deiner Ansicht nach zusammen - und wie wichtig ist so ein kleines Augenzwinkern besonders aktuell?
Das ist eine wunderbare Frage, weil das alles ein bisschen vereint, wofür Powerwolf auch steht. Dafür muss ich ein wenig ausholen: Es gab natürlich schon immer Bands, die mit viel Unterhaltung und großem Brimborium die Bühnen dieser Welt beackert haben: Kiss, Mötley Crüe oder auch Iron Maiden. Da ging es durchaus auch mal lustig zu und es wurde auch gern gelacht. Irgendwann habe ich mich als Metal-Fan allerdings gefragt, wo der Humor hin ist. Warum muss alles so ernst sein und wo ist der Spaß geblieben?
Wir haben deshalb von Anfang an versucht, ein Stück Humor mit reinzubringen, ohne albern zu sein. Das war uns extrem wichtig, wir wollten keinen Klamauk machen oder gar rumblödeln. Dann haben wir das über die Jahre entwickelt, auch eine humoristische Facette einzubauen: Songs wie „Resurrection by Erection“ - wenn man so einen Titel hört, dann hat jeder ein Lachen im Gesicht. „Undress to Confess“ funktioniert ähnlich. Wir nehmen das, was wir tun, extrem ernst, wir nehmen uns als Musiker auf der Bühne aber nicht immer ernst. Einfach, weil wir das mit Humor sehen, solche Dinge auch mal zuzulassen.
Da kann auch mal etwas schiefgehen. Manchmal denke ich mir: ‚Mensch, was erzählt denn der Attila heute wieder? Das gibt‘s doch nicht!‘ Aber er macht‘s trotzdem und die Leute lieben das und haben Spaß dabei. Ich finde vor allem dieses Gute-Laune-Gefühl und die Positivität unglaublich wichtig. Dass, wenn man zu uns auf eine Show kommt, man Kraft tankt, beseelt ist, ein Lächeln auf den Lippen hat und einfach einen guten Abend erleben konnte. Und ja: Es kann sein, dass es zurzeit noch wichtiger ist, aber ich halte das für allgemeingültig. Das ist etwas, das Powerwolf einfach seit Jahren ausmacht.
Am Anfang unserer Karriere sind wir deswegen aber durchaus auch auf Widerstände gestoßen. Es gab schon auch Vorwürfe, wir hätten den Heavy Metal verraten oder würden das Genre nicht ernst nehmen und uns darüber lustig machen. Ich finde, genau das Gegenteil ist der Fall: Im Heavy Metal darf und soll man auch Klischees benutzen, das ist doch klasse! Ich habe auch das Gefühl, dass in den letzten Jahren viele Bands entstanden sind, die das ähnlich sehen und dass man auf Konzerten und Festivals dadurch auch wieder mehr zu lachen hat. Trotzdem: Ein beschissener Song bleibt ein beschissener Song - egal, wie sehr du die Bühne aufpumpst. Das Fundament für eine Band müssen trotz allem gute Lieder sein.

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Im zweiten Teil unseres Interviews mit Falk Maria Schlegel spricht der Powerwolf-Keyboarder über den Erfolg der Metal-Band, gibt eine Liebeserklärung an das Genre und dessen Fans ab und berichtet, dass die Gruppe nach ihren beeindruckenden Charterfolgen „absurde Anfragen“ bekam*.

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