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Neues Ranking zu Kreuzfahrtschiffen: Selbst „klimafreundlichste“ Reederei liegt noch weit zurück

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Von: Franziska Kaindl

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Kreuzfahrtreedereien machen immer noch zu wenig für den Schutz von Umwelt, Klima und Natur, findet der Naturschutzbund Deutschland in einem Ranking.

Nach der Corona-Pandemie geht es für die Kreuzfahrtbranche langsam wieder bergauf. Bis Ende 2023 sollen die Passagierzahlen wieder auf demselben Niveau liegen wie 2019 und bis 2026 sagt die Cruise Lines International Association eine Steigerung des Passagiervolumens um 12 Prozent voraus, wie der Spiegel berichtet. Weniger fortschrittlich sieht es allerdings in den Bereichen Klima- und Umweltschutz aus, wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) deklariert. Es gäbe nur wenige „wirklich zukunftstaugliche Projekte“, stattdessen käme beim Großteil der Bestandsflotten weiterhin das klimaschädliche Schweröl als Treibstoff zum Einsatz.

Umweltranking zeigt: Kreuzfahrtbranche hat noch viel zu tun

Insgesamt 19 Reedereien hat der Nabu für sein Umweltranking 2022 zu den Themen Klima- und Umweltschutz befragt. Hurtigruten Norway schnitt dabei am besten ab – erreichte aber auch nur die Hälfte der möglichen Punkte. Immerhin konnten sich noch drei deutsche Unternehmen in den Top 5 einreihen: Aida, Hapag Lloyd Kreuzfahrten und Tui Cruises. Die hinteren Ränge werden von Costa Cruises, Phoenix Reisen und Marella besetzt – wobei letztere keinen einzigen Punkt in der Nabu-Wertung erringen konnte.

Ein Kreuzfahrtschiff läuft in den Hafen von Venedig ein.
Kreuzfahrtreedereien sind aktuell noch weit davon entfernt, klimafreundlich zu werden. © Arnulf Hettrich/Imago

Nur „schöne Worte“: Nabu fordert mehr Aktion von Reedereien

Das Kreuzfahrt-Ranking veranschaulicht, „dass von den Unternehmen vor allem schöne Worte und Ankündigungen kommen, bislang aber nur wenig konkret umgesetzt wird, um die Situation zu verbessern“, so der Nabu. „Nur Unternehmen, die heute aus dem Schweröl aussteigen und für alle Neubauten Null-Emissionen als Standard vorsehen, können glaubhaft machen, dass die Ankündigungen für eine klimaneutrale Zukunft der Kreuzschifffahrt wirklich ernst gemeint sind.“ Zumindest verfüge die Mehrzahl der Unternehmen über eine Klimastrategie und bekenne sich zu den Klimazielen von Paris. Auch moderne Technologien wie Batterien und Brennstoffzellen, die den Verbrennungsmotor ergänzen, kämen bei ersten Reedereien zum Einsatz.

Trotzdem ist noch einiges zu tun: „Das Hauptproblem ist, dass immer noch an Schweröl festgehalten wird, einfach nur, weil es am billigsten ist“, erklärt Nabu-Verkehrsexperte Sönke Diesener laut ZDF. Eine Alternative mit weniger Emissionen wäre LNG. Auch Landstrom könne dabei helfen, die Klimabilanz eines Schiffes zu verbessern. Doch auch hier gibt es offenbar Probleme: „Wir würden ja gerne, aber wir können nicht“, sagt Helge Grammerstorf, Deutschlanddirektor vom Kreuzfahrtverband Cruise Lines International Association (CLIA). Fast 40 Prozent der Flotte, die zu CLIA gehört, sei landstromfähig, aber: „Das Problem ist die Versorgung. Wir haben zu wenig Häfen, die Landstrom anbieten, nur zwei Prozent weltweit.“

Wie werden Kreuzfahrtschiffe möglichst schnell klimafreundlicher?

Der Gewinner Hurtigruten zeigt laut Nabu, dass Kreuzfahrten auf festen Routen in küstennahen Gewässern die notwendigen Klima- und Umweltmaßnahmen berechenbarer und daher leichter umsetzbar machen würden. Ein weiterer förderlicher Faktor sei eine strenge Regulierung durch die norwegische Regierung: Seit 2007 schreibt diese ein striktes Stickoxidregime vor und bestimmte Häfen dürfen in Zukunft nur noch mit Null-Emissionsschiffen befahren werden. Das ist auch der Weg, den der Nabu für am sinnvollsten erachtet: Es brauche flächendeckend strengere Gesetze, um in der gesamten Branche eine vergleichbare Entwicklung auf den Weg zu bringen. Dazu gehören „ein generelles Schwerölverbot, eine Landstrompflicht, eine E-Fuels-Quote genauso wie strengere Effizienzvorgaben und die großflächige Ausweisung von Null- und Niedrig-Emissionsgebieten auf See“. Der Tourismusforscher Prof. Dr. Alexis Papathanassis von der Hochschule Bremerhaven stimmt laut ZDF zu: „Die Reedereien sind bereit, sich an Bestimmungen zu halten und an Standards, die es teurer machen. Aber nur, wenn das für alle gilt.“

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