Tourismussteuer

Mallorca kassiert doppelt ab: Urlauber zeigen Verständnis

+
Ab 2018 zahlen Mallorca-Besucher eine höhere Tourismussteuer. Diese verdoppelt sich. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Kaum haben sich die Wogen geglättet, die die 2016 auf den Balearen eingeführte Touristensteuer ausgelöst hat - da legt die Regierung nach. Die Abgabe wird demnächst verdoppelt. Mallorca-Fans bleiben trotzdem gelassen.

Palma (dpa) - Ausgebuchte Hotels aller Kategorien, volle Strände und Restaurants, buntes Treiben am Ballermann: Die im Juli letzten Jahres eingeführte - und vor allem bei Hoteliers umstrittene - Urlaubersteuer auf Mallorca und den anderen Baleareninseln hat dem Besucherzustrom keinen Abbruch getan.

Im Gegenteil: Die zunehmende "Tourismusphobie" der Mallorquiner eben wegen dieses Massenandrangs war eines der Schlagworte dieses Sommers. Jetzt hat die linke Regierungskoalition der Inselgruppe noch einmal nachgelegt - und die "Ecotasa", also die "Ökotaxe", ab 2018 kurz entschlossen verdoppelt. Lehnt sie sich damit nun zu weit aus dem Fenster?

Während die Kritiker auf die Barrikaden gehen, bleiben die Politiker standhaft: Die Steuer sei extrem wichtig, um den durch den Tourismus verursachten Umweltschäden entgegenzuwirken, lautet ihr Hauptargument. Der Großteil der erwarteten Einnahmen in Höhe von 120 Millionen Euro soll deshalb in nachhaltige Projekte fließen, um das natürliche und historische Erbe der Inseln zu schützen. "Die Einnahmen des ersten halben Jahres (Juli bis Dezember 2016) von 30 Millionen Euro haben bereits die Finanzierung von insgesamt 46 Projekten ermöglicht", sagte Tourismusminister Biel Barceló der Deutschen Presse-Agentur.

Je nach Qualität der Unterkunft müssen Gäste ab kommendem Jahr pro Tag und Person zwischen einem und vier Euro zahlen, in der Nebensaison wird die Abgabe, wie bisher, halbiert. "Kinder unter 16 Jahren sind nach wie vor von der Zahlung der Steuer ausgenommen", so Barceló. Dafür werden Kreuzfahrttouristen künftig zur Kasse gebeten, unabhängig von der Dauer, die sie im Hafen verbringen.

Die Sonnenanbeter am Strand von Palma nehmen die Ankündigung dieser Mehrkosten zunächst einmal gelassen. "Es gibt keine Steuer auf dieser Welt, die mich davon abhalten würde, nach Mallorca zu kommen. Dafür liebe ich die Insel zu sehr", sagt die Britin Zoey. Auch Herbert aus dem Burgenland zeigt Verständnis. "Ich finde es ganz normal, dass es hier eine Touristensteuer gibt - in Österreich und Deutschland gibt es das ja auch, etwa die Kurtaxe", sagt er.

Die positiven Kommentare scheinen dem Tourismusministerium Recht zu geben. Es seien "keine negativen Folgen für die Wirtschaft der Inseln", zu spüren gewesen, versicherte Barceló vor Journalisten. "Die Abgabe hat sich weder auf die Beschäftigungszahlen des Sektors noch auf die durchschnittlichen Ausgaben der Touristen negativ ausgewirkt, ganz im Gegenteil."

Nach einer jüngsten Erhebung des spanischen Statistikamts hat der Ansturm auf die Inseln 2017 tatsächlich alle Rekorde gebrochen - trotz der "Ecotasa". Zwischen Januar bis Juli reisten demnach 7,9 Millionen auswärtige Besucher nach Mallorca, Ibiza, Menorca oder Formentera. Das sind stolze 7,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein im Juli landeten 2,5 Millionen Ausländer. Den Hauptanteil stellten mit 29 Prozent die Deutschen, dicht gefolgt von den Briten.

Hoteliers und Reiseveranstalter sind dennoch entsetzt. Sie warnen, die Steuer werde viele Touristen dazu bewegen, sich künftig für andere Ziele am Mittelmeer zu entscheiden. Der Verband der Hoteliers von Mallorca kritisierte das Vorhaben als "katastrophal". Bislang habe die Steuer keine positiven Auswirkungen gezeigt, "weder im sozialen Bereich noch in Bezug auf das touristische Angebot", klagte Verbandspräsidentin Inmaculada Benito.

Übrigens ist es nicht das erste Mal, dass sich die Balearen an eine Touristenabgabe trauen. Zwischen 2001 und 2003 ging der Schuss aber gewaltig nach hinten los: Zwar waren damals 160 Millionen Euro in die Insel-Kassen geflossen - unterm Strich blieb aber wegen eines starken Einbruchs der Buchungen ein großes Minus. Die Steuer wurde schnell wieder abgeschafft.

Dieses Mal scheint - zumindest bis jetzt - die Liebe der meisten Urlauber zu den Inseln alle finanziellen Bedenken zu zerstreuen. Die Österreicherin Irmgard bringt die allgemeine Stimmungslage auf den Punkt: "Wenn es nun sehr viel teurer wird, spart man eben an anderer Stelle", sagt sie. "Aber deswegen werden wir nicht auf Mallorca verzichten."

Hotelierverband FEHM zur Tourismussteuer

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Seit sieben Jahren leer: Verlassenes Gruselhotel in Bangkok

Das ehemalige Luxus-Hotel "Grand Ayudhaya" in Thailands Hauptstadt Bangkok steht seit vielen Jahren leer. Der Blick in die Räumlichkeiten ist schauderhaft schön.
Seit sieben Jahren leer: Verlassenes Gruselhotel in Bangkok

Stewardess wird gekündigt - weil sie Essen von Passagieren nascht

Eine Stewardess der Fluglinie Urumqi Air wurde suspendiert, nachdem sie beim Kosten des Passagieressens gefilmt wurde. Der Vorfall löst nun große Diskussionen aus.
Stewardess wird gekündigt - weil sie Essen von Passagieren nascht

Noch keine Eröffnungstermine für neue Museen in Abu Dhabi

Die Emirate haben seit Jahren mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen. Zu den kulturellen Highlights in Abu Dhabi gehört zweifellos der kürzlich eröffnete Louvre Abu …
Noch keine Eröffnungstermine für neue Museen in Abu Dhabi

Berg in Regenbogenoptik: Zu Gast am Rainbow Mountain in Peru

Der knallbunte Vinicunca im Süden Perus hat sich den Namen Rainbow Mountain mehr als verdient. Touristen pilgern erst seit kurzem zu ihm hinauf. Eine besondere …
Berg in Regenbogenoptik: Zu Gast am Rainbow Mountain in Peru

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.