Omas Möbel müssen raus

Was Urlauber von einem Ferienhaus erwarten

+
Bei jungen Menschen ist Abwechslung gefragt. Nur noch wenige fahren jedes jahr an den selben Ferienort. Foto: Christophe Gateau

Das Internet und günstige Flugpreise verändern das Reiseverhalten vor allem junger Menschen. Immer an denselben Ort reisen? Diese Zeiten sind vorbei. Darauf müssen sich auch Anbieter von Ferienwohnungen und -häusern einstellen.

Berlin (dpa) - Geändertes Urlaubsverhalten und neue Anbieter setzen die Ferienhausbranche unter Druck. Vielerorts finde bereits ein Umdenken statt.

Erwartet würden etwa flexible Reisezeiten und die Möglichkeit zu kürzeren Aufenthalten, sagte Aye Helsig, Vorsitzender des Deutschen Ferienhausverbands (DFV). Noch immer sei es weit verbreitet, dass Ferienwohnungen von Samstag bis Samstag gebucht werden müssten.

Der Deutsche Tourismusverband betont: "Im Inland sind Ferienwohnungen und -häuser für Reisen ab fünf Tagen die beliebteste Unterkunftsform." Allerdings sind die Ansprüche stark gestiegen. "Heutzutage ist es so, dass die Urlauber genauso gut leben wollen wie zu Hause, tendenziell ein Stück besser", sagte Helsig.

Das sieht auch Branchenexpertin Claudia Gilles, bis vor kurzem Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes, so. "Der Trend geht zu besser ausgestatteten und professionell vermarkteten Wohnungen. Die Eigentümer investieren, um Kunden zu bekommen."

Die Branche setzt vor allem auf jüngere Vermieter. "Die professionalisieren das Segment", sagte Helsig mit Blick etwa auf Online-Buchungen und schnelle Kommunikation. "Jüngere sind bereit, sich von Omas Möbeln zu trennen, zu Renovierungen in Bad und Küche, um ein qualitativ hochwertiges Objekt zu haben, das im Wettbewerb bestehen kann."

Und das ist wichtig, denn die Konkurrenz ist hoch. "Durch das Internet sind die Angebote vergleichbarer geworden", sagte Gilles. Vermieter müssten immer ansprechbar sein, da heutzutage schnelle Antworten erwartet würden. Und vor allem jüngere Menschen haben ihr Reiseverhalten geändert, fahren auch dank günstiger Flugverbindungen nicht jedes Jahr an denselben Ort.

"Stammgäste nehmen ab. Das Reiseverhalten ist volatiler geworden", sagte Gilles. Und Ursula Kriegl vom Beratungsunternehmen EY betont: "In der Elterngeneration war es noch chic, Jahr für Jahr in dieselbe Bleibe zu fahren. Das halten die Menschen aber heute nicht mehr für erstrebenswert."

Das kann sich auch auf den Markt mit Ferienimmobilien auswirken, meint die Branchenexpertin. "Der Drang zum Erwerb geht zurück, weil mehr Abwechslung und Reiseerlebnis gesucht wird." Die Immobilien seien "ein teures Vergnügen".

Aus der Branche heißt es, dass die Bedeutung als Anlageobjekt zunimmt. "Diente das Häuschen an der Nordsee oder das Apartment an der Algarve vor einigen Jahren hauptsächlich noch als persönlicher Rückzugsort und Altersruhesitz, so wird das Feriendomizil in Zeiten von Minizinsen zum Investitionsliebling", teilten die Online-Plattform fewo-direkt.de und der Wohnungsvermittler Engel & Völkers anlässlich ihrer "Marktstudie private Ferienimmobilien 2019" mit. Habe vor fünf Jahren knapp die Hälfte der Befragten ihre Immobilie gleich nach dem Kauf vermietet, so waren es 2018 im Inland mehr als 80 Prozent.

DFV-Branchenumfrage

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Was der Kreuzfahrt-Crew in der Kabine verboten ist - und welche Folgen die Missachtung hat

Auf Kreuzfahrten gibt es Regeln - und das aus guten Gründen. Ein ehemaliges Mitglied der Kreuzfahrtbesatzung hat dazu nun aus dem Nähkästchen geplaudert.
Was der Kreuzfahrt-Crew in der Kabine verboten ist - und welche Folgen die Missachtung hat

Verbotene Insel: Wer sie verließ, durfte nie wieder zurückkehren

Sie liegt nicht einmal 30 Kilometer vor einer der hawaiianischen Hauptinseln, aber sie ist fast unberührt. Der Grund ist eine alte Familienangelegenheit.
Verbotene Insel: Wer sie verließ, durfte nie wieder zurückkehren

Fauxpas im Urlaub? Touristin zeigt sich in knappen Bikini - und wird zu Geldstrafe verdonnert 

Eine Touristin wurde mit einer Geldstrafe von 2.500 Philippinischen Peso bestraft, weil sie einen laut den Polizeibeamten zu knappen Bikini trug.
Fauxpas im Urlaub? Touristin zeigt sich in knappen Bikini - und wird zu Geldstrafe verdonnert 

Nach Pleite von Thomas Cook: So holen Sie sich Ihr Geld zurück - Stiftung Warentest gibt Kunden Tipps

Das Reiseunternehmen Thomas Cook musste Insolvenz anmelden. Stiftung Warentest erklärt nun, wie Kunden sich ihr Geld zurückholen können.
Nach Pleite von Thomas Cook: So holen Sie sich Ihr Geld zurück - Stiftung Warentest gibt Kunden Tipps

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.