Eine Stunde vorgestellt

Wieder Sommerzeit - aber das Ende der Zeitumstellung naht

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Die Uhren sind eine Stunde vorgestellt worden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Dunklere Vormittage im Winter oder kürzere Abende im Sommer - auf eins der beiden Szenarien müssen sich die Menschen in Deutschland künftig einstellen. In diesem und nächsten Jahr wird aber noch an der Uhr gedreht - überwacht von den Hütern der Zeit in Braunschweig.

Braunschweig (dpa) - Schon seit 1980 wachen die Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig über die Zeitumstellung, doch deren Ende naht.

Wehmütig sei er deshalb nicht, versicherte der Physiker Dirk Piester im PTB-Zeitlabor nach der jüngsten Umstellung auf die Sommerzeit in der Nacht zum Sonntag. "Aber wir beobachten sehr genau die Diskussionen in den Mitgliedstaaten der EU", sagte Pister der Deutschen Presse-Agentur.

Eine Mehrheit der Abgeordneten im EU-Parlament hatte am Dienstag für die Abschaffung des Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit gestimmt. Zweimal im Jahr - Ende März und Ende Oktober - wird an der Uhr gedreht. Am frühen Sonntagmorgen rückten die Zeiger um eine Stunde von 2.00 auf 3.00 Uhr vor. Die Umstellung auf die Sommerzeit habe reibungslos geklappt, sagte Piester.

Während die Nacht der Zeitumstellung im Frühjahr eine Stunde kürzer ist, darf bei der Umstellung Ende Oktober eine Stunde länger geschlafen werden. Den Wechsel zwischen Normal- und Sommerzeit halten viele für überflüssig. In einer europaweiten Online-Befragung der EU-Kommission 2018 sprachen sich 84 Prozent der rund 4,6 Millionen Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung aus.

Ursprünglich sollte sie dank einer besseren Ausnutzung des Tageslichts beim Energiesparen helfen, doch der wirtschaftliche Nutzen ist höchst umstritten. Manche Menschen stöhnen zudem über gesundheitliche Auswirkungen und leiden jedes Mal unter einer Art Mini-Jetlag. Auch Tiere benötigen zuweilen etwas Zeit, sich auf einen geänderten Tagesrhythmus einzustellen.

Für die tatsächliche Abschaffung müssen sich die EU-Mitgliedstaaten allerdings noch auf eine einheitliche Regelung einigen. Ein Flickenteppich soll vermieden werden. Das EU-Parlament plädierte für eine Abschaffung der Zeitumstellung im Jahr 2021. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach sich bereits für eine dauerhafte Sommerzeit aus, wie sie auch die Mehrheit der deutschen Teilnehmer der Online-Umfrage wünschten.

Einwände gibt es gegen beide Modelle. Bei einer ewigen Winterzeit, wie die Normalzeit landläufig genannt wird, ginge die Sonne am längsten Tag des Jahres schon gegen 20.30 statt 21.30 Uhr unter. Bei einer ewigen Sommerzeit würde im Winter die Sonne teilweise erst nach 9.00 Uhr aufgehen. Möglicherweise würden dann Schülerinnen und Schüler noch schlechter aus den Betten kommen. Der frühe Unterrichtsbeginn steht ohnehin in der Kritik, weil Studien nahelegen, dass die wenigsten schon morgens um 8.00 Uhr maximal aufnahmefähig sind. Die Bundesregierung hat sich insgesamt noch nicht festgelegt, ob sie für eine dauerhafte Sommer- oder Winterzeit ist.

Die Physiker der PTB sorgen dafür, dass über einen Zeitsender namens DCF77 im hessischen Mainflingen ein Signal gesendet wird, das Millionen Uhren in Europa vom Wecker bis zur Bahnhofsuhr um eine Stunde vorspringen lässt. Empfänger des Senders mit einer Reichweite von 2000 Kilometern nutzen das Signal und passen ihre Zeitanzeige automatisch an. Dazu gehören solche der Bahn, auf Flughäfen und bei den Energieversorgern. Die Zeitumstellung sei fest einprogrammiert, erklärt Physiker Piester. "Wir schauen nur jedes Mal vorher noch einmal genau nach, ob alles in Ordnung ist." Die Umstellung zu beenden, wäre kein riesiger Aufwand, sagte er.

Der Wissenschaftler persönlich würde am liebsten gar nichts ändern. "Ich mag die Zeitumstellung", betonte er. Mit Blick auf die Abstimmung des EU-Parlaments plädierte er für die dauerhafte Winterzeit in Deutschland. "Das wäre die mitteleuropäische Zeit und die entspricht unserer Geografie."

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