Nach langer Fehlzeit

So funktioniert die Wiedereingliederung nach Krankheit

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Wer wegen psychischer Probleme innerhalb von zwölf Monaten sechs Wochen oder mehr krankgeschrieben war, kann eine Wiedereingliederung in Anspruch nehmen. Foto: Patrick Pleul/dpa

Neue Zahlen zeigen: Psychisch erkrankte Arbeitnehmer haben besonders viele Fehltage. Die Rückkehr an den Arbeitsplatz ist für Betroffene meist eine große Herausforderung. Eine Wiedereingliederung kann helfen.

Düsseldorf (dpa/tmn) - Psychische Erkrankungen sorgen für immer mehr Fehlzeiten im Job - und Arbeitnehmer fallen dadurch immer länger aus. Das geht aus einem Report des AOK-Bundesverbandes hervor.

Sowohl die Zahl der psychisch Erkrankten als auch die Zahl der Fehltage je Patient ist demnach gestiegen. Fällt jemand innerhalb von zwölf Monaten mindestens sechs Wochen lang aus, steht ihm ein sogenanntes Eingliederungsmanagement zu. Die sechs Wochen müssen dabei nicht zusammenhängend sein. Der Anspruch besteht auch für Angestellte in Teilzeit oder Azubis, erklärt das Institut für Angewandte Arbeitswissenschaft (IfaA) in einer neuen Broschüre zum Thema.

Nur in der Probezeit ist der Arbeitgeber noch nicht verpflichtet, das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten. Wer das BEM in Anspruch nimmt, braucht deswegen keinen Eintrag in der Personalakte zu fürchten: Für die Eingliederung muss der Arbeitgeber den Angaben nach eine separate Akte anlegen, auf die nur diejenigen Zugriff haben, die an dem Verfahren beteiligt sind. Sie muss drei Jahre nach Ende des Verfahrens vernichtet werden. In der Personalakte darf dann lediglich ein Hinweis darauf stehen, dass ein Angestellter zum BEM eingeladen wurde.

Wie die Eingliederung genau aussieht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Denkbar sind unter anderem eine stufenweise Erhöhung der Arbeitszeit, berufsbegleitende Reha-Maßnahmen oder bauliche Veränderungen am Arbeitsplatz, um zum Beispiel Rückenprobleme zu verhindern.

Broschüre "Betriebliches Eingliederungsmanagement" (PDF)

AOK-Fehlzeiten-Report

Der Arbeitsausfall durch psychische Erkrankungen ist nach Angaben des AOK-Bundesverbandes in den vergangenen zehn Jahren mit 79,3 Prozent überproportional stark gestiegen. Mit 25,7 Tagen je Fall lagen die Ausfallzeiten 2016 an der Spitze aller Erkrankungen und dauerten mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,7 Tagen je Fall. Dies geht aus dem Fehlzeiten-Report 2017 des AOK-Bundesverbandes hervor. Dabei stieg sowohl die Zahl der psychisch Erkrankten insgesamt als auch die Ausfallzeit je Patient.

Vor allem kritische Lebensereignisse können dem Report nach die Gesundheit belasten und damit die Arbeit negativ beeinflussen. So berichten 58,7 Prozent der Beschäftigten von körperlichen und 79 Prozent von psychischen Problemen durch Lebenskrisen.

In der Folge fühlten sich mehr als die Hälfte (53,4 Prozent) in der eigenen Leistungsfähigkeit im Berufsleben eingeschränkt. Knapp die Hälfte (48,8 Prozent) gab demnach an, trotz Erkrankung in diesem Kontext zur Arbeit gegangen zu sein. Mehr als ein Drittel (37,3 Prozent) fühlte sich aufgrund eines kritischen Lebensereignisses unzufrieden mit der Arbeit oder meldete sich häufiger krank (34,1 Prozent).

Aufgrund des demografischen Wandels werden Unternehmen künftig verstärkt mit den älter werdenden Belegschaften und damit verbundenen häufigeren Krisen der Mitarbeiter konfrontiert sein, erklärte Helmut Schröder, der stellvertretende Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), das die Untersuchung durchführte.

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