Zum Schutz der Korallen

Bade-Paradiese verbieten Sonnencreme

Die Unterwasserwelt ist ein empfindliches System. Bestimmte UV-Filter in Sonnencremes schaden Korallen und Fischen. Foto: Benjamin Nolte
1 von 5
Die Unterwasserwelt ist ein empfindliches System. Bestimmte UV-Filter in Sonnencremes schaden Korallen und Fischen. Foto: Benjamin Nolte
Schnorcheln im kristallklaren Wasser - ohne Sonnencreme kann dabei schnell die Haut verbrennen. Manche der Produkte stehen aber in Verdacht, Meeresbewohnern zu schaden. Foto: Andrea Warnecke
2 von 5
Schnorcheln im kristallklaren Wasser - ohne Sonnencreme kann dabei schnell die Haut verbrennen. Manche der Produkte stehen aber in Verdacht, Meeresbewohnern zu schaden. Foto: Andrea Warnecke
Riffökologin Sonia Bejarano arbeitet als Forscherin am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen. Foto: Foto: Jan Meier/ZMT
3 von 5
Riffökologin Sonia Bejarano arbeitet als Forscherin am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen. Foto: Foto: Jan Meier/ZMT
Prof. Rolf-Markus Szeimies ist Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen. Foto: Lana Rossdeutscher/Klinikum Vest
4 von 5
Prof. Rolf-Markus Szeimies ist Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen. Foto: Lana Rossdeutscher/Klinikum Vest
Geht das, Hautschutz und Umweltschutz? Ja, nicht alle Sonnencremes stehen in Verdacht, dem Meer zu schaden. Foto: Christin Klose
5 von 5
Geht das, Hautschutz und Umweltschutz? Ja, nicht alle Sonnencremes stehen in Verdacht, dem Meer zu schaden. Foto: Christin Klose

Palau und Hawaii verbieten bald Sonnencremes mit Inhaltsstoffen, die Korallen schaden. Andere Reiseziele könnten folgen. Welche Alternativen haben Urlauber? Und wie lassen sich der Schutz der Haut vor gefährlicher UV-Strahlung und Umweltschutz vereinbaren?

Recklinghausen (dpa/tmn) - Der Pazifikstaat Palau wagt eine radikale Maßnahme zum Schutz der Umwelt: Bestimmte Sonnencremes sind auf der tropischen Insel ab Januar 2020 verboten, weil sie die Korallen beschädigen.

Auf der Giftliste der Substanzen, die das Gesetz nennt, stehen etwa Oxybenzon und das in vielen hierzulande verkauften Cremes enthaltene Octocrylen. Sonnenschutz mit diesen Inhaltsstoffen soll beschlagnahmt werden, wenn ausländische Besucher ihn mit ins Land bringen. Palau könnte Vorreiter sein.

Tausende Tonnen Sonnencreme landen jedes Jahr im Meer

Im US-Bundesstaat Hawaii gilt ab 2021 ein Verbot von Cremes, die Octinoxat oder Oxybenzon enthalten. Laut einem Bericht der "New York Times" wird geschätzt, dass rund 14.000 Tonnen Sonnencreme pro Jahr in die Ozeane gelangen - in Riffen bei Hawaii und in der Karibik hätten sich die deutlichsten Schäden gezeigt.

Tatsächlich stehen die Inhaltsstoffe bestimmter Sonnencremes im Verdacht, Korallen und Fische zu schädigen. Konkret geht es um chemische UV-Filter, vor allem Octinoxat und Oxybenzon. Das wirft die Frage auf: Wie können Urlauber ihre Haut schützen, ohne das empfindliche Ökosystem unter Wasser zu belasten?

Riffökologin Sonia Bejarano kennt die Wirkung von Octinoxat und Oxybenzon auf Korallen. Sie schädigten Zooxanthellen - einzellige Algen, die in Symbiose mit Korallenpolypen leben und ihnen Farbe und Energie verleihen. Dadurch tragen die Stoffe zum Ausbleichen der Steinkorallen bei, was teilweise oder vollständig zu deren Absterben führen kann, wie die Forscherin vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen erklärt.

Urlauber können auf alternative Cremes zurückgreifen

Obwohl die Forschungen nicht unumstritten sind, gebe es viele wirkungsvolle Alternativen zu solchen Cremes, sagt Prof. Rolf-Markus Szeimies, Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen. "In der EU generell gibt es eine Fülle an chemischen UV-Filtern, die für Sonnenschutz zur Verfügung stehen." Zwar enthielten einige Produkte einen der beiden Filter, doch wer diese vermeiden will, kann einfach auf der Verpackungsrückseite nachschauen.

Doch auch ein hierzulande verbreiteter UV-Filter kann nach Ansicht von Forschern Meeresbewohner schädigen: Octocrylen. Diesen Stoff fanden die Experten der Zeitschrift "Öko-Test" im Frühjahr 2018 in mehr als der Hälfte der 27 getesteten Cremes. Octocrylen soll sich in lebenden Organismen wie Muscheln und Austern ansammeln und störe bei Fischen die Entwicklung von Gehirn und Leber.

Physikalische statt chemische UV-Filter

Chemische UV-Filter, die bestimmte UV-Strahlung in andere Energieformen wie Wärme umwandeln, sind nicht alternativlos. Urlauber können auch auf Cremes mit physikalischen Filtern wie Titandioxid oder Zinkoxid setzen, die Sonnenstrahlen reflektieren und sie damit von der Haut fernhalten. Es wird allerdings diskutiert, ob diese Stoffe gesundheitsschädlich sind. Szeimies hält sie für unbedenklich, sofern sie - wie bei Sonnencremes - gebunden auf die Haut aufgetragen werden. "Öko-Test" rät grundsätzlich zu Produkten mit physikalischen UV-Filtern. Für Sprays gilt diese Empfehlung jedoch nicht, wie Redakteurin Svenja Markert klarstellt. Denn sie können eingeatmet werden - und das könnte problematisch sein.

UV-Schutz muss sein

Dermatologe und Allergologe Szeimies plädiert generell dafür, mehr auf textilen Schutz statt Cremes und Lotionen zu setzen. Wichtig sei die Dichte des Gewebes. Je enger und dicker die Maschen der Kleidung sind, desto weniger UV-Licht kommt durch.

Bleibt am Ende nur UV-Schutzkleidung zum Baden? Das allein genüge nicht, betont Markert. Das Gesicht sei der Sonne immer noch ausgesetzt. "Sonnencreme ist wichtig." Denn Fakt ist auch, dass jeder Sonnenbrand das Risiko erhöht, an Hautkrebs zu erkranken.

Gesetz Palau (engl., pdf)

Bericht der "New York Times"

Empfehlung des Hanauma Bay State Park

Deutsche Haut- und Allergiehilfe zu Sonnenschutz

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Ryanair-Flugzeug verspätet sich - dann folgen "nervöse Angstzustände" für Passagiere

Eigentlich sollte es für 200 Passagiere nach Madrid gehen: Stattdessen saßen sie über Stunden in einer Ryanair-Maschine fest - aber es kommt noch dicker.
Ryanair-Flugzeug verspätet sich - dann folgen "nervöse Angstzustände" für Passagiere

Strandfoto geht schief: Frau schreit plötzlich panisch - sie hat allen Grund dazu

Türkisblaues Meer, weißer Sandstrand, eine Frau im weißen Bikini: Die perfekte Kulisse. Doch während alles auf Kamera festgehalten wird, gerät besagte Frau in Panik.
Strandfoto geht schief: Frau schreit plötzlich panisch - sie hat allen Grund dazu

Endlich: Auf diesem Kreuzfahrtschiff gibt es künftig kostenloses Internet

W auf Kreuzfahrt entspannen will, muss auf Internet nicht verzichten. Eine Reederei sorgt dafür, dass ihre Gäste flächendeckendes WLAN haben - kostenlos.
Endlich: Auf diesem Kreuzfahrtschiff gibt es künftig kostenloses Internet

Kein Scherz: Auf der Kreuzfahrt ist die Mitnahme eines Föhns meist verboten

Worauf sollten Sie beim Packen für die Kreuzfahrt achten? Zum Beispiel darauf, dass Sie keinen Föhn mitnehmen dürfen. Hier erfahren Sie, warum das so ist.
Kein Scherz: Auf der Kreuzfahrt ist die Mitnahme eines Föhns meist verboten

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.