Schaurige Masken

Die mystischen Bräuche im Bayerischen Wald

Vieh vor Wölfen schützen
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Beim Wolfauslassen ging es früher einmal darum, dass Vieh vor Wölfen zu schützen - heute ist es immer noch Teil des Brauchtums im Bayerischen Wald. Foto: Peter Von Felbert/www.bayern.by/dpa-tmn
In den Rauhnächten
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In den Rauhnächten sind im Bayerischen Wald furchterregende Gesellen unterwegs und verbreiten Angst und Schrecken - ihre Masken sind handgeschnitzt. Foto: Armin Weigel/dpa/dpa-tmn
Altes Brauchtum
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Altes Brauchtum: In der Zeit zwischen den Jahren ziehen Hexen, Teufel und Dämonen durch viele Gemeinden im Bayerischen Wald. Foto: Armin Weigel/dpa/dpa-tmn
Der Bayerische Wald
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Der Bayerische Wald, winterlich verschneit - und im Volksglauben ein Ort der Sagen und Mythen. Foto: Armin Weigel/dpa/dpa-tmn
Teufelsgestalt
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So eine Gestalt kann einem schon mal Angst einjagen: Teufelsgestalt in einer der Rauhnächte in St. Englmar. Foto: Armin Weigel/dpa/dpa-tmn
Die Dämonen sind frei
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Die Tore zum Jenseits haben sich geöffnet, die Dämonen sind frei: Davon jedenfalls ist der Volksglaube im Bayerischen Wald während der Rauhnächte überzeugt. Foto: Armin Weigel/dpa/dpa-tmn
Goaßlschnalzen
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Wolfauslassen in Langdorf: Das «Goaßlschnalzen» ist bis heute Teil des niederbayerischen Brauchtums. Foto: Peter Von Felbert/www.bayern.by/dpa-tmn
Fabelwesen
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Die Fabelwesen sind während der Rauhnächte in dicke Pelze gehüllt - und sie tragen schaurige Masken. Foto: Armin Weigel/dpa/dpa-tmn

Im Bayerischen Wald sind zwischen den Jahren die Wolfauslasser und Perchten unterwegs - und rund um Silvester öffnen sich die Tore zum Geisterreich. Auf der Spur alter Winterbräuche.

St. Englmar (dpa/tmn) - Es herrscht ein Höllenlärm. Die Hexen und «Rauhwuggerln», der «bluadige Damerl» und die «Haberngoaßen» machen sich auf den Weg. Jedes Jahr in den zwölf Rauhnächten treiben sie - in dicke Pelze und grausige Masken gehüllt - ihr Unwesen in vielen Ortschaften des Bayerischen Waldes.

Sie schnalzen mit Peitschen, scheppern mit kiloschweren Kuhglocken, trommeln und plärren, um noch bösere Geister zu vertreiben und den Menschen auf der Straße und in den Häusern und Wirtsstuben einen ordentlichen Schrecken einzujagen.

Der Brauch ist uralt. Von jeher gelten die Rauhnächte als die geheimnisvollste Zeit des Jahres. Dunkel, kalt und windig ist es zwischen der Wintersonnenwende am 21. Dezember und dem 6. Januar. Es ist die Zeit der Hexen und Druden, die nachts auf die Brust der Schlafenden drücken, die Zeit der Perchten und der «Wilden Jagd» - die Zeit, in der nach alten Bayerwald-Legenden die Tore zum Jenseits geöffnet und die Wesen aus der Anderwelt frei sind.

Mit Peitschen gegen die Wölfe

Das wilde Treiben zieht jedes Jahr Tausende Gäste aus Nah und Fern nach Lam, Bodenmais, Neuschönau oder Frauenau. Doch weil es selbst den furchtbarsten Schreckgestalten nicht gelingt, das Coronavirus aus dem Bayerischen Wald zu vertreiben, fallen 2020 die großen Rauhnachtsfeiern auf den Markt- und Kirchplätzen aus.

Eigentlich ziehen zum Beispiel am 28. Dezember in St. Englmar die Rauhwuggerln durch die Straßen. Mit dabei sind oft auch die Wolfauslasser. Sie pflegen einen selten gewordenen Brauch, der nur noch in wenigen Orten des Bayerischen Waldes gepflegt wird. Er stammt aus dem 18. Jahrhundert, als Wölfe und Bären die Region durchstreiften und Rindern und Schafen zu schaffen machten. Um die abzuschrecken, bekamen die Kühe große Glocken umgehängt, die Hirten schnalzten beim Viehabtrieb laut mit ihren Peitschen durch die Luft. Den Viehabtrieb von den Schachten, wie die Almen im Bayerwald genannt werden, gibt es kaum noch. Das «Goaßlschnalzen» aber ist bis heute ein beliebter Teil des alten niederbayerischen Brauchs.

Wenn die Tage «aus der Zeit» fallen

Während das Wolfauslassen einen durchaus realen und praktischen Hintergrund hat, ist das Rauhnacht-Treiben im Bayerischen Wald zutiefst mystisch und von uraltem Aberglauben beherrscht. Entstanden ist der Brauch wohl daraus, dass das Mondjahr nur 354 Tage hat, das Kalenderjahr aber 365. Die übrigen elf Tage und zwölf Nächte fallen «aus der Zeit», sodass Dämonen und Geister die Rauhnächte für sich nutzen können.

Das Wort leitet sich von «rauch» ab, was früher für behaart und pelzig stand. Folglich sind die Perchten mit dicken, zerzausten Pelzen bedeckt. Zu Recht stolz sind die Männer auf ihre mächtigen hölzernen Masken, die in höchst aufwendiger und auch teurer Arbeit zu wahrhaft furchterregenden Fratzen mit langen Hörnern, feurigen Augen und riesigen Zähnen verwandelt werden.

Die Rückkehr der schaurigen Sünder

Wenn draußen vor dem Haus der Wind pfeift und dunkle Schatten den Bewohnern Angst machen, wurden und werden an den Kachelöfen drinnen Geschichten erzählt - schaurige zumeist. In den Rauhnächten drehen sie sich um die Wiederkehr der armen Seelen, die zu Lebzeiten schwer gesündigt haben, sich als Räubersleut verdingt oder es mit dem Teufel und bösen Hexen gehalten haben. Sie müssen in den harten Winternächten übers kalte, schneebedeckte Land brausen, vergeblich um Erlösung bittend - als sogenannte Wilde Jagd genau in der Mitte der Rauhnächte, wenn an Silvester das Geisterreich offen steht.

Dann haben die Seelen der Verstorbenen für kurze Zeit Ausgang, die Dämonen sind frei und es geschieht allerlei Merkwürdiges: Stalltiere, so erzählen es die Bauern ihren Kindern, sprechen manchmal um Mitternacht die menschliche Sprache und deuten die Zukunft. Wer sich zuverlässig vor den Dämonen schützen möchte, räumt vor Silvester gründlich auf. Die bösen Geister, weiß der Volksmund, lieben die Unordnung - um saubere Häuser machen sie einen weiten Bogen.

Informationen: Tourismusverband Ostbayern, Im Gewerbepark D 02/D 04 93059 Regensburg (Tel.: 0941/58 53 90).

© dpa-infocom, dpa:201216-99-716684/2

Tourismusverband Ostbayern

Urlaubsregion St. Englmar

Rubriklistenbild: © Peter Von Felbert

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