Kampf für bessere Arbeitsbedingungen

So hausen Gäste in einem Hotel in Benidorm: Reinigungskraft postet eklige Fotos

An einem Strand tummeln sich unzählige Badegäste im Wasser und auf dem Sand.
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Benidorm kann im Sommer richtig voll werden. Dann leidet so manche Zimmer-Reinigungskraft unter Hotelgästen.

Ein Zimmermädchen aus Spanien hat ekelhafte Fotos aus einem verdreckten Hotel-Zimmer in Benidorm gepostet. Die Reinigungskräfte kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen.

Benidorm – Manchmal treffen die Spanier den Nagel auf den Kopf: „Guarro“ lautet ein gern benutztes Wort, das man je nach Zusammenhang mit „dreckig“, „unanständig“ oder auch „Schwein“ übersetzen kann. Bei jetzt aufgetauchten Fotos aus einem Hotel-Zimmer in Benidorm an der Costa Blanca* passen gleich alle drei Bedeutungen. Es sind ekelhafte Bilder, die eine Reinigungskraft auf Twitter veröffentlicht hat, und die ihren Alltag mit einigen Gästen widerspiegeln.

BenidormStadt in Spanien
Höhe15 m
Fläche38,51 km²
Bevölkerung67.558 (2018)
ProvinzAlicante

Ekelhafte Fotos zeigen Hotel-Zimmer aus Benidorm voller Müll

Benidorm gilt als Symbol für den Massentourismus in Spanien*, die Wolkenkratzer-Stadt ist vor allem bei britischen Touristen beliebt. Diesen Sommer kommen aber vor allem Spanier, Benidorm und viele andere Badeorte an der Costa Blanca sind jetzt fast genauso voll wie vor Corona*. Die Tourismus-Branche in Benidorm, die noch vor wenigen Monaten um ihre Existenz bangte*, jubelt jetzt über unerwartet ausgebuchte Zimmer. Ausbaden müssen den Ansturm die, die ganz unten auf der Gehaltsliste stehen. So zeigt die Reinigungskraft aus Spanien auf ihren Fotos ein und dasselbe Zimmer aus einem Hotel in Benidorm: verdreckt, übersät mit Müll, Hygieneartikeln, Kleidung, Lebensmitteln, benutzten Corona-Masken. Im Bad haben die Gäste benutzte Abschminktücher einfach neben dem Waschbecken liegen gelassen, daneben einen dreckigen Teller. Mitten in dem Chaos stehen in dem Zimmer ein Kinderwagen und Spielzeug: Bei den Gästen handelt es sich also ganz offenbar nicht um Partyvolk, sondern um eine Familie.

So hinterließen Gäste eines Hotels in Benidorm ihr Zimmer. Eine Reinigungskraft hat die ekelhaften Fotos gepostet.

„Das sind nur Beispiele für die Zustände, in denen eine Reinigungskraft Zimmer in Vier-Sterne-Hotels vorfindet. Und dann wollen sie, dass wir 23 bis 25 Zimmer in weniger als sechs Stunden säubern“, schreibt die Benidormer Vereinigung der Zimmermädchen, Kellys genannt, zu den ekelhaften Fotos auf Twitter. Yolanda García, Reinigungskraft in Benidorm und Mitglied der Kelly-Vereinigung, hat gegenüber costanachrichten.com* bekräftigt, dass derart verdreckte Zimmer in Hotels keine Seltenheit sind. „Während der Hochsaison finden wir fast täglich Zimmer in einem ähnlichen Zustand vor“, so García. Sie berichtet von dreckigen Windeln, die Gäste auf dem Bett liegen lassen und sogar von einem Babyfläschchen, in dem mitten im heißen spanischen Hochsommer drei Tage lang dieselbe Milch war.

Kampf für bessere Arbeitsbedingungen: Reinigungskraft aus Benidorm will mit ekelhaften Fotos aufrütteln

In Spanien sind die ekelhaften Bilder aus dem Hotel schnell durch sämtliche Medien gegangen und haben den Reinigungskräften die Aufmerksamkeit gebracht, die die Frauen in Benidorm und vielen anderen touristischen Orten dringend benötigen. „Abgesehen davon, dass manche Kunden asozial sind und nicht wertschätzen, welche Arbeit dahinter steckt, ein Zimmer zu reinigen, können wir nicht mit solch einer Arbeitsbelastung weitermachen“, schreiben die Kellys zu den veröffentlichten Fotos. Zumal jetzt zur normalen Reinigung noch der Mehraufwand der Corona-Desinfektion kommt. „Für ein Zimmer wie das auf den Fotos braucht eine Reinigungskraft mindestens eine Stunde. Wir haben aber im Schnitt nur zehn Minuten Zeit pro Zimmer“, so Reinigungskraft Yolanda García.

Ekelhafte Fotos aus einem Hotel in Benidorm: So überließen Gäste ein Zimmer der Reinigungskraft.

Seit Jahren fordern die Zimmermädchen in Benidorm und anderen Orten in Spanien bessere Arbeitsbedingungen. Während die Gäste die schönen Strände und Buchten an der Costa Blanca genießen*, schuften die Reinigungskräfte im Verborgenen. Unter anderem beschweren sich die Kellys über schlechte Bezahlung durch Zeitarbeitsfirmen, über zu viele Zimmer von oftmals wenig reinlichen Gästen, die jede Frau pro Schicht in einem Hotel schaffen muss. Und die Berufskrankheiten, die bei einer Reinigungskraft vor allem Rücken und Gelenke betreffen, sind zwar endlich als solche anerkannt – doch zur Prävention wird nach Auskunft der Kellys immer noch nichts oder zu wenig getan.

„Die wirtschaftliche Erholung lastet auf unseren ohnehin schon schmerzenden Schultern“, so die Reinigungskräfte aus Benidorm. Und: „Der Sommer ist extrem hart, mit vielen wechselnden Gästen, und die Situation der Zimmermädchen ist immer noch gleich oder genauso schlimm wie vor Corona. Die so herbeigesehnten Ferien der Touristen sind für uns wieder einmal dieselbe Hölle.“ *costanachrichten.com ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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