Ende der Billig-Angebote?

FlixBus & Co.: So teuer werden Fernbus-Tickets zukünftig

+
Die Fahrt mit dem Fernbus ist zwar meist langsamer, aber dafür oft billiger als die Bahn. Die Preise insgesamt jedoch waren schon mal günstiger.

Vor allem Menschen mit wenig Geld nutzen sie alternativ zur Bahn: Fernbusse. Aber die Phase extrem billiger Tickets ist wohl vorbei - denn die Preise steigen.

Berlin - Für Reisende steigt das Angebot an Fernbus-Tickets, aber die Fahrkarten werden weniger erschwinglich. Sie kosteten zuletzt so viel wie seit der Marktfreigabe vor sechs Jahren nicht, wie aus einer Analyse des Marktforschungsinstituts Iges hervorgeht.

Fernbus-Anbieter werden teurer

Je Fahrgast und Kilometer machten die Anbieter Ende des vergangenen Jahres 10,7 Cent Umsatz. Der Normalpreis lag damit pro Kilometer um 0,8 Cent höher als ein Jahr zuvor, wie das Institut mitteilte. Rechnerisch erhöhte sich damit der durchschnittliche Fahrpreis für eine Entfernung von rund 600 Kilometern - wie etwa auf der Strecke zwischen Berlin und München - um knapp fünf Euro.

Zwar bringen nicht nur die Fahrpreise den Busunternehmen Einnahmen. Es kommen noch Zahlungen etwa für Zusatzgepäck, Reservierungen oder den Snackverkauf hinzu. Diese Einnahmen sind aber in den Zahlen nicht berücksichtigt. Trotz des Preisanstiegs bleibt der Bus den Daten zufolge deutlich billiger als die Bahn - meist nehmen Fahrgäste dafür eine längere Fahrtzeit in Kauf.

Die Marktforscher beobachten schon länger, dass es Bus-Anbietern besser gelingt, die einzelnen Preise ähnlich wie Fluggesellschaften der jeweiligen Nachfrage anzupassen und so die Erlöse zu erhöhen. Die Aktionspreise indes blieben in den vergangenen Jahren recht konstant und pendelten zwischen 3,6 und 4,3 Cent je Kilometer.

Lesen Sie auch: Aldi bietet Flixbustickets zum Schnäppchenpreis an - mit einigen Haken

Zugleich wuchs laut Iges das Gesamtangebot für die Kunden wieder deutlich. Ende 2018 gab es 287 Linien, zuvor hatte sich die Zahl bei etwa 240 bis 250 eingependelt. Auch die Zahl der Fahrten je Woche erreichte mit 3328 den höchsten Stand seit zwei Jahren. Dazu trugen auch Warnstreiks bei der Bahn und bei Ryanair bei.

Lesen Sie hier: Flixbus-Chef verrät: Diesen Fehler macht wirklich jeder Fernbus-Reisende.

Das ändert sich bei FlixBus

Der Fernbusmarkt war Anfang 2013 freigegeben worden. Zahlreiche Anbieter rivalisierten mit günstigen Fahrkarten um die Kunden - zwischenzeitlich lag der Normalpreis um 20 Prozent unter dem heutigen. Seit einigen Jahren dominiert Flixbus den deutschen Markt, die grünen Busse fahren gut 95 Prozent der angebotenen Fahrplan-Kilometer.

2018 konnte der deutsche Marktführer die Zahl seiner Fahrgäste weiter steigern. Weltweit waren es mehr als 45 Millionen Passagiere, wie Flixbus der dpa mitteilte. Mit einem Plus von 12,5 Prozent fiel das Wachstum damit schwächer aus als im Vorjahr, als die Fahrgastzahl noch um ein Drittel auf 40 Millionen gestiegen war.

Dabei ging das Unternehmen 2018 auch in den USA, Bulgarien und Weißrussland an den Start. Es ist damit nun in 29 Ländern aktiv. In Deutschland baute Flixbus sein Angebot auch mit Fernzügen aus. Geschäftszahlen für einzelne Märkte werden aber nicht genannt.

Lesen Sie hier: Heikle Frage: Wann darf ich im Zug eigentlich die Notbremse ziehen?

2017 war die Zahl der Fernbus-Fahrgäste laut Statistischem Bundesamt bundesweit leicht auf 23 Millionen zurückgegangen. 2018 wuchs die Konkurrenz für den Bus: Die Bahn punktete mit ihrer neuen Schnellfahrstrecke Berlin-München, und nach dem Billigflieger Ryanair nahm auch Easyjet innerdeutsche Flüge ins Programm.

Flixbus-Kunden in Deutschland sollen künftig selbst im Bus einchecken können. Statt beim Fahrer können sie den QR-Code ihrer Fahrkarte an einer Scanfläche einlösen und Platz nehmen. Zunächst ist ein Pilotversuch in einzelnen Bussen geplant. Nach dem Start an der US-Westküste sollen die grünen Busse künftig auch in Texas und New York unterwegs sein.

Flixbus besitzt selbst keine Busse, sondern kümmert sich mit 1500 Beschäftigten um die Vermittlung der Fahrten, Marketing, Vertrieb, Netzplanung und Betriebssteuerung. Gefahren werden die Strecken von rund 7000 Fahrern aus 300 meist mittelständischen Busunternehmen.

Ein neuer Konkurrent könnte die Preispolitik ins Wanken bringen. Die Mitfahrzentrale will nach Frankreich nun auch in Deutschland und bis Ende des Jahres europaweit mit der Busmarke Blablabus ins Fernbusgeschäft einsteigen. Blablabus verspricht Fahrten in ganz Deutschland ab 99 Cent.

Auch interessant: Aus diesem Grund sind Gurte in manchen Bussen Pflicht - und in manchen nicht.

Und: Flixbus-Chef mit peinlicher Aktion im TV - Das hätte andere den Job gekostet

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Ex-Kreuzfahrt-Mitarbeiter mit ungeahntem Geständnis: "Das Schwierigste, das wir ertragen..."

Kreuzfahrten ziehen immer wieder Menschen an, für eine Weile an Bord zu arbeiten und Monate lang durch die Welt zu schippern. Klingt traumhaft? Ist es nicht immer.
Ex-Kreuzfahrt-Mitarbeiter mit ungeahntem Geständnis: "Das Schwierigste, das wir ertragen..."

Wer dieses Smartphone besitzt, darf nicht auf Kreuzfahrt mit Tui Cruises gehen

Das Smartphone ist immer dabei - natürlich auch auf der Kreuzfahrt. Doch wer ein bestimmtes besitzt, der muss dies künftig auf Tui-Kreuzfahrten zuhause lassen.
Wer dieses Smartphone besitzt, darf nicht auf Kreuzfahrt mit Tui Cruises gehen

Darum sollten Sie vor bestimmten Flügen unbedingt nochmal unter die Dusche steigen

Haben Sie schon mal davon gehört, dass Fluggesellschaften erwarten, dass Passagiere gepflegt das Flugzeug betreten? Wir erklären Ihnen, was es damit auf sich hat.
Darum sollten Sie vor bestimmten Flügen unbedingt nochmal unter die Dusche steigen

Kreuzfahrtschiff erzielt schlimmste Wertung in seiner Geschichte - Gründe sind verheerend

Schmutz, Verunreinigungen und Ungeziefer: Bei einer Inspektion erhielt ein beliebtes Kreuzfahrtschiff fast die denkbar schlechteste Bewertung - und fiel durch.
Kreuzfahrtschiff erzielt schlimmste Wertung in seiner Geschichte - Gründe sind verheerend

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.