Wegen Belästigungsvorwürfen

Produzent Harvey Weinstein wird von eigenem Filmstudio gefeuert

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Harvey Weinstein möchte seine „Dämonen“ in den Griff bekommen

Wohl hat der Hollywood-Produzent vielen Frauen versprochen, ihnen zu helfen auf der Karriereleiter aufzusteigen - aber nur im Gegenzug für sexuelle Gefälligkeiten. Nun hat er mit den Konsequenzen zu leben. 

Los Angeles - Nach Belästigungsvorwürfen ist einer der einflussreichsten Produzenten Hollywoods, Harvey Weinstein, von seinem eigenen Filmstudio gefeuert worden. Angesichts der neuen Vorwürfe zum "Fehlverhalten" Weinsteins hätten die Direktoren der Weinstein Company entschieden und den Co-Gründer darüber informiert, dass seine Beschäftigung mit sofortiger Wirkung beendet sei, erklärte der Aufsichtsrat laut US-Medienberichten vom Sonntag. Weinstein soll mehrere Frauen, darunter bekannte Schauspielerinnen, sexuell belästigt haben.

Die "New York Times" hatte die Belästigungsvorwürfe kürzlich enthüllt. Der Filmproduzent soll Frauen versprochen haben, ihnen im Gegenzug für sexuelle Gefälligkeiten bei ihrer Filmkarriere zu helfen. Unter den mutmaßlichen Opfern sind die bekannten Schauspielerinnen Ashley Judd und Rose McGowan. Manche Vorfälle reichen laut "NYT" fast drei Jahrzehnte zurück. Mit mindestens acht Frauen habe er sich außergerichtlich geeinigt.

Weinstein will sich eine zweite Chance verdienen

Der 65-Jährige erklärte, er respektiere alle Frauen und hoffe auf eine zweite Chance - aber "es ist noch viel zu tun, um das zu verdienen". Bereits am Donnerstag hatte er sich entschuldigt und eine Auszeit angekündigt, um seine "Dämonen" in den Griff zu bekommen.

Nach den Enthüllungen der "NYT", die wie eine Bombe einschlugen, sind inzwischen fünf der neun Mitglieder des Weinstein-Aufsichtsrats, der nur aus Männern besteht, zurückgetreten. Noch an Bord sind Harveys Bruder Robert Weinstein, Lance Maerov, Richard Koenigsberg und Tarak Ben Ammar. Was mit den Anteilen geschieht, die Harvey Weinstein an seiner Firma hält, war zunächst unklar.

Noch am Freitag hatte Weinstein Company erklärt, eine interne Untersuchung eingeleitet zu haben: "Die nächsten Schritte werden von dem therapeutischen Fortschritt Harveys und von dem Ergebnis der unabhängigen Untersuchung des Verwaltungsrates abhängen."

Die Schauspielerin und Feministin Lena Dunham sprach nach Bekanntwerden der Vorwürfe den mutmaßlichen Opfern Weinsteins ihre Bewunderung aus "Das ist weder lustig noch einfach", schrieb sie im Kurzbotschaftendienst Twitter. Es sei "mutig" von den Frauen, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Vorwürfe haben auch Einfluss auf Politik

Der Skandal um Weinstein hat auch eine hochpolitische Komponente: weil der Produzent die Demokraten mit großzügigen Spenden unterstützt hat, versuchen nun viele von ihnen, auf Abstand zu gehen. Mehrere Kongressabgeordnete kündigten nach Bekanntwerden der Vorwürfe an, von Weinstein erhaltene Spenden an Wohltätigkeitsorganisationen weiterzuleiten.

Mehrere Republikaner stürzten sich wiederum auf die Enthüllungen über den Mann, der auch Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton mit viel Geld unterstützte. US-Präsident Donald Trump erklärte am Wochenende, er kenne Weinstein seit langem und sei "überhaupt nicht überrascht" über die Belästigungsvorwürfe gegen ihn.

Weinstein ist seit 15 Jahren in zweiter Ehe mit der Modeschöpferin Georgina Chapman verheiratet. Mit der Britin hat er zwei Kinder. Die Brüder Bob und Harvey Weinstein sind seit Jahrzehnten äußerst erfolgreich im Filmgeschäft. Ihre Produktionsfirma Miramax verkauften sie an Disney, um danach Weinstein Company zu gründen. Diese steht hinter zahlreichen Hollywood-Erfolgen, etwa das mit einem Oscar ausgezeichnete Drama "The King's Speech" von 2010. Auch der Oscar-nominierte Film "Gangs of New York" und der Oscar-gekrönte Film "Shakespeare in Love" sind Weinstein-Produktionen. 

AFP

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